Ricarda Vulpius (Sektionsleitung)

Handlungsmacht von Frauen in transnationalen Verflechtungen des Kalten Krieges. Strategien der Selbstpositionierung

Themen: Zeitgeschichte, Geschlechtergeschichte
Sprache: Deutsch
Ort: Hörsaal 2
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Im Panel werden Strategien der Selbstpositionierung von Frauen in der Zeit des Kalten Krieges diskutiert. Wir wollen erforschen, welche Mittel Frauen zur Verfügung standen, um in internationalen Austauschprozessen Einfluss zu nehmen und handlungsfähig zu sein. Das Panel konzentriert sich auf drei Gebiete, auf denen transnationale Handlungsmacht sichtbar wird: humanitäre Projekte, internationale Frauenorganisationen und Menschenrechtsaktivismus mit dem Fokus auf Religionsfreiheit. Das heuristische Potenzial dieser Forschungsperspektive liegt in der Analyse der öffentlichen und privaten Narrative bedeutender Akteurinnen in drei unterschiedlichen soziokulturellen Kontexten des Kalten Krieges.

Während des Kalten Krieges wurden Konzepte der Geschlechtergleichheit und der normativen Weiblichkeit zu einem integralen Bestandteil der ideologischen Blockkonfrontation. Sie bestimmten nicht nur die diskursiven Botschaften auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs, die institutionellen Arrangements nationaler und globaler Frauenorganisationen, sondern auch die Selbstwahrnehmung und die Repräsentationspraktiken von Frauen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund. Dennoch ließen die von Staaten geschaffenen und kontrollierten Strukturen den Akteurinnen genügend Raum, um die bestehenden Ordnungen für ihre Zwecke aufrechtzuerhalten oder zu verändern. Während die Geschichte der internationalen Frauenorganisationen und normative Geschlechtsvorstellungen aus der Zeit des Kalten Krieges relativ gut erforscht sind, bildet die „Graswurzelebene“ eine Forschungslücke. Das Panel soll durch eine Perspektivenänderung neue Impulse zur Erforschung von Dynamik geschlechtsspezifischer Verhaltenspraktiken liefern, die auch heute noch wirkungsmächtig sind.

Im Schatten des Great Diplomatic Game. Aktivistinnen der sowjetischen Frauenbewegung in den inter(trans)nationalen Räumen des Kalten Krieges
Oksana Nagornaia (Berlin)

Die Präsenz von Frauen in den Strukturen der außenpolitischen Vertretung der UdSSR während des Kalten Krieges spiegelt eine auffällige Dissonanz zwischen dem Bild der Gleichberechtigung der Geschlechter, das zu einem Markenzeichen des Sozialismus wurde, und der institutionellen Praxis wider. Hinter der ideologischen Fassade blieben die offiziellen Strukturen der sowjetischen Außenpolitik patriarchalisch geprägt. Im Gegensatz dazu entwickelte sich der kulturdiplomatische Bereich zu einem partizipativen Raum. Der Vortrag untersucht, wie sowjetische Aktivistinnen auf Widersprüche des sowjetischen Geschlechtermodells reagierten, den westlichen Feminismus wahrnahmen und auf internationale Kritik an sowjetischen Menschenrechtsdiskursen antworteten, während sie gleichzeitig ihre Vision des „kulturellen Internationalismus“ zu verwirklichen suchten.

Jenseits des Patriarchats. Erforschung der Selbstdarstellung von Frauen in den spätsowjetischen Menschenrechtsbewegungen
Nadezhda Beliakova (Bielefeld)

Der Beitrag analysiert die Formen der Selbstdarstellung von Frauen, die sich in der späten Sowjetunion als Menschenrechtsaktivistinnen im Bereich der Religionsfreiheit betätigt haben. Die Anonymität vieler in der Studie erfasster Formen des Frauenaktivismus wird nicht nur als Dominanz patriarchalischer Haltungen, sondern auch als Ausdruck weiblicher Frömmigkeit interpretiert. Gleichzeitig waren sich die Frauen ihrer Subjektivität im säkularen Raum bewusst, obwohl sie patriarchalische, untergeordnete Verhaltensmuster innerhalb der Gemeinschaft befolgten. Mit Petitionen und Appellen an internationale Gremien prangerten sie nicht nur die Verletzung ihrer Rechte an, sondern auch die Verletzung der Rechte ihrer Familien, insbesondere der Rechte der Mütter.

Für Emanzipation, gegen Feminismus? Alexandra Tolstoy als Kalte Kriegerin
Vitalij Fastovskij (Münster)

Alexandra Tolstoy, die jüngste Tochter des berühmten russischen Schriftstellers, erreichte in ihrem langen Leben, was nur wenigen Frauen im 20. Jahrhundert gelang: Sie leitete ein transnationales humanitäres Imperium mit Niederlassungen auf vier Kontinenten und einem Budget in Millionenhöhe. Ihre Stiftung wurde zu einem Machtfaktor im Kalten Krieg. Im Vortrag werden Grenzen und Möglichkeiten der Selbstverwirklichung von Frauen jenseits traditioneller Geschlechterrollen diskutiert. Ich argumentiere, dass männerdominierte, konservative und religiöse Kreise ihren weiblichen Mitgliedern ambivalente Formen der Emanzipation und gesellschaftlicher Teilhabe ermöglicht haben.

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