(Julia Hauser, Kassel)
Gauri Viswanathan, New York:
Moderation
Judith Große, Zürich:
Cosmopolitanism, Secular Morality, and the Boundaries of Universalism in the Transnational Movement for Sexual Reform in the Interwar Years
Julia Hauser, Kassel:
Between Humanitarianism, Colonial Critique, and Nationalism. British Vegetarians and Hindu Activists in Turn-of- the Century India
Isabel Richter ,
Spiritual Seekers, Pilgrims and Psychonauts. Travelers to India and the Transformation of Religion in the long 1960s
Robert Kramm-Masaoka, Seoul: Radical Utopianism at Tolstoy Farm: Building Communities at the Margins of Global Modernity
Hans-Martin Krämer, Heidelberg:
Kommentar
Abstracts (scroll down for English version):
Vorstellungen von Modernität, lange als westliche Errungenschaft erachtet, waren in der Geschichtswissenschaft bis in die 1990er Jahre hinein eng mit linearen Konzepten von Säkularisierung verbunden. In den letzten Jahrzehnten haben sowohl die Modernisierungs als auch die Säkularisierungsthese grundlegende Kritik erfahren. Modernität, so haben u.a.die theoretischen Beiträge Gurminder Bhambras gezeigt, war das Produkt enger Verflechtungen zwischen Europa und anderen Teilen der Welt. Religion, das haben Talal Asad und andere argumentiert, verschwand keineswegs, sondern lebte in Ideen des Säkularen fort.
Diese Sektion fühlt sich diesen kritischen Perspektiven auf Modernität sowie „das Säkulare“ und „das Religiöse“ verpflichtet, Begriffe, die in den Vorträgen problematisiert und im Hinblick auf ihre Interdependenz beleuchtet werden sollen. Ziel der Sektion ist es, die Verflechtungen zwischen Europa, Indien und Afrika in alternativen Bewegungen und Projekten – Sexualreform, Vegetarismus, Siedlungsprojekten, Jugendbewegungen – im 19. und 20. Jahrhundert zu untersuchen. In diesen Kontexten interagierten einerseits Europäer und Menschen aus anderen Teilen der Welt. Andererseits waren sie Szenarien, in denen Europäer Aspekte außereuropäischer Kulturen und Kulturtechniken aneigneten, wobei sie häufig Werte und Normen ihrer eigenen Gesellschaften hinterfragten. In diesen Bewegungen wurden nicht nur Vorstellungen des Modernen verhandelt. Ihre Anhänger beriefen sich auch auf Werte, die im Dialog oder in Spannung mit dem Religiösen oder dem Spirituellen entstanden.
In unseren Beiträgen zu dieser Sektion werden wir untersuchen, in welcher Weise die spirituelle Dimension bzw. Programme, die im Dialog oder in polemischer Auseinandersetzung mit dem Religiösen entstanden, dazu beitrugen, neue Konzepte von gender, Körper und Gesellschaft zu entwickeln. Gleichzeitig wollen wir herausarbeiten, wie die utopischen Entwürfe alternativer Bewegungen kulturelle Hierarchien – omnipräsente Kategorien in Zeiten des Imperialismus und der Dekolonialisierung – unterminierten oder auch untermauerten. Wie prägten kulturelle Aneignungsprozesse zwischen Europa und der außereuropäischen Welt Glaubensfragen, und welchen Stellenwert nahm hier Religion ein? Wie halfen alternative Bewegungen auf diese Weise, universalistische Konzepte von Menschheit zu legitimieren oder in Frage zu stellen? Dies sind die Leitfragen unserer Sektion. Das Panel findet aufgrund der Besetzung in englischer Sprache statt. Selbstverständlich sind deutschsprachige Beiträge zur Diskussion willkommen.
