Sarah Albiez-Wieck, Moritz Hermann (Sektionsleitung)

„Baster“, „Mestizen“, „Métis“. Koloniale Zwischenkategorien als Broker der Macht in transimperialer Perspektive

Themen: Neuere und Neueste Geschichte, Globalgeschichte
Sprachen: Deutsch, Englisch
Ort: Hörsaal 2
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Die Kategorisierung kolonisierter Personen und Gruppen nach Kriterien der Abstammung findet sich transepochal in einer Vielzahl von Imperien wieder. Personen, deren Abstammung als „gemischt“ betrachtet wurde, nahmen insbesondere in kolonialen Kontexten oftmals eine Zwischenstellung ein, die mit einer Rolle als Brokern einherging. Die geplante Sektion widmet sich derartig kategorisierten Personen in transimperialer Perspektive. Sie fragt, wie sich Bezeichnungen, rechtliche Regelungen und Praktiken über die Grenzen von Imperien weg wechselseitig beeinflussten und welche Bedeutung der Frontier-Situation zukam, in der diese Kategorien meist entstanden. Es wird diskutiert, welche Rolle die derart Kategorisierten im jeweiligen lokalen und regionalen Machtgefüge einnahmen, welche Strategien sie verfolgten und an welche Grenzen sie stießen. Darüber hinaus befasst sich die Sektion mit der Frage, wie man derart Kategorisierte angemessen bezeichnet, ohne biologistische Diskurse aufzurufen, bzw. in welcher Weise koloniale Erfahrungen von „Hybridität“ zum Entstehen der biologistischen Rassendiskurse des 19. und 20. Jahrhunderts beitrugen. Jede:r der drei Vortragenden wird 15 bis 20 Minuten sprechen, dann folgt eine gemeinsame Diskussion über die im Abstract formulierten Fragen.

Mestiz:in als transimperiale Kategorie
Sarah Albiez-Wieck (Münster)

Die rechtliche und steuerliche Kategorisierung des/der Mestiz:in bezeichnete Nachkommen von Europäer:innen und Indigenen im spanischen (mestizo), portugiesischen (mestiço), französischen (métis), italienischen (meticcio), niederländischen (mestizo/mesties) und belgischen (métis/mesties) Kolonialreich. Der Vortrag fragt nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden und diskutiert, inwiefern es diesbezüglich zwischen diesen Imperien einen Austausch über rechtliche Vorgaben und Praktiken gab. Ein besonderes Augenmerk wird auf rechtlichen Privilegien und Einschränkungen liegen und der Frage, inwiefern diese die jeweilige Kategorisierung attraktiv machten – oder eben nicht. 

„Mischlinge“ in Missionen. Die Stellung der Church Mission Society und die Comboni-Brüder angesichts religiöser ethnischer Vielheit um 1850
Helge Wendt (Jena)

In den Missionen Kenias der Church Mission Society und der Comboni-Brüder im Südsudan waren eine Reihe von Menschen an der Gestaltung der missionarischen Gesellschaften beteiligt, die aus der Sicht der europäischen Berichterstatter weder religiös noch ethnisch eindeutig einzuordnen waren. Kinder deren Eltern unterschiedlichen „Ethnien“ oder verschiedenen Religionsgruppen angehörten, erschwerten den Missionaren die Kategorisierung. Der Vortrag zeigt, wie in Auseinandersetzung mit biologistischen Theorien ihrer Zeit, auf der Suche nach den Idealen der christlichen Gemeinschaft und in pragmatischen Organisationsformen eine mestizische Gesellschaft entstand. 

Kategorien von race und politische Macht in der frontier-society Süd(west)afrikas
Moritz Hermann (Trier)

Ausgehend von der Geschichte des Kampfes gegen politische Systeme, die eine stabile hierarchische Differenz von „race“ institutionalisierten, werden Rassismus und rassifizierende Kategorisierungen oft aus einer „top-down“-Perspektive begriffen. Zugleich gehen rassistische Kategorien, gerade in kolonialen Frontier-Societies, der Etablierung einer zentralen politischen Gewalt voraus. Sie entwickelten sich stattdessen in agonistischen Konfliktsituationen, in denen die europäischen Mächte zunächst nur Akteure unter vielen waren. Den sogenannten Bastern, einer kolonialen Zwischenkategorie in Süd- und Südwestafrika, die ihre Herkunft auf Europäer wie auch indigene Gruppen zurückführen konnte, ermöglichte diese Situation, verschiedene Codes der Zugehörigkeit strategisch zu manipulieren, um sich zwischen konkurrierenden Mächten zu behaupten. 

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