(Werner Rieß, Hamburg)
Abstracts (scroll down for english version)
Jede Gesellschaft steht in epistemischer Hinsicht im Spannungsfeld von Wissen und bloßen Meinungen. Individuen wie Gesellschaften oszillieren zwischen diesen beiden Polen und nehmen vielerlei Zwischenpositionen ein, um Orientierungs- und Handlungswissen zu gewinnen.
In der direkten Demokratie Athens kam der Aushandlung von Wissen zentrale Bedeutung zu: Die extreme Aufteilung von Kompetenzen erschwerte die Weitergabe von Wissen. Dennoch war diese Regierungsform zwei Jahrhunderte hinweg recht effektiv, was die Frage nach der Organisation von Wissen aufwirft. In den letzten Jahren haben internationale Forschung (etwa J. Ober, Democracy and Knowledge, Princeton 2008), Nachbardisziplinen (etwa M. Friedrich, Die Geburt des Archivs. Eine Wissensgeschichte, München 2013) sowie der durch die Digitalisierung beschleunigte Wandel unserer Informationsverarbeitung auch die althistorische Forschung auf diesem Gebiet befeuert.
Die Sektion verbindet erstmals in der Alten Geschichte Forschungen zum Wissen mit dem spatial turn: Wo fanden die Aushandlungsprozesse zwischen Meinungen und gesichertem Wissen statt? Für Athen ist eine grundsätzliche Offenheit (physisch wie sozial) von Räumen zu konstatieren, die den freien Meinungsaustausch in einer bis dahin ungekannten Weise beförderte. In diesen Diskursräumen fanden Aushandlungsprozesse statt, denen nachgespürt werden soll, Prozesse, die wir idealtypisch als gesellschaftlich, politisch, juristisch sowie geistig-intellektuell bezeichnen. Selbstverständlich überlappen sich diese Felder der sozialen Praxis. Aus heuristischen Gründen ist die Kategorisierung in verschiedene Praxisfelder jedoch nützlich, erlaubt sie doch die genauere Verortung der in Frage stehenden Aushandlungsprozesse.
Hans Beck, Montréal:
Im Schatten der Pnyx. Die athenische Demokratie und das Wissen der Straße
Die Demokratie Athens zeichnete sich durch ihr hohes Maß an Wissen aus. In der sogenannten open air Kultur der Polis war politische Expertise breit gestreut. Die Beteiligung der Bürger an den Institutionen der Stadt förderte nicht nur den Bildungsstand der Politen, sondern sie zeitigte auch ein beachtliches Erfahrungswissen („nomologisches Wissen“). Neben der Kennerschaft im Inneren wird in jüngster Zeit auch ein breites Wissen der Polisbürger über die griechische Welt insgesamt konstatiert: Je größer die kommunikativen Netzwerke, um so kleiner wurde die Welt der Hellenen. Zu den Charakteristiken dieser Small Greek World (Irad Malkin [2011]) gehörte es, dass die Polisbürger gut über die Lage im übrigen Griechenland Bescheid wussten.
Wieviel wussten die Bürger der Polis aber wirklich über politische Konstellationen andernorts? Forschungen zum Austausch von Nachrichten verweisen durchwegs auf die rudimentäre Infrastruktur, die für den Informationsfluss bestand. Die maßgeblichen Polis-Instrumente waren Proxenien und Gesandtschaften; beide spielten bei der Diskussion um die Ratifizierung von Friedensschlüssen und Verträgen eine wichtige Rolle. Die überlieferten Beispiele solcher Diskussionen legen dennoch nahe, dass die Volksversammlung häufig nur eine begrenzte Kenntnis von den Verhandlungsgegenständen hatte. Die schon von den Zeitgenossen angemahnte Abhängigkeit der Ekklesia von Demagogen und das Gewicht von Gerüchten bei der Entscheidungsfindung sind vor dem Hintergrund einer solchen Uninformiertheit kein Zufall.
Dieser ambivalente Befund von hohem Erfahrungswissen auf der einen Seite und relativer Unkenntnis auf der anderen dient im zweiten Teil meines Vortrages einer genaueren Bestimmung des Wissens, das in der Öffentlichkeit bzw. „auf der Straße“ (Alex Gottesman, Politics and the Street in Democratic Athens [2014]) vorherrschte. Im öffentlichen Raum war der Austausch von Wissen nicht den Bürgern vorbehalten, sondern er bezog alle mit ein (Nicht-Bürger, Fremde, Frauen, Sklaven). Gleichzeitig fand die Formierung von Meinungsbildern in Gruppen und Milieus statt – in Vereinen, Phratrien, Banden –, die einer dezidiert anderen Dynamik folgten als die Institutionen der Stadt. Die Straße war insofern ein Ort, in dem die politischen Hierarchien der Polis zwar nicht aufgehoben, in ihrer Wirkkraft aber eingeschränkt waren. Die Komplexität und auch Komplementarität dieser informellen Wissensräume hatte, wie abschließend gezeigt wird, wiederum Rückwirkungen auf den politischen Prozess in Athen.
Christian Mann, Mannheim:
Der Ruf der Demagogen: Gerüchte als akkumuliertes Wissen und als politische Waffe Politische Meinungsführer, