Christian Kleinschmidt (Sektionsleitung)

Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte im Schulunterricht

Themen: Epochenübergreifend, Geschichtsdidaktik, Wirtschaftsgeschichte, Sozialgeschichte
Sprache: Deutsch
Ort: Hörsaal 3
Download iCal

Die Wirtschaft ist ein zentraler Bereich unserer Gesellschaft, deren Inhalte im Schulunterricht je nach Bundesland in den Fächern „Wirtschaft“ oder „Powi“ vermittelt werden, wobei entsprechende Inhalte sehr ungleich und lückenhaft über die historischen Epochen des Altertums, des Mittelalters und der Neuzeit verteilt behandelt werden. Dies ist insgesamt Ausdruck einer umfangreicheren und seit vielen Jahren geführten Diskussion mit dem Ziel, ökonomische Kompetenzen im Schulunterricht stärker zu vermitteln, die zugleich von Kritik an möglichen Einflussnahmen privatwirtschaftlicher Akteure auf Schülerinnen und Schüler begleitet wird.  

Die Sektion wird den Dialog zwischen den an Universitäten vertretenen Fächern der Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte und den beiden Schulfächern Geschichte sowie Politik und Wirtschaft (POWI) stärken und danach fragen, welche Inhalte mit welchen Methoden im Schulunterricht in den jeweiligen Epochen und Jahrgangsstufen intensiver verankert werden könnten. Vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Kompetenzen, die Schülerinnen und Schüler im Geschichtsunterricht erwerben sollen (Wahrnehmungs-, Orientierungs-, Analyse- und Urteilskompetenz), stellt sich die Frage, welche Themen der Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte hier in exemplarischer Weise in das Curriculum aufgenommen werden können. Die Problemorientierung als zentraler Ansatz eines diskursiven Geschichtsunterrichts wird bei der Auswahl der Themen ein wichtiges Kriterium sein. 

Die Sektion ist in drei Schwerpunktthemen untergliedert: 

Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte im POWI-Unterricht (Michael Selinka)  Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte im Geschichtsunterricht (Martina Rupp)  Fachwissenschaftliche Angebote. Das Beispiel „SchuleUnternehmen“ (Christian Kleinschmidt) 

Die Schwerpunktthemen werden in etwa zehnminütigen Impulsreferaten vorgestellt, so dass für anschließende Diskussionen jeweils 20 Minuten bzw. insgesamt 60 Minuten zur Verfügung stehen. 

Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte im POWI-Unterricht
Michael Selinka (Marburg)

Die wirtschaftliche Bildung gewinnt angesichts einer zunehmenden Ökonomisierung aller Lebensbereiche an Bedeutung. Verschiedene Studien zeigen deutliche Lücken im ökonomischen Wissen der Bevölkerung auf. Eine fundierte ökonomische Bildung ist der Schlüssel zum Wirtschaftssubjekt. Wie kann die Vermittlung von Sach-, Urteils- und Handlungskompetenzen im Wirtschaftsbereich durch schulische „Angebote“ ermöglicht werden? 

Braucht es hier ein selbstständiges Fach „Wirtschaft und Finanzen“ oder können fächerverbindende und fächerübergreifende Angebote einen pragmatischen Königsweg darstellen. Hier ergeben sich verschiedene sachlogische Schnittstellen und Synergien zumindest zwischen den Unterrichtsfächern Politik und Wirtschaft, Geschichte und Ethik. Inhaltlich könnte so eine stabile Brücke entstehen, die beginnend bei historischen Begründungslinien über eine Nachvollziehbarkeit gegenwärtiger politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen hin zu einer emanzipierten und nachhaltigen Gestaltung der eigenen und gesellschaftlichen Zukunft verbindet. 

Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte im Geschichtsunterricht
Martina Rupp (Marburg)

Dem Unterrichtsfach Geschichte kommt heutzutage weitaus mehr Bedeutung als die reine Vermittlung historischer Fakten zu. Geschichte dient heute gesellschaftlichen und politischen Zielen und soll junge Menschen befähigen, in der Auseinandersetzung mit Geschichte Erklärungsansätze für die Gegenwart zu finden. 

Geschichtsspezifische Themen wie Alltagskultur, Herrschaft, Wirtschaft, Eigenes und Fremdes sind eng mit Themen des Faches Politik und Wirtschaft verknüpft. In einer von der Globalisierung und wirtschaftlichen Interessen maßgeblich geprägten Gegenwart bietet daher die Verknüpfung der Themen mit wirtschafts- und unternehmensgeschichtlichen Fragestellungen die Möglichkeit, Schülerinnen und Schüler mit wirtschaftspolitischen und unternehmerischen Strukturen und Prozessen vertraut zu machen und sich kritisch damit auseinanderzusetzen. 

Fachwissenschaftliche Angebote. Das Beispiel „SchuleUnternehmen“
Christian Kleinschmidt (Marburg)

Das Projekt „SchuleUnternehmen“ der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte e. V. (GUG) stellt einen Versuch dar, wirtschafts- und unternehmenshistorischen Themen durch ein entsprechendes Angebot an Informationsmaterialien und Quellen im Schulunterricht eine größere Präsenz zu ermöglichen. Die GUG arbeitet dabei mit Fachwissenschaftler:innen an Universitäten zusammen, die auf der Basis eigener Forschungen spezifische Module (Schwerpunkttexte und Quellenmaterial, etwa zu den Themen „Konsum und Konsumgüterindustrie“ sowie „Banken“) zusammenstellen und diese auf der Homepage der GUG digital zur Verfügung stellen. Hier stellt sich die Frage nach Handhabbarkeit, Möglichkeiten und Grenzen eines solchen Angebots. 

Ihr Feedback