Herausforderung verflochtene Erinnerungskulturen und Geschichtspolitiken: Die deutsch-polnischen Beziehungen / Challenges of Entagled Memory Cultures and Politics: The German-Polish Relations

(Deutsch-Polnische Schulbuchkommission)

Podiumsdiskussion
-Claudia Kraft, Siegen
-Robert Traba, Berlin
-Katrin Steffen, Lüneburg
-Zdzisław Krasnodebski, Bremen

Moderation: Hans-Jürgen Bömelburg, Gießen

Abstract:

Erinnerungskulturen und Geschichtspolitik sind – dies zeigen die aktuellen politischen Debatten in Europa – Teil von pluralistischen und in Demokratien unvermeidbaren Diskussionen. Dabei geht es sowohl um „richtige“ historische Positionen (und nicht zuletzt auch um Glaubensfragen), aber auch um Identitätsdiskurse. Gerade in den vielfach verflochtenen deutsch-polnischen Beziehungen, die durch Kulturtransfer und friedlichen Austausch, aber auch durch Völkermord, ethnische Säuberungen und Grenzverschiebungen gezeichnet sind, besitzen diese Fragen eine erhebliche Brisanz.
Kehren in den aktuellen Debatten über patriotische Erziehung und Fundamentalismus die Politikmuster der Zwischenkriegszeit wieder? Wie sehen die Rahmenbedingungen und Bedeutungen von Geschichtsproduktion in vielfach miteinander verflochtenen pluralistischen Nachbargesellschaften aus, die Geschichte immer auch als Identitätsdiskurs benutzen? Welche Rolle spielen staatlich verordnete „Erinnerungsgesetze“, Tabus und weisungsgebundene halbstaatliche Einrichtungen? Wie kann in diesem Umfeld ein deutsch-polnisches Projekt wie das gemeinsame curriculare Geschichtsschulbuch entstehen?
Und schließlich: Folgen mediale Diskurse nicht Identitätsdiskursen, aber auch Skandalisierungsimperativen, wie zuletzt in der ZDF-Produktion „Unsere Mütter, unsere Väter“ zu sehen? Welche Rolle können unter diesen Bedingungen fachhistorische Initiativen wie die „Deutsch-Polnischen Erinnerungsorte“ oder die „Deutsch-Polnische Geschichte“ spielen?
Für die Diskussion wurden markante Stimmen aus den deutschen und polnischen Geschichts- und Kulturwissenschaften gewonnen, die diese Probleme gemeinsam mit der fachhistorischen Öffentlichkeit diskutieren werden.