Julia Hauser, Kassel:
Between Humanitarianism, Colonial Critique, and Nationalism. British Vegetarians and Hindu Activists in Turn-of-the Century India
Dieser Vortrag entsteht aus dem Kontext eines größeren Projekts zur Verflechtungsgeschichte des Vegetarismus im 19. und 20. Jahrhundert. Er nimmt eine Episode in den Blick, die weder in der Geschichte des kolonialen Indiens noch in der sozialer Bewegungen ausreichend Beachtung gefunden hat: die Begegnung zwischen britischen Vegetariern und Hindu-Nationalisten im Indien der Jahrhundertwende. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die Wahrnehmung indischer Kultur als eindeutig vegetarischer einen wesentlichen Einfluss auf die entstehende vegetarische Bewegung in Großbritannien. Gegen Ende des Jahrhunderts gründeten einige britische und europäische expatriates vegetarische Vereine im kolonialen Indien – mit der Absicht, den Vegetarismus in seine vermeintliche Ursprungsregion zurückzutragen. Diese Bemühungen waren eng mit der Theosophie verbunden die sich als von “asiatischer” Spiritualität inspirierte neue religiöse Bewegung in den Jahrzehnten zuvor entwickelt hatte, jedoch auch mit dem Sozialismus der Fabian Society, Kolonialkritik und Sozialreform. Interessanterweise fanden diese Initiativen Anklang bei indischen Aktivisten, die nicht nur den Vereinen beitraten, sondern auch Schriften britischer Vegetarier in indische Sprachen, und ihre eigenn Schriften ins Englische übersetzten – obgleich sie dabei von ganz anderen Motivationen geleitet waren als ihre englischen Kooperationspartner. In diesem Vortrag werden die unterschiedlichen Motivationen britischer und indischer Akteure untersucht. Beide Seiten in dieser Begegnung, so wird sich zeigen, verhandelten das Religiöse und das Säkulare, sowie Konzepte des Körpers, des Selbst und der Gesellschaft – all dies zu einer Zeit, als wachsende Teile der indischen Gesellschaft sich vom Vegetarismus abwandten, während andere ihn in zunehmend militanter Weise verteidigten. Was britische Akteure als allgemein humanitäres Anliegen verstanden, war für indische Akteure nicht selten Teil eines immer mehr als exklusionistisch verstandenen Nationalismus.
Judith Große, Zürich:
Kosmopolitismus, säkulare Moral und die Grenzen des Universalismus in der transnationalen Sexualreformbewegung
In diesem Beitrag wird die Weltliga für Sexualreform (1921-1935) untersucht, eine institutionalisierte Plattform der radikalen Sexualreformbewegung, in Hinblick auf ihren kosmopolitischen Anspruch, der sich etwa in der Proklamierung „sexueller Menschenrechte“ manifestierte. Die kosmopolitische Ausrichtung geht auf den deutschjüdischen Sexologen Magnus Hirschfeld zurück, der die Organisation in den 1920er Jahren ins Leben rief. Diese Ausrichtung stand in Zusammenhang mit einem allgemeinen Rückgriff auf den Säkularismus der europäischen Aufklärung innerhalb der Sexualreformbewegung – dementsprechend wurde die „repressive“ christliche Sexualmoral, etwa im Gewand der sogenannten Sittlichkeitsreform, zum Hauptfeind erklärt. Die Grenzen dieses liberalen Kosmopolitismus, v.a. der unterschwellige Eurozentrismus, sollen ausgelotet werden, indem der Rolle des indischen Sexologen und Eugenikers A.P. Pillay in der Weltliga nachgegangen wird. Obwohl er erklärtermaßen Anhänger der „modernen Wissenschaften“ war, führte er seine Vorstellung von Ehereform (im Sinne einer gleichberechtigten, kameradschaftlichen Partnerschaft) auf Prinzipien zurück, die er antiken Sanskritschriften entnahm. Mit seiner Deutung dieser Schriften versuchte Pillay, den Antagonismus zwischen „materialistischer Wissenschaft“ und „spiritueller Religion“ zu überbrücken, der für die europäischen Sexualreformer von so fundamentaler Bedeutung war. Schließlich wird argumentiert, dass sich in der Zwischenkriegszeit trotz des Fortbestehens eurozentrischer Denkmuster einige bemerkenswerte Verschiebungen im Internationalismus der Sexualreformbewegung ergaben. Als Beispiel wird das von Pillay in Bombay lancierte International Journal for Sexology herangezogen, das das Erbe der Weltliga in dem Moment fortführte, als der NS-Terror zum Zusammenbruch der Bewegung in Deutschland und zunehmend dem restlichen Europa führte.
