(Johannes Hahn, Münster, Sabine Ullmann, Eichstätt)
Sabine Ullmann, Eichstätt:
Einleitung
Johannes Hahn, Münster:
‚Wo steht der Feind?‘ Konversion(en), anti-jüdischer Diskurs und der Zusammenbruch des ‚market place‘ der Religionen im 4. Jahrhundert n. Chr.
Wolfram Drews, Münster:
Die Kontroverse zwischen dem Proselyten Bodo-Eleazar und Paulus Alvarus von Córdoba: Ein jüdisch-christlicher Disput über die Glaubwürdigkeit von Konversionen im umayyadischen Spanien des 9. Jahrhunderts
Yosef Kaplan, Jerusalem:
Converts or Returnees to the Bosom of Judaism? How the Western Sephardic Diaspora Dealt with Marranos who Adopted the Jewish Faith
Thomas Kaufmann, Göttingen:
Proselytenmacherei‘ als antijüdisches Narrativ. Beobachtungen zur Reformationszeit
Christine Magin, Greifswald:
Schlusskommentar und Moderation
Abstract (scroll down for English version):
Die jüdisch-christliche Geschichte im vormodernen Europa ist von einer Dialektik zwischen Polemiken und Konfrontationen einerseits sowie gegenseitigen Anleihen und Einflussnahmen andererseits geprägt, die sich in lokal bzw. regional spezifischen Kontakt- und Konfliktzonen realisierten. Daraus erwuchsen religiös-kultische Annäherungen, Missionsbemühungen bzw. -konkurrenzen bis hin zu Konversionen. Während meist die freiwilligen wie unfreiwilligen Wege vom Judentum zum Christentum fokussiert werden, stellen dagegen die Teilnehmer dieser Sektion den umgekehrten Weg in den Mittelpunkt und fragen nach der historischen Faktizität und Narrativität eines jüdischen Proselytismus. Welche explizite wie implizite Anziehungskraft entwickelte die jüdische Religion in verschiedenen räumlichen Kontexten und zu verschiedenen Zeiten vor dem Beginn der Moderne? Wann galt eine Konversion zum Judentum den Zeitgenossen als glaubwürdig und wie wurde die (neue) religiöse Identität wahrgenommen? In welcher Weise wurde ein möglicher Religionswechsel Gegenstand antijüdischer Propaganda und damit Teil eines kontroversen interreligiösen Diskurses?
Das Thema wird in einer epochenübergreifenden Perspektive von der Spätantike (Johannes Hahn) bis in das 17. Jahrhundert hinein (Yosef Kaplan) behandelt und umspannt damit den Zeitraum vom Aufstieg des Christentums zu einer Mehrheitsreligion bis an die Schwelle der in Europa einsetzenden Aufklärungsbewegung, die den Religionen einen anderen sozialen Ort zuwies. Der geographische Rahmen reicht von der östlichen Mittelmeerregion und Nordafrika über das muslimische Spanien (Wolfram Drews) bis zum frühneuzeitlichen Reich (Thomas Kaufmann). Obwohl die christlich-jüdische Kontroverse dabei als Leitfaden dient, liegt der Fokus nicht nur auf der Anziehungskraft, die das Judentum in christlichen Gesellschaften ausüben konnte, sondern berücksichtigt wird auch die Bedeutung dieser religiösen Auseinandersetzung in pagan geprägten Gesellschaften der Spätantike sowie in islamischen Herrschaftsgebieten.
Abstract (English version):
Jewish-Christian history in pre-modern Europe is marked by polemical and antagonistic dialectic on the one hand, and by mutual borrowing and influence on the other, which took place in local and regional contact and conflict zones. Originating from that are forms of religious-cultic rapprochement and missionary effort or competition, as well as conversions. Voluntary and compulsory transitions from Judaism to Christianity have often been analyzed. The panel, however, intends to focus on the reverse process and will investigate the historical reality and literary discourse of Jewish proselytism.
Which explicit and implicit forces of attraction did the Jewish religion develop in different regional contexts and at different times in the pre-modern period? When was conversion to Judaism seen as credible by contemporaries and how was the (new) religious identity perceived? And in what ways did the possibility of changing one’s religion become an issue of anti-Jewish propaganda and thus part of interreligious controversy?
The topic will be dealt with across epochs, from late antiquity (Johannes Hahn) to the 17th century (Yosef Kaplan). Thus it covers the time span from the rise of Christianity as a majority religion to the beginning of the Enlightenment in Europe, when religions came to be allocated a different social place. Geographically, the discussion encompasses the Eastern Mediterranean and North Africa, Muslim Spain (Wolfram Drews) and the early modern German Empire (Thomas Kaufmann). Although the panel concentrates on Christian-Jewish controversy, emphasis is not placed solely on the attraction that Judaism had in Christian societies. Similar consideration is given to the importance of this religious conflict in the pagan societies of late antiquity and in territories dominated by Islam.



