TopThemen

Der Historikertag ist traditionell mehr als ein Ort der fachwissenschaftlichen Diskussion. Hier werden aktuelle Themen von großer gesellschaftlicher Relevanz aufgegriffen und aus Perspektive von „Dynamiken der Macht“ neu beleuchtet; hier hier findet der Austausch der professionellen Geschichtswissenschaft mit anderen Fachdisziplinen sowie mit Politik und Gesellschaft statt.

In Bonn erhalten drei TopThemen erstmals eine eigene Bühne. Nicht nur Mitglieder der Fachcommunity sind herzlich eingeladen, die Podiumsdiskussionen zu besuchen, in denen Expert:innen aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft über Fragen austauschen, die weit über das Fach hinaus Relevanz besitzen – über die gegenwärtige Rückkehr der Großmachtpolitik, über die global unter Druck stehende Wissenschaftsfreiheit und über Macht in der Moderne.

Die Teilnahme ist in den Kongress- und Tagestickets inklusive. Externe können sich kostenfrei über unten stehenden Link anmelden.


Alle TopThemen auf einen Blick

Mittwoch, 17.9., 14:00 – 15:40 Uhr, Hörsaal 1

Die Logik rücksichtsloser Machtpolitik scheint in der internationalen Politik aktuell unaufhaltsam. Beobachter:innen sprechen von einer neuen „Unordnung“, einem beginnenden Zeitalter der Ruchlosigkeit“ oder der Rückkehr der anarchischen Großmachtpolitik des 19. Jahrhunderts. Vor dem Hintergrund des Mottos des Historikertages analysiert das Panel zum einen den in der aktuellen internationalen Politik dominierenden Machtbegriff. Zum anderen wollen wir auf der Basis ihrer Geschichte weiterbestehende Chancen alternativer Ordnungsmuster, wie etwa dem Völkerrecht oder von internationalen Institutionen, abwägen. Wann und unter welchen Bedingungen waren diese erfolgreich? Wann und warum versagten sie? Welche Ordnungen von Macht erwiesen sich historisch als stabil? Wie kann denjenigen, die sich an keine Regeln halten, vielleicht doch etwas entgegengesetzt werden?

Solche Fragen durchzogen die moderne Geschichte von Anfang an. Die viel genannte Großmachtpolitik des 19. Jahrhunderts erwies sich innerhalb Europas dabei sogar als ziemlich stabil und von Kooperation geprägt. Auch andere vermeintliche Parallelen erscheinen aus historischer Perspektive schnell ziemlich verkürzt. Doch das Panel möchte nicht an aktuellen historischen Vergleichen herummäkeln. Es geht vielmehr darum, das Erkenntnispotential des historischen Blicks für die Gegenwart der internationalen Beziehungen zu nutzen. Diese ist dramatisch genug und analysierende Orientierung tut Not wie selten.

Die Zusammensetzung der Diskussionsrunde garantiert vielfältige Sichtweisen aus unterschiedlichen fachwissenschaftlichen Perspektiven sowie aus der politischen Praxis.

Mittwoch, 18.9., 16:00 – 17:40 Uhr, Hörsaal 1

Die Wissenschaftsfreiheit wird weltweit bedroht. Die Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde (DGO) etwa wurde von der Russischen Regierung als „extremistische Organisation“ eingestuft. Auf die Zusammenarbeit mit der DGO stehen Haftstrafen in Russland und in mit Russland verbündeten Staaten. In Deutschland wurden die Server der Organisation durch Hackerangriffe lahmgelegt und ausgespäht, mit bisher ungewissen Folgen für die Mitglieder. Doch die Gefahr geht nicht allein von Russland aus. Die Auswirkungen, die etwa Donald Trumps Feldzug gegen Kultur, Zivilgesellschaft, freie Medien und eben auch die Wissenschaftsfreiheit in den USA haben werden, sind im Moment noch in keiner Weise abzusehen. Zu befürchten ist das Schlimmste.

Und wie sieht es in Deutschland aus? Welche Folgen haben solche Entwicklungen für Wissenschaftler:innen, die international vernetzt arbeiten? Mit einer Reihe von Vertreter:innen von Wissenschaftsorganisationen, Historiker:innen und anderen Wissenschaftler:innen wollen wir u.a. diese und folgende Fragen diskutieren: Was ist Wissenschaftsfreiheit überhaupt und warum ist sie wichtig? Wo und wie wird sie bedroht? Und was können bzw. müssen wir tun, um Wissenschaftsfreiheit dauerhaft zu sichern?

Donnerstag, 18.9., 16:00 – 17:40 Uhr, LVR-Landesmuseum

Seit dem 19. Jahrhundert veränderten sich Machtkonstellationen rasant. Ebenso verschoben sich die Begriffe und Vorstellungen von Macht – und dies prägte auch die historische Forschung, die stets nicht nur Beobachterin, sondern selbst in Machtgefüge eingebunden war und ist. Eine Debatte über die Machtkonzepte, mit denen unterschiedliche Konstellationen, Phasen und Regionen analysiert werden, findet jedoch in der Geschichtswissenschaft selten statt. Machttheorien wirken oft subkutan in Forschungen hinein, ihre politische Dimension wird selten artikuliert. Zudem gelten das Streben nach oder die Anwendung von Macht vielfach per se als illegitim. Eine bewusste Historisierung auch dieser selbstverständlich gewordenen Machtkritik kann dazu beitragen, klarer über die Legitimität von Entscheidungen und Herrschaft in der Gegenwart nachzudenken.

Die Podiumsdiskussion möchte eine disziplinäre Selbstverständigung anregen. Sie diskutiert erstens theoretische und methodische Zugänge zum Verständnis von Macht in der Moderne – etwa zu Mechanismen des Entscheidens oder zu Techniken des Regierens – und dies auch in Abgrenzung zu Formen reiner Gewalt. Zweitens richtet sich das Erkenntnisinteresse auf Praktiken der Konstituierung und Legitimierung von Macht. Neben typologischen Fragen zu Formen der Machtgenerierung (Ideologie, Patronage, Partizipation, Reputation, Ressourcen etc.) wird die Veränderung institutioneller und kommunikativer Grundlagen angesichts der Diversifizierung von Gesellschaften thematisiert. Drittens soll die Differenz zwischen demokratischer/liberaler und diktatorischer/illiberaler Machtausübung betrachtet werden, die als zunehmend verwischt erscheint. Viertens wird die normative Engführung von Macht problematisiert, die in der Gegenwart meist negativ bewertet wird, für das Verständnis historischen Wandels und der Konstituierung des Sozialen aber grundlegend ist. Das Panel vereint Expertisen für differente staatliche Machtkonstellationen, Regionen sowie soziale Formen der Macht. Die Beteiligten werden Impulse zu politischen, institutionellen, medialen und psychologischen Dimensionen von Macht in der Moderne geben und anschließend in ein Podiumsgespräch übergehen. Nationale, internationale und globale Strukturen werden ebenso berücksichtigt wie die Verflechtung europäischer und außereuropäischer Perspektiven auf Macht in Geschichte und Gegenwart.


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