Isabel Richter
Sinnsucher, Pilgerinnen und Psychonauten. Reisende nach Indien und die Transformation von Religion in den langen 1960er Jahren
In meinem Vortrag konzentriere ich mich auf die Frage, warum Indien zum Inbegriff von Freiheit, Selbsterkenntnis und eines ganzheitlichen Lebens in Teilen der Alternativbewegungen und Jugendkulturen in den langen 1960ern wurde. Um zu untersuchen, welche Phänomene die Reisenden in den langen 1960ern aufgriffen und an welche Traditionen sie anknüpften, nehme ich einige Aspekte in den Blick, die Flows und Resonanzen zwischen Westeuropa, Indien und der USA seit dem späten 19. Jahrhundert zeigen, etwa den Einfluss einiger Aspekte aus der indischen Philosophie und Kultur auf die frühe psychoanalytische Bewegung, insbesondere auf C.G.Jung. Das zunehmende Interesse an „östlichen“ Religionen (Hinduismus, Buddhismus) im westeuropäischen Bürgertum kommt insbesondere auch in der Lebensreformbewegung zum Ausdruck und der Entdeckung des Vegetarismus, naturheilkundlicher Verfahren und eines Lebens in freier Natur – Praktiken und Ideale, die auch Emigrant/innen im frühen 20. Jahrhundert vor allem an die US- amerikanische Westküste mitbrachten. Auch die Verbreitung von Yoga in Westeuropa und den USA unterstreicht die Resonanz einer religiösen Praxis aus Indien und die Aneignung als vor allem körperkulturelle Praxis in den USA und Westeuropa im 20. Jahrhundert. Meine Interpretation zeigt, daß Indien unter Teenagern und jungen Erwachsenen in den langen 1960er Jahren ein Revival als spiritueller Sehnsuchtsort, aber auch als Projektionsfläche erlebte. In den schriftlichen Selbstzeugnissen beschreiben Autor/innen sich oft als „Pilger“, aber auch als areligiös und säkular. Die Reisen in das zentrale Reiseziel Indien sind geprägt durch interreligiöse Austauschprozesse, sie bringen ein transkulturell-religiöses Patchwork hervor, das als „Spiritualität“ wieder in „den Westen“ zurückkehrt und kein festgesetztes Set an religiösen Normen und Praktiken mehr voraussetzt.
Robert Kramm-Masaoka, Seoul:
Radikaler Utopismus auf der Tolstoy Farm: Gemeinschaftsbildung an den Rändern der globalen Moderne
Als Beispiel der globalen Verbreitung radikaler utopischer Gemeinschaften in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts untersucht Robert Kramm-Masaoka (Seoul/Zürich) im darauf folgenden Vortrag die Tolstoy-Farm bei Johannesburg in Südafrika, die Mohandas Gandhi und Hermann Kallenbach 1910 gründeten. Die Tolstoy-Farm war ein Laboratorium für spirituelle und politische Experimente, um eine neue Subjektivität durch kommunales Leben, kooperatives Arbeiten und Vegetarismus zu entwickeln. Gleichzeitig war das Projekt auch ein Versuchsgelände für anti-kolonialen Widerstand, das ebenso indische Migranten wie Südafrikaner und Europäer mit unterschiedlichen religiösen Hintergründen anzog. Gandhi und Kallenbach eigneten sich auf der Tolstoy Farm verschiedene utopische Ideale u.a. geprägt durch Leo Tolstoy und John Ruskin an. Diese kombinierten sie mit Versatzstücken religiösen Glaubens (Hinduismus), mit dem Ziel, eine Nische und Vorbild für anti-imperialistische Gemeinschaftsbildung zu schaffen. Von Johannesburg aus unterhielten sie Kontakte zu Tolstoy in Russland und dessen Anhänger in der Whiteway Colony in England sowie auch nach Südindien. Dort traf Gandhi Sri Aurobindo, Mirra Alfassa, aber auch Paul Richard, einen französischen Pastor und anti-imperialistischen/pan-asiatischen Aktivist mit langem Aufenthalt in Japan. Trotz der propagierten Ideale von Harmonie und Emanzipation waren Kommunenprojekte wie die Tolstoy Farm jedoch niemals frei von Machtverhältnissen und Ungleichheiten. Die Tolstoy Farm bietet daher eine Möglichkeit, die Reichweite aber auch Grenzen der Akteure der Globalisierung zu untersuchen, und die Verflechtungen und Intersektionalität der modernen Welt herauszuarbeiten.
