Nina Gallion, Laura Potzuweit (Sektionsleitung)

Machtvoll im Wartestand? Einsetzung, Funktion und Handlungsmöglichkeiten spätmittelalterlicher Koadjutoren

Themen: Mittelalterliche Geschichte, Frühe Neuzeit
Sprache: Deutsch
Ort: Hörsaal 9
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Ein Amt auf Lebenszeit wie dasjenige des Bischofs konnte sich im Angesicht von Krankheit, Alter oder politischem Misskredit als schwere Bürde erweisen. Seit dem 13. Jahrhundert gab es daher Koadjutoren, die den mittelalterlichen Reichsbischöfen als Helfer zur Seite gestellt wurden. Faktisch übernahmen sie aber nicht nur die Herrschaft, sondern traten auch häufig die Nachfolge im Bischofsamt an. Ihr Beispiel gewährt demnach spannende Einblicke in die Machtverhältnisse an der Spitze der geistlichen Territorien. Dennoch wurden die Koadjutoren von der mediävistischen Forschung kaum beachtet – abgesehen von wenigen Einzelporträts, mangelt es an einer übergreifenden Betrachtung. Die Sektion setzt sich deshalb mit der Bedeutung und den Handlungsmöglichkeiten der Koadjutoren auseinander. Während ihre Einsetzung noch zu Lebzeiten der amtierenden Bischöfe die vorhandenen Strukturen stabilisieren sollten, war dieser Prozess zugleich hochpolitisch. Denn die adligen Dynastien strebten danach, sich durch diese Form des Wartestandes frühzeitig Bischofsstühle zu sichern. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Chancen und Befugnisse das Koadjutorenamt für die Inhaber bereithielt und welche Rolle regionale Spezifika spielten. Welche Aufgaben und Funktionen wurden ihnen durch das Kirchenrecht zugestanden? Wie wirkte sich das Beziehungsgeflecht zum Bischof und zur eigenen Familie auf ihr Handeln aus? Warum scheiterte die Nachfolge manchmal? Und waren sogar mehrere Koadjutorien gleichzeitig möglich? In Anbetracht dieser Fragen verfolgt die zweistündige Sektion die Ziele, das Koadjutorenamt in kirchenrechtlicher und politischer Hinsicht zu beleuchten sowie die damit verbundenen Mechanismen und Praktiken seines Machtgebrauchs zu betrachten. Dafür sind eine fünfminütige Einführung und drei 15–minütige Vorträge vorgesehen, an die sich die 30–minütige Diskussionszeit anschließt. Den Abschluss bildet ein zehnminütiger Ausblick, der zentrale Punkte der Referate und der Diskussion aufgreift.

Einführung
Frederieke Maria Schnack (Würzburg)

Grundlegend sollen zunächst der Forschungsstand zu den Koadjutoren sowie einige einleitende Gedanken präsentiert werden, um davon ausgehend die weiteren Beiträge inhaltlich und aufeinander bezogen nachvollziehen zu können. Die Referentin wird auch die Moderation der Sektion übernehmen. 

Koadjutoren aus kirchenrechtlicher Sicht
Thomas Neumann (Münster)

Um die Koadjutoren in Theorie und Praxis regional komparativ betrachten zu können, widmet sich dieser Beitrag den juristischen Quellen und Prämissen. Zentral zeigt sich die Frage, ob den designierten Nachfolgern ein rechtlicher Anspruch auf das Erzbischofsamt nach dem Ableben des Vorgängers zustand oder ob sie eher vom Wohlwollen ihrer Förderer und vom Kapitel abhängig waren. 

Koadjutoren zwischen 1200 und 1600. Ein prosopographischer Werkstattbericht
Nina Gallion (Mainz), Laura Potzuweit (Kiel)

Im Vortrag wird ein Blick auf die Gesamtgruppe der Koadjutoren im Spätmittelalter geworfen werden: Wie alt waren sie beim Amtsantritt? Konnten einzelne Familien über mehrere Generationen den Anspruch auf ein bestimmtes Koadjutorenamt aufrechterhalten? Und wie viele Koadjutoren folgten überhaupt im Bischofsamt nach? Diese Auswertung ermöglicht grundlegende Aussagen zu diesem Personenkreis, um besonders die Relevanz und Kontinuität des Amtes zu thematisieren. 

Fallbeispiel. Die Koadjutoren des Erzstiftes Riga
Klaus Neitmann (Potsdam)

Das Rigaer Erzstift verhandelte erstmals im Jahr 1508 über die Einsetzung eines Koadjutors. Aufgrund der Erwartungen der Akteure an ihre Kandidaten war das Thema für das Erzstift insgesamt von zentraler Bedeutung. Vor allem der Erzbischof und der Deutsche Orden konkurrierten um die Besetzungsgewalt, sodass deren Konflikt in die Koadjutorfehde (1556/57) mündete. Am Beispiel sollen die Einsetzungspraxis sowie die Interessen der Parteien analysiert und kirchenpolitisch eingeordnet werden. 

Ausblick
Hedwig Röckelein (Göttingen)

Die Sektion wird mittels eines Ausblicks gebündelt, wobei die Referentin auf das Potential und weitere relevante Fragestellungen eingehen wird. 

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