Grenzen der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg

(01. Oktober 2010 - 9.15 bis 13 Uhr - HS 1.205)

Leitung: Prof. Dr. Waltraud Schreiber, Eichstätt / Dr. Felix Ackermann, Frankfurt / O.


Link zum Trailer der Sektion

 


1. Moderation

Felix Ackermann, Frankfurt / O.

 

2. Einführung

Referent/in: Prof. Dr. Waltraud Schreiber, Eichstätt


3. Räumliche Erinnerungskultur in Dalmatien zwischen Partisanenkult und Nationalstaatlichkeit

Referent/in: Bernd Robionek, Berlin


4. Skopje. Stadtraum und Erinnerung in einem multiethnischen Staat

Referent/in: Stephanie Herold, Berlin


5. Vilnius, Minsk, Kiew. Städtische Erinnerungslandschaften des zweiten Weltkriegs

Referent/in: Prof. Dr. Rasa Balockaite, Kaunas


6. Die Verteidigung der Festung Brest. Museale Repräsentation als Mythos?

Referent/in: Dr. Alena Pashkovich, Brest / Christian Ganzer, Kiew


7. Kommentare

Prof. Dr. Stefan Troebst, Leipzig

Prof. Dr. Monika Flacke, Berlin / Oldenburg

Prof. Dr. Waltraud Schreiber, Eichstätt


Abstract

Die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg ist in ganz Europa im Laufe der vergangenen Jahrzehnte
zu einem Fundament kultureller Überzeugungen, Diskurse und Rituale geworden. Dabei zeigt
gerade die anhaltende Widersprüchlichkeit zwischen verschiedenen nationalen, regionalen und
lokalen Narrativen über die Folgen des Krieges, dass eine im Entstehen begriffene europäische
Erinnerungskultur nicht nur in der Vielfalt und der Überlagerung, sondern auch im Nebeneinander
gegensätzlicher Erzählungen besteht.

Die Geschichtswerkstatt Europa hat einen didaktisches Rahmen entwickelt, in dem junge
Historiker und Kulturwissenschaftler in interkulturellen Teams europäische Erinnerungskulturen
und deren Repräsentation in lokalen bzw. regionalen Erinnerungsräumen analysieren. Die
Grundvoraussetzung des Förderprogramms der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“
ist dabei ein interkulturelles Projektdesign, das vorsieht, Praktiken des Erinnerns aus
unterschiedlichen Blickwinkeln zu untersuchen und dabei auch die entstandenen Grenzen, die
europäische Erinnerungskulturen prägen, zum Gegenstand der Forschung selbst zu machen.
Dazu kommt zusätzlich zu den Feldforschungen eine inter- und transkulturelle Reflexionsebene
zum Tragen, die zu hinterfragen ermöglicht, was „europäisch“ im jeweiligen Kontext bedeutet und
wie die kulturelle, sprachliche, aber auch wissenschaftliche Sozialisierung den gegenseitigen
Wahrnehmungs- und Diskussionsprozess beeinflusst. So wird Rechnung getragen, dass die
historiographische Bearbeitung von Erinnerungskulturen immer auch einen gegenwartsbezogenen
Standpunkt beinhaltet, in dem der Historiker selbst als Akteur aktiven Anteil an diesen hat.

Konstitutiv für die Geschichtswerkstatt Europa ist also, dass neben inhaltsbezogenen
Fragestellungen immer auch geschichtstheoretische und methodische Überlegungen verfolgt und
inter- bzw. transkulturelle Erfahrungen reflektiert werden. Der Ertrag dieses Ansatzes soll in der
vorgeschlagenen Sektion durch ausgezeichnete Projektteilnehmer präsentiert und durch Experten
der historischen Forschung, der Museologie und der Geschichtsdidaktik eingeordnet werden.

Die vorgestellten Projekte zur Repräsentation des Zweiten Weltkrieges in mittel- und
osteuropäischen Stadtlandschaften und ihrer Museumskultur zeigen den inhaltlichen Ertrag auf,
den die Teilnehmer durch diese Konstellation erarbeitet haben. Die Referenten setzen sich aber
mit den erfahrenen Grenzen von Gemeinsamkeit und Diskursivität auseinander, und damit mit der
Folge und Voraussetzung unterschiedlicher Sichtweisen, die als konstitutiv für die Entwicklung
europäischen Erinnerns angesehen wird. Das Thematisieren dieser Bedingungen
wissenschaftlicher Arbeit in einem kulturell diversen Feld, ermöglicht erst gezielte
Grenzüberschreitungen sowohl in didaktischer, methodischer als auch in inhaltlicher Hinsicht.

Die Referenten aus Belarus, Litauen, der Ukraine und Deutschland zeichnen den Weg von der
gemeinsamen Entwicklung der Fragestellung und ihrer methodischen Ausdifferenzierung in der
gemeinsamen Arbeit vor Ort bis hin zur Diskussion der Ergebnisse. Sie verdichten ihre
Erfahrungen mit interkultureller Kommunikation und zeigen auf, wie sie in der
multiperspektivischen Arbeit eigene Grenzen wahrgenommen haben. Sie reflektieren die Erträge
des Arbeitens und hinterfragen den Mehrwert des geschichtstheoretischen und methodischen
Fundaments der Geschichtswerkstatt Europa.

Waltraud Schreiber und Felix Ackermann führen am Anfang in den konzeptionellen Rahmen der
Förderung der Projekte sowie in die geschichtstheoretischen und methodischen Vorüberlegungen
ein. Im Anschluss an die Präsentationen der Projekte wird Stefan Troebst den Ertrag der
Auseinandersetzung mit historischen Räumen in den präsentierten Projekten aus
historiograpischer Sicht kommentieren. Monika Flacke wird als bild- und textkritische Kuratorin die
Auseinandersetzung mit musealen Repräsentationen von europäischen Erinnerungskulturen
diskutieren und Waltraud Schreiber wird nach dem didaktischen Ertrag des inter- und
transkulturellen Ansatzes fragen. In den Kommentaren und der gemeinsamen Abschlussdiskussion
sollen auch Desiderate markiert werden, die in die konzeptionelle Weiterentwicklung der
Geschichtswerkstatt Europa berücksichtigt werden sollen.

Vorträge Epoche
Räumliche Erinnerungskultur in Dalmatien zwischen Partisanenkult und Nationalstaatlichkeit Neuere/Neueste Geschichte
Skopje. Stadtraum und Erinnerung in einem multiethnischen Staat Neuere/Neueste Geschichte
Vilnius, Minsk, Kiew. Städtische Erinnerungslandschaften des Zweiten Weltkriegs Neuere/Neueste Geschichte
Die Verteidigung der Festung Brest. Museale Repräsentation als Mythos? Neuere/Neueste Geschichte