(Steffen Diefenbach, Konstanz, Kai Trampedach, Heidelberg)
Kai Trampedach, Heidelberg:
Einführung
Ludwig Meier, Heidelberg:
Die heiligen Männer und der rechte Glaube
Steffen Diefenbach, Konstanz:
Askese und Amt. Die Quellen bischöflicher Autorität im West-Ost-Vergleich
Sebastian Schmidt-Hofner, Tübingen:
Die Heiligen und das Recht von Staat und Kirche in der Spätantike
Kai Trampedach, Steffen Diefenbach:
Fazit und Schlussdiskussion
Abstract (scroll down for English version):
Die – im Weberschen Sinne – charismatische Autorität der asketischen Heiligen konnte traditionale Formen der Herrschaftsbildung im staatlichen und kirchlichen Bereich des spätantiken Römischen Reichs herausfordern. In unserer Sektion geht es darum, diese Herausforderungen institutioneller Ordnung sichtbar zu machen und die Frage nach normativen, medialen und performativen Strategien der Einbindung asketischer Autorität durch staatliche und kirchliche Strukturen zu stellen. Im Sinne dieser übergreifenden Fragestellung ist auch das thematische Spektrum der geplanten vier Vorträge bewusst weit gefasst. Nach einer kurzen Einführung der beiden Organisatoren in das Thema der Sektion wird Kai Trampedach zunächst das ambivalente Verhältnis von Asketen und spätantiken Kaisern in den Blick nehmen. Dabei wird er zeigen , in welcher Weise Asketen Druck auf das politische Zentrum entfalten konnten und wie sich die Kaiser ihrerseits gezielt mit Heiligen Männern umgaben, um in den kirchenpolitischen Auseinandersetzungen des 5. und 6. Jh.s Rechtgläubigkeit zu demonstrieren und die religiösen Loyalitäten der Bevölkerung an sich zu binden. In Fortführung dieser Fragestellung wird Ludwig Meier die Rolle beleuchten, die Asketen für die Formierung von konkurrierenden Orthodoxien und kirchlicher Identitäten in der provinzialen Bevölkerung spielten. Da die Heiligen starken Einfluss auf verschiedene Segmente der Gesellschaft ausübten, trugen sie im 6. Jh. einerseits wesentlich zur Ausbildung der Kirchen des syrisch – orientalischen Christentums bei – andererseits standen sie dabei in einer fragilen und spannungsgeladenen Beziehung zu den Bischöfen, die durch ihre Weihegewalt einen entscheidenden Beitrag zum Aufbau alternativer Kirchenstrukturen leisteten. Die Relation von Bischöfen und asketischer Autorität steht auch im Zentrum der Überlegungen von Steffen Diefenbach. Ihn beschäftigt die Frage, warum es nur im Westen des römischen Reichs zu einer effektiven Integration asketischer Autorität in das Bischofsamt gekommen ist, während im Osten Askese und Amt dauerhaft divergierende P ole religiöser Autorität blieben. Als eine wesentliche Voraussetzung für diese Entwicklung ist die Prägung des Bischofsamtes durch hohe Aristokraten anzusehen, die erfolgreich eine Verbindung von Askese und Amt propagierten und damit eine Vorstellung episkopaler Autorität entwickelten, die im Kern nicht auf amtlichen Vollmachten, sondern auf bischöflicher Heiligkeit basierte. Diese Hypothese soll mit Blick auf die anders gearteten Verhältnisse im Osten des Reichs überprüft und weiterentwickelt werden. Abschließend geht S e bas ti an S c hmi dt – Ho f ne r als Experte für die spätantike Rechtskultur der Frage nach, in welchem Maße Heilige Männer der Kontrolle und Regulierung durch die Gesetzgebung unterworfen wurden. Der übergreifenden Fragestellung entsprechend, wird se in besonderes Augenmerk vor allem auf den Parallelen und Interferenzen zwischen ziviler und kirchlicher Gesetzgebung liegen, um zu überprüfen, ob staatliche und kirchliche Institutionen auf ähnliche Herausforderungen reagierten und analoge, komplementäre oder eben auch divergierende Integrationsstrategien entwickelten . Die Sektion soll nach einer Diskussion mit einem Fazit der beiden Sektionsleiter schließen.
Abstract (English version):
Ascetic holy men wielded a charismatic authority – in Max Weber’s sense of the term – that could challenge forms and institutions of traditional authority in the Later Roman Empire, civil as well as ecclesiastical. Our section aims at uncovering these challenges of institutional order and exploring the normative, medial and performative strategies applied by civil and ecclesiastical authorities in order to control this charism atic potential. The four talks of this section will tackle this complex topic from different perspectives. After a short introduction by the two organizers Kai Trampedach will discuss the ambivalent relationship between ascetics and emperors. He will exp lore under which conditions ascetics were able to put pressure on the political centre and how the emperors reacted to this challenge by surrounding themselves with holy men, in order to demonstrate orthodoxy and win the loyalties of the population in eccl esiastical conflicts. In a similar way Ludwig Meier will focus on the influence of ascetics in forming othodoxies und ecclesiastical identities on the level of local populations. Since holy men exerted a profound influence on different parts of society t he y played on the one hand a crucial role for the making of different churches in Syriac Christianity. On the other hand this frequently involved rivalries and tensions with bishops who, due to their sacramental dut ies and ordinations, decisively promoted th e establishment of alternative ecclesiastical structures. The relationship between bishops and ascetic authority also figures prominently in Steffen Diefenbach’ s discussion of different forms of episcopal authority in the later Roman Empire. His starting point is the question why only in the western part of the Empire the bishops achieved an effective integration of ascetic authority whereas in the East asceticism and episcopal office tended to remain two different sources of religious authority. The weste rn development seems to depend on a successful moulding of the episcopal office by high aristocrats, who propagated an idea of the bishop’s authority, which emphasized personal holiness, not pragmatic competence. This hypothesis shall be put to the test an d further developed with regard to the different situation in the Eastern part of the Empire. In his final talk Sebastian Schmidt-Hofner discusses the question, to which extent holy men were controlled and regulated by legislative power. He will especially focus on parallels and interferences between civil and ecclesiastical legislation in order to examine, in how far comparable challenges were met by divergent or complementary strategies employed by civil and ecclesiastical authorities. The panel will end with a final discussion and concluding remarks of the two organizers.



