Alexandra Krebs, Jana Dunz-Keck, Christina Brüning (Sektionsleitung)

Contested Histories Online. Digitale Lern- und Forschungsräume im Spannungsfeld partizipativer Geschichtskulturen

Themen: Epochenübergreifend, Kulturgeschichte, Geschichtsmethodik/-theorie
Sprache: Deutsch
Ort: Hörsaal 8
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Das Panel untersucht, wie digitale Technologien Formen der Macht und des Erinnerns prägen. In einer Zeit, in der soziale Medien und digitale Archive zunehmend unser Verständnis von Vergangenheit und Gegenwart beeinflussen, stellen sich Fragen nach der Verantwortung und den Konsequenzen, die mit der öffentlichen Zugänglichkeit und Darstellung von Macht und Machtverlust verbunden sind. Wie werden historische Ereignisse im digitalen Raum erzählt? Wer kontrolliert und konstruiert diese Narrative, welchen Perspektiven und Intentionen unterliegen sie und wie können sie gegebenenfalls verfälscht oder manipuliert werden und wie gehen Nutzer:innen mit ihnen um? 

Vorgestellt werden drei Projekte, die unterschiedliche historische Themen und Fragestellungen und Ereignisse in den Blick nehmen. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie grundsätzlich traditionale Machtkonstellationen durch digitale Technologien brechen bzw. anstreben diese zu verändern, und zwar auf der Ebene von Geschichtswissenschaft und -forschung, Geschichtskultur sowie historisch-politischer Bildung.  

Das Format der Sektion ist interaktiv gestaltet: Neben klassischen Vorträgen bieten wir live Einblicke in die digitale Arbeitspraxis und ermöglichen den Teilnehmenden, selbst Aspekte der digitalen Geschichtsforschung, der digitalen Public History sowie des historischen Lernens und ihrer Schnittstellen zu erkunden. Der interaktive Teil regt eine offene Diskussion an, bei der alle Teilnehmenden ihre Perspektiven einbringen können. Mit dieser Sektion wollen wir den Dialog zwischen Theorie und Praxis fördern und neue Wege für die Geschichtswissenschaft und -vermittlung im digitalen Zeitalter aufzeigen. 

„Replacing erased History“. Denkmaldebatten als partizipative Lern- und Forschungsanlässe in digitalen Archiven
Alexandra Krebs (Zürich)

Der Beitrag stellt das History-App-Projekt vor, eine Kooperation zwischen deutschen, Schweizer und amerikanischen Hochschulen, welche das Ziel verfolgt digitalisierte Archivalien für partizipative, historische Lern- und Forschungsprojekte zugänglich zu machen. Im Zentrum stehen Beispiele aktueller Denkmaldebatten (im Kontext von Imperialismus und Kolonialismus), wie etwa um das George Mason-Denkmal der gleichnamigen Universität in den USA oder das Alfred-Escher Denkmal in Zürich. Diese und die damit verknüpften Narrationen können exemplarisch Machtverhältnisse sowie deren Brüche und Wandlungen aufzeigen: Einerseits auf der Ebene der historischen Quellen und andererseits auf der Ebene des digitalen Raums und der Partizipation der Nutzenden. 

Citizen Science. Erinnern im Netz als historisch-politische Bildungsintervention
Christina Brüning (Marburg)

Dieser geschichtsdidaktische Beitrag wird das EVZ geförderte Projekt „Anti-Schwarzen Rassismus zwischen Kolonialzeit, NS und heute. Eine partizipative Erinnerungsintervention“ vorstellen und gemeinsam mit den Zuhörenden analysieren, wie bislang vergessene und verdrängte Geschichten durch und in Social Media (TikTok) erzählt werden können. Dabei wollen wir ein Hauptaugenmerk auf das Zusammenspiel und die Interaktion von unseren kollaborierenden Content Creator:innen und den Nutzer:innen der Social Media Kanäle richten. Als Projekt, das u. a. in der Lehrer:innenbildung genutzt wird, um digitale Materialien und Medien in den Geschichtsunterricht einzubinden, werden wir außerdem über die Chancen und Grenzen narrativen Kompetenzerwerbs in solchen Settings reflektieren.  

Documenting January 6: Die digitale Archivierung des Widerstandes gegen den Machtwechsel
Jana Dunz-Keck (Washington)

Dieser Vortrag widmet sich der Rolle von Social-Media-Daten bei der Aufarbeitung des Kapitol-Sturms am 6. Januar 2021. Durch Crowdsourcing gesammelte Videos und Inhalte der Aufrührer:innen, die im Internet Archive abgelegt wurden, bieten eine „innere“ Perspektive auf die Ereignisse, die die Vielfalt und Gewalt dieses Tages offenlegen. Im Fokus des Vortrages steht die Frage, wie das Internet Archive organisiert ist und welche Hürden beim Auffinden spezifischer Inhalte entstehen, da die Sammlungen weit über Videos hinausgehen und verschiedenste Daten beinhalten. Zudem wird diskutiert, inwieweit diese Darstellungen von Gewalt für die Öffentlichkeit zugänglich sein sollten und welche ethischen, politischen und sozialen Konsequenzen daraus resultieren. 

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