Abstracts (English version):
Historians’ notions of “modernity”, long considered a feat of the West, have been tied to ideas of the secular well until the 1990s. In recent decades, not just the concept of modernity, but also the secularization theory, have come under crossfire. Modernity, or so the interventions of Gurminder Bhambra and others have shown, was a product of deep-seated entanglements between Europe and other parts of the world. Religion, as scholars like Talal Asad pointed out, did not vanish from the stage but remained tied in with ideas of the secular.
This panel is indebted to these critical perspectives on “modernity” and the secular vs. the religious, terms the members of this panel will problematize and investigate as to their mutual dependence. It seeks to trace and to examine the entanglements between Europe, India, and Africa in counter-cultural movements in which Europeans and non-Europeans interacted viz. Europeans appropriated aspects of non-European culture, often in order to question the values of their own societies. These movements did not only negotiate notions of the modern. They also drew on values that emerged, sometimes unbeknownst to the actors involved, in conversation or tension with the religious or the spiritual more broadly.
In our contributions to the panel, we will investigate to which extent the spiritual dimension resp. agendas indebted to a dialogue with, or diatribe against, the religious/spiritual, served as a means to develop new concepts of body, gender, and society. By the same token, we will also look at how their utopian visions served to undermine, or underpin, or, at any rate, negotiate notions of cultural hierarchies dominant in an age of nationalism and imperialism. How did cultural appropriations between Europe and the non-European world help shape questions of belief, and which role did religion play in this context? How did they help legitimize or question a universalist notion of humanity? Due to its composition, the panel will take place in English. Contributions to the discussion are equally welcome in German or English.
Julia Hauser, Kassel:
Between Humanitarianism, Colonial Critique, and Nationalism. British Vegetarians and Hindu Activists in Turn-of-the Century India
This paper is part of a larger project on the entangled history of vegetarianism during the nineteenth and twentieth century. It is concerned with an episode little looked at in either the history of colonial India or that of social movements: the encounter between British vegetarians and Hindu nationalists in turn-of-the century India. Since the mid-nineteenth century, perceptions of Indian culture as a thoroughly vegetarian one had had an important influence on the emerging vegetarian movement in Britain. Towards the close of the century, some foreign and British residents in colonial India founded vegetarian associations, thus taking back meat abstention to its alleged origins. These endeavors were closely linked to Theosophy, which had emerged as a „new religion“ inspired by Asian spirituality in preceeding decades, but also to Fabian socialism, imperial critique, and social reform. Interestingly enough, these appropriative initiatives found local collaborators, who did not only join these associations, but even translated writings of British advocates of vegetarianism into Indian languages and their own ones into English – albeit for motivations by no means congruent with those of their British partners. This paper examines the varying motivations of British and Indian actors, both of which were characterized by negotiations of the religious and the secular, as well as the body, the self, and society, at a time when increasing parts of Indian society turned away from vegetarianism, while others defended it in an increasingly militant manner. What British actors interpreted as humanitarian concerns, or so will be argued, was framed as an increasingly exclusive form of nationalism by Indian actors.
Judith Große, Zürich:
Cosmopolitanism, Secular Morality, and the Boundaries of Universalism in the Transnational Movement for Sexual Reform
This contribution examines the World League for Sexual Reform (1921-1935), a network of radical sex reformers, in its cosmopolitan aspirations, as a propagator of universal „sexual human rights“. The cosmopolitan outlook was connected to its founding figure Magnus Hirschfeld, a German sexologist of Jewish descent. It was explicitly grounded in the secular tradition of European enlightenment – the proclaimed enemy of the sex reform movement being the „repressive“ Christian sexual mores, for instance in the form of the so-called social purity movement. The limits of this liberal cosmopolitanism, i.e. its underlying Eurocentrism, shall be addressed by following the traces of Indian sexologist and eugenicist A. P. Pillay in the WLSR. While being a strong advocate of „modern science“, he based his vision of marriage reform (in the sense of an equal, companionate partnership) on principles he derived from Sanskrit scriptures. In his reinterpretation, Pillay sought to reconcile the antagonism between „materialist science“ and „spiritual religion“ which European proponents of sexual reform embraced as a fundamental principle. Finally, the paper argues that despite the persistence of Eurocentric thinking, some significant transformations occurred in this pattern of ‚Western‘ internationalism in the interwar sex reform movement. A significant example is the launch of Pillay’s International Journal for Sexology in Bombay that continued the legacy of the WLSR at a time when Nazi terror disrupted the movement in Central Europe.
