Das Endzeitliche in Ideologie und Propaganda der Russischen Föderation
Der Krieg in der Ukraine tobt seit mittlerweile zehn Jahren. Beginnend mit der Invasion der Krim und dem Einsatz russischer Truppen im Donbas, gefolgt von der Vollinvasion am 24.02.2022, führt Russland einen Krieg, der bis dato hunderttausende Opfer forderte. Dieser Krieg wird jedoch nicht nur militärisch ausgefochten, sondern auch mittels Diplomatie, Propaganda und Desinformation, die nicht nur gegen die Ukraine gerichtet sind, sondern auch gegen deren Unterstützer. Gleichzeitig sollen in Russland Begeisterung und Zustimmung zum Krieg geweckt und gefördert werden. Um all diesen Maßnahmen „Substanz“ zu verleihen, hat Russland in den letzten Jahrzehnten eine aus religiösen, nationalistischen und historischen Versatzstücken bestehende Ideologie entwickelt, die im Laufe der Jahre mehrere Metamorphosen durchlief. Im Zentrum stehen Konzepte wie „Russkij Mir“, der „Große Vaterländische Krieg“, die „Kiewer Rus“ oder das „dreieinige russische Volk“. Das Ergebnis ist eine Synthese unterschiedlichster Narrative aus zaristischer und sowjetischer Zeit. Seit 2022 enthalten diese Narrative zunehmend lexikalische und semantische Elemente aus der Sprache der Theologie. Russland wird hier als christliche Macht determiniert, die einen „heiligen Krieg“ gegen den westlichen „Satan“ führt.
Diese Sektion wird in drei Vorträgen zu je 20 Minuten folgenden Fragen auf den Grund gehen:
Welche Bedeutung hat diese theologisierende Diskursverschiebung hinsichtlich der russischen Kriegspolitik in toto? Inwiefern können darin Anzeichen für die Formierung eines „christlichen“ oder „orthodoxen Faschismus erblickt werden? Welche Rolle spielen diese Narrative in der russischen Propaganda in Russland? Welche Methoden werden benutzt, um diese Narrative im russischen Fernsehen zu verbreiten? Welche Rolle spielen diese Narrative in der russischen Propaganda in Deutschland und Österreich?Den Abschluss der Sektion bildet eine 30-minütige Diskussion zu den Vorträgen.
Die russischen Kriegsnarrative enthalten zunehmend lexikalische und semantische Elemente aus der Sprache der Theologie. Darin wird Russland als eine christliche Macht determiniert, die einen „heiligen“ Krieg gegen „Satan“, der durch den „Westen“ repräsentiert wird, führt. Gelegentlich wird Russland als politische und kulturelle Erbin von Byzanz inszeniert, die als „Katechon“ einen eschatologischen Auftrag erfüllen soll. Damit korreliert das Konzept des „Russkij Mir“, das eine heilsgeschichtliche Rolle Russlands hervorhebt. Demnach geht es in dem rezenten Krieg um einen gerechten und gottgefälligen Krieg. Dieser Beitrag versucht, den Stellenwert dieser theologisierenden Diskursverschiebung hinsichtlich der russischen Kriegspolitik in toto zu bestimmen. So wird danach gefragt, inwiefern darin Anzeichen für die Formierung eines „christlichen“ bzw. „orthodoxen“ Faschismus erblickt werden können.
Dieser Vortrag arbeitet die Hauptkomponenten der russischen hybriden Propaganda während des Russland-Ukraine-Krieges heraus und geht der Frage nach, mit welchen Methoden die wichtigsten Narrative russischer Propaganda im russischen Fernsehen sowohl für das russische, wie auch das ukrainische Publikum aufbereitet und gesendet werden, wobei der Schwerpunkt auf den zum endzeitlichen Konflikt hochstilisierten Kampf gegen den Westen liegt.
Seit dem 24.02.2022 versuchen Vertreter der Russischen Föderation die Ausweitung des Krieges in der Ukraine als einen notwendigen, von USA und NATO aufgezwungenen, Krieg darzustellen. Mit zunehmender Dauer und einer Reihe von militärischen Rückschlägen wird der Krieg zunehmend zu einem existentiellen Konflikt hochstilisiert, in dem das gerechte, moralisch und religiös gefestigte, Russland gegen den verdorbenen, sich im Niedergang befindlichen Westen kämpft. Gleichzeitig versucht die russische Propaganda auch in Europa die Menschen für sich einzunehmen. Der Vortrag geht der Frage nach, inwiefern sich dieses quasi-apokalyptische Denken in Interviews, Aussendungen und Social-Media-Auftritten von Botschaften und quasi-offiziellen Vertretungen der Russischen Föderation niederschlagen und wie und ob sie in der Medienlandschaft in Österreich und Deutschland rezipiert werden.