Energie – Macht – Militär. Zum militärischen Metabolismus in Vergangenheit und Gegenwart
Energie macht Militär. Denn: Energie ist zentral für die Anwendung und Vorhaltung militärischer Gewalt. Zu oft wird Energie jedoch einfach vorausgesetzt. Mit der Frage nach der Energie des Militärs verweist die Sektion auf den Stoffwechsel militärisch-kriegerischer Aktivitäten und seine Auswirkungen. Spezifische militärische Metabolismen und die sich daraus ergebenden Militär-Umwelt Beziehungen brachten über die Jahrhunderte bestimmte Machtdynamiken hervor, die von geopolitischen Auseinandersetzungen bis hin zu Machtkämpfen innerhalb des Militärs selbst reichen.
Das Militär ist seit der Energietransformation des 19. Jahrhunderts von Kohle und Öl abhängig. So waren die Kriege seitdem häufig auch Kriege um Energie – vor allen um fossile Energieträger. Diese Abhängigkeit beeinflusste nicht nur imperiale Expansion, sondern formte die Machtdynamiken in Kriegen und Konflikten. Die sich stetig steigernde Dependenz führte zur Interdependenz von fossilen Energieträgern, militärischer/imperialer Expansion und Krieg sowie Treibhausgasemissionen und Umweltschäden.
Energie im militärischen Metabolismus bezieht sich jedoch nicht nur auf fossile oder organische Brennstoffe, sondern wird breit verstanden als jegliche Ressourcen, die den Metabolismus „am Leben erhalten“ und schließt deshalb auch „Energiekonvertoren“ mit ein. Damit nimmt die Sektion Artefakte, Menschen und Tiere in den Blick.
Drei Fragen strukturieren die Sektion:
Was ist der militärische Metabolismus und wie wandelt sich dieser über die Zeit? (Langer) Wie und warum beeinflussen Energieregime und Energietransitionen verschiedene Dimensionen von Macht, von deren Ausübung bis hin zur „reputation for power“ oder anders ausgedrückt: Prestige (Robert Gilpin)? (Langer/Hartung) In welchem Bezug stehen die Aspekte der energetisch-materiellen Fundierung des Militärs zu übergeordneten Fragen der Umweltgeschichte? (Hartmann)Die Sektion besteht aus drei Vorträgen von je 15 Minuten und einem Diskussionsteil von 40 Minuten.
Die Marinegeschichte ist geprägt von technologischem Wandel und Energietransformationen. Fossile Treibstoffe lösten Windkraft als primären Energieträger ab, aus Holz- wurden Stahlschiffe, sie wurden größer, zahlreicher und personalintensiver. Kurzum: Der Metabolismus benötigte mehr Energie, der Input in das System, und der Output – Emissionen und Abfälle – stiegen an. Am Beispiel der britischen Marine stellt der Vortrag das Konzept des Militärischen Metabolismus vor, erläutert, wie sich dieser über die Zeit verändert und wie das aufs Engste mit Vorstellungen, Dynamiken und Projektionen von Macht verknüpft ist.
Das vermeintliche Ende der Kavallerie zwischen den Weltkriegen ist ein Markstein in der Energietransformation des Militärs. Das muskelkraftbasierte Waffensystem/Lebewesen „Pferd“ hatte ausgedient. Auf fossilen Treibstoffen basierende Systeme (Flugzeug und Panzer) übernahmen Aufgaben der Kavallerie. Diese ließ sich jedoch nicht einfach in die Bedeutungslosigkeit drängen. Die Debatte um „Pferd versus Motor“ mündete in einem binnenmilitärischen Machtkonflikt um Zuständigkeiten, Ressourcen und Prestige. Unter dem Blickwinkel auf die Kavallerie im Kontext der Motorisierung des Gefechtsfeldes liegt der Fokus des Vortrags auf der (erzwungenen) Transformation vom Pferd zum Motor und den damit einhergehenden Machtdynamiken innerhalb des Militärs.
In letzter Zeit ist der immense ökologische Fußabdruck von Kriegen, aber auch des Militärs als Akteur in Friedenszeiten, verstärkt in den Blick gekommen. Doch lohnt es sich deswegen, das Militär als Gegenstandsbereich der Umweltgeschichte zu betrachten? War der Energiehunger des Militärs seit der industrialisierten Hochrüstung größer oder anders als der anderer Gesellschaftsbereiche? Im Lichte dieser Fragen wird der Vortrag sich mit Kernmomenten militärischen Energiehungers beschäftigen, diese historiographisch verorten und dabei Machtdynamiken ausleuchten.