„Tierisch gesund, tierisch krank“. Versuch eines körper- und medizinhistorischen Zugangs zur Erforschung von Mensch-Tier-Beziehungen im Wiener Fleischergewerbe des 19. Jahrhunderts

LUKASZ NIERADZIK (Wien)

Abstract:

Die Rationalisierung der großstädtischen Fleischversorgung im 19. Jahrhundert verwandelte den tierischen Körper in eine organische Zielscheibe einer verdichteten Gewaltförmigkeit. Damit verbunden war die Genese eines spezifischen Körperwissens und Verständnisses über das Verhältnis von Gesundheit und Krankheit. Der Beitrag befasst sich mit den Wechselwirkungen zwischen Körperwissen, Körperpraktiken und Körpererfahrungen am Beispiel des Wiener Fleischergewerbes in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es wird gefragt, inwiefern unterschiedliche Konzepte von Gesundheit und Krankheit im Rahmen konkurrierender medizinischer Theorien den tierischen Körper als Gefahrenquelle und gleichzeitig auch als unentbehrliche organische Ressource für die menschliche Gesundheit konzipierten und inwiefern sich dadurch Mensch-Tier-Beziehungen auf den Ebenen des Wissens und der Praxis veränderten.

English Version:

A body and medical historical approach to research on human-animal relations in the Viennese butchery craft in the 19th century

The rationalisation of urban meat supply in the 19th century transformed the animal body towards an organic target of a concentrated violence. Closely linked to this a specific body knowledge, and an understanding of the relationship between health and disease emerged. This paper explores the interactions between body knowledge, body practices and body experience by the example of the Viennese butchers in the second half of the 19th century. I ask how different concepts of health and disease in the context of competing medical theories conceptualised animal bodies as sources of danger and at the same time as an indispensable organic resource for human health. Following this, I explore the change of human-animal relations on the level of knowledge and practice.