Isabel Richter
Spiritual Seekers, Pilgrims and Psychonauts. Travelers to India and the Transformation of Religion in the long 1960s
My paper is a part of a larger research project taking up the historico-cultural thesis of value change and the “life-style revolution” in the long 1960s. It explores the cultural effects of travel and temporary migration to India among the youth of the 1960s and 1970s and the question of the making of a generation through “alternative” travel. The increasing number of autobiographical texts and travel-journals about the 1960s underlines the boom in traveling overland to India since the mid 1960s.
In my paper I will focus on the question why India became the epitome of “freedom”, “self-realization” and a holistic life in the counter and youth cultures of the long 1960s. It seeks to trace entanglements between Western Europe, India and the United States since the late 19th century highlighting the early psychoanalytic movement and the impact of some aspects of Indian philosophy and culture especially on C.G.Jung. The increasing interest in Eastern religions (Hinduism, Buddhism) in the middle classes in Western Europe in the late 19th century also underlines the effects and appropriations in the Lebensreform movement and its discovery of vegetarianism, naturopathy, and an outdoor life – practices and ideals which reached the US American West coast with European emigrants in the early 20th century. The evolution of yoga in Western Europe and the U.S. shows the resonance of an Indian religious practice and the metamorphosis into a predominantly physical body culture in the 20th century in “the West” . Furthermore, I will examine flows between Eastern meditation practices and entanglements with mind-expanding practices in the U.S. and in Western Europe in the 20th century.
My paper shall show that in the long 1960s India experienced a revival as a place of spiritual aspirations and hopes but also as a projection screen among teenagers and young adults. This is remarkable because after the Enlightenment in Western Europe philosophers and writers considered religion to be opposed to liberalization and emancipation; later, religion was also seen as the opposite of modernity in Western Europe. In their written self-narratives, contemporary witnesses usually describe themselves as “pilgrims” and “spiritual seekers” but as areligious and secular, too. This discovery of spirituality was closely linked to the contemporary transformation of religion, as a result of which religious attitudes no longer needed to be tied to religious institutions or fixed sets of religious norms or values.
Robert Kramm-Masaoka, Seoul/Zürich
Radical Utopianism at Tolstoy Farm: Building Communities at the Margins of Global Modernity
This paper examines Tolstoy farm near Johannesburg, South Africa, founded in 1910 by Mohandas Gandhi and his companion Hermann Kallenbach as an example for the astounding global pervasiveness of radical utopian communities in the first half of the twentieth century. It became a laboratory for spiritual, political and nutritional experiments to develop and exercise a new subjectivity through ideals of communal living, co-operative labor, and vegetarianism—and also a testing ground for anti-colonial resistance. It attracted Indian immigrants, South Africans and Europeans with different religious backgrounds. At Tolstoy Farm Gandhi and Kallenbach appropriated utopian ideals of Tolstoy and Ruskin, charged them with religious beliefs (Hinduism), and its amalgam envisioned a niche for anti-imperialist community building. From Johannesburg they not only maintained contacts to Tolstoy in Russia and his disciples in the Whiteway Colony, UK, but also to Southern India, where Gandhi met Sri Aurobindo, Mirra Alfassa and Paul Richard, a French anti-imperial, pan-Asianist pastor who was long time based in Japan. Yet, despite the ideals of harmony and emancipatory, communal projects were never free of asymmetric power relations. Tolstoy Farm thus offers an ideal opportunity to analyze the range—and limits—of actors of globalization, and highlights the connectivity and intersectional boundaries of the modern world.



