Martin Sabrow (Sektionsleitung)

Für Skeptiker und Enthusiasten: Was ist und zu welchem Ende nutzt das „Digitale“ in den Geschichtswissenschaften?

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Abstract

In der Frage, welche Rolle digitale Quellen, Methoden und Werkzeuge in der historischen Forschung spielen können und sollten, ist die Geschichtswissenschaft nach wie vor gespalten: Während die Einen meinen, unser Fach habe wichtige Entwicklungen im unübersichtlichen Feld der digitalen Geisteswissenschaften versäumt und finde nur langsam Anschluss, sehen Andere in den „Digital Humanities“ einen kurzfristigen „Hype“ oder nur vereinzelte Ansätze, die sinnvoll für die Geschichtswissenschaft sind. Was bislang fehlt, ist Klarheit darüber, welche Aspekte digitalen Arbeitens und Forschens für Historiker/innen wichtig sind bzw. werden könnten. Die Sektion richtet sich an alle Fachkolleg/innen, die sich für digitale Quellen und ihre Aufbereitung für die Forschung interessieren — auch an jene, die bislang keine oder wenige Informationen über bereits existierende Ressourcen und Angebote zur digitalen Datenerstellung und -nutzung haben. Diskutiert werden zum einen Kernfragen unseres Faches, wie jene nach den methodischen Implikationen digitaler Werkzeuge oder nach der Sicherung der Qualität historischer Forschung im digitalen Zeitalter, einschließlich der Frage, welche Standards für digitale Quellen unverzichtbar sind und warum. Zum anderen adressiert die Sektion konkrete Probleme der Forschungspraxis: Wie können sich Historiker/innen, die keine informationswissenschaftliche oder computerlinguistische Kompetenz haben, die großen Forschungs(daten)infrastrukturen wie CLARIN-D und DARIAH-DE zu Nutze machen? Wo liegen ihre Potenziale und wo die Grenzen? Wie können Dozenten digitales Arbeiten in das Propädeutikum und in die Lehre integrieren? Die Kurzsektion möchte Skeptiker und Enthusiasten der Digitalen Geschichtswissenschaft zusammenbringen, um über diese Fragen zu diskutieren und damit neue Brücken für den innerfachlichen Austausch zu bauen. Sie beinhaltet Beiträge von Prof. Dr. Andreas Fickers und Christian Thomas sowie eine Podiumsdiskussion.

Andreas Fickers (Luxemburg)
Digitale Hermeneutik & Geschichtswissenschaft: eine kritische Standortbestimmung
Christian Thomas (Berlin)
Aufbereiten, Auffinden und Auswerten von Forschungsdaten: Standards und Best Practices im Rahmen von CLARIN-D
Der Beitrag thematisiert die gegenwärtige Praxis der Datenerstellung, Datenhaltung und -aufbewahrung in den historisch arbeitenden Geisteswissenschaften. Die standardkonforme Aufbereitung von Forschungsdaten sollte im Interesse der Fachwissenschaft erfolgen: einerseits, um Forschungsergebnisse verifizierbar zu halten und archivieren zu können, andererseits, um weiteren ForscherInnen Zugang zu den erhobenen Daten zu gewähren. Am Beispiel von Quelleneditionen, die von HistorikerInnen erstellt werden und/oder sich an diese richten, werden Wege zur Erarbeitung nachhaltiger und prinzipiell nachnutzbarer Forschungsdaten aufgezeigt, aber auch Hindernisse thematisiert, die dabei derzeit noch bestehen.
Andreas Fickers (Luxemburg)
Diskussionsteilnehmer
Pim Huijnen (Utrecht)
Diskussionsteilnehmer
Maret Nieländer (Braunschweig)
Diskussionsteilnehmerin
Christoph Kudella (Göttingen)
Diskussionsteilnehmer
Christian Thomas (Berlin)
Diskussionsteilnehmer
Martin Sabrow (Potsdam/Berlin)
Diskussionsteilnehmer