Wer macht Geschichte? Kreative, Publisher, Algorithmen und der Einfluss des Publikums auf Geschichtsbilder der Frühen Neuzeit
Welche Akteur:innen prägen jenseits fachwissenschaftlicher Diskurse die Geschichtsbilder in unserer Gesellschaft und inwiefern beeinflussen Hierarchien und Dynamiken der Macht ihr Handeln? Diese Fragen stehen im Zentrum der Sektion, die als Diskussion zwischen Fachhistoriker:innen und Publikum als „Fishbowl“ konzipiert ist. Fishbowl ist ein niedrigschwelliges Format, das alle Anwesenden zur aktiven Teilnahme an der Diskussion einlädt und bei dem die Diskutant:innen durch Betreten und Verlassen des Diskussionskreises wechseln. Angesichts der begrenzten Anzahl möglicher Diskutant:innen können so auch weitere akademische und besonders nichtakademische Public History-Akteur:innen einbezogen werden.
Im Laufe der Sektion werden Medien der Public History thematisiert wie YouTube, Instagram, Historische Romane, Museen und analoge Spiele. Durch diese Auswahl werden nicht nur alte und relativ neue Medien angesprochen, sondern im Sinne des Tagungsthemas auch solche, die scheinbar ohne Hierarchien arbeiten und solche, die mutmaßlich zu Strukturen von Autorität neigen.
Auch wenn die Fragestellung und Medien für alle Teilfächer relevant sind, fokussiert die Sektion Beispiele aus der Frühen Neuzeit. Dies liegt an der Expertise der beteiligten Fachhistoriker:innen und ermöglicht eine gewisse Vergleichbarkeit der Darstellung bestimmter historischer Akteur:innen oder Phänomene in unterschiedlichen Medien. Darüber hinaus trägt die Sektion durch ihren Fokus zu einer Standortbestimmung zur Präsentation der Frühen Neuzeit in der Public History bei. Dies ist notwendig, da die Frühe Neuzeit im Vergleich mit anderen Epochen in der öffentlichen Wahrnehmung eher diffus bleibt, obwohl Akteure, Themen und Ereignisse aus dieser Epoche häufig mit großem Erfolg präsentiert werden. Der Schwerpunkt kann und soll aber in der Diskussion mit dem Publikum erweitert werden, um gemeinsam die Antworten auf die eingangs gestellten Fragen in einen breiteten Kontext zu stellen.
Die Diskussion ist als Fishbowl angelegt. Mit den folgenden Fragen werden die beteiligten Fachhistoriker:innen eröffnen, ihr unten genanntes Spezialgebiet mit dem Tagungsthema verbinden und mit den Anwesenden in Dialog treten.
Worin liegt die Spezifik des jeweiligen Mediums und was fasziniert Sie selbst daran? Wer oder was bestimmt über die Publikation von Inhalten? Lassen sich Einstiegshürden, Gate-Keeper, oder maßgebliche Kriterien wie Aktualität oder historische Relevanz ausmachen? Wer oder was entscheidet über Reichweite und Erfolg – Inhalte, Mechanismen der Verbreitung (Algorithmen) und Rezeption, Publisher, Werbung? Gibt es Kontrollmechanismen beispielsweise gegen Falschdarstellungen, Beleidigungen oder Urheberrechtsverletzungen und Autoritäten, die bei Konflikten eingreifen? Welchen Stellenwert haben im Medium klassische historische Expertise oder akademische Titel für die Geschichtsvermittlung?Die Auswahl der beteiligten Fachhistoriker:innen bezieht internationale Perspektiven sowie Forscher:innen von Promovierenden bis zu habilitierten Post-Docs ein.
Lisa Brunner ist Universitätsassistentin (Prae-Doc) an der Uni Innsbruck sowie ausgebildete Social Media Managerin. Auf Instagram (@weltinderstube) kommuniziert sie Themen der frühneuzeitlichen Geschichte und analysiert Geschichtsbilder in sozialen Medien und deren Produzent:innen. Dorothée Goetze ist Lektorin für Geschichte (Mid Sweden University). Sie engagiert sich vielfältig, ihre Forschung einem breiten Publikum zu kommunizieren und spricht über den Großen Nordischen Krieg (Podcast), bloggt zum Thema Frieden und untersucht die Darstellung frühneuzeitlicher Geschichte im analogen Spiel. Jan Simon Karstens forscht im Rahmen einer Heisenberg-Stelle am Deutschen Historischen Institut in Paris. Er beschäftigt sich seit knapp zehn Jahren sowohl inhaltlich als auch mittels empirischer Analysen mit Geschichtsbildern auf YouTube und Wikipedia. Markus Laufs ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Historischen Museums in Berlin. Aktuell kuratiert er den sich in Vorbereitung befindenden Abschnitt der Frühen Neuzeit im Rahmen der neuen Ständigen Ausstellung des Museums. Lena Oetzel ist Universitätsdozentin an der Universität Salzburg. Ihre Forschungen zur Diplomatiegeschichte kommuniziert sie regelmäßig auf Mastodon (früher Twitter), u. a. auf dem Kanal @emdiplomacy@hcommons.social. Aktuell beschäftigt sie sich mit der Frühen Neuzeit als Epoche in historischen Romanen und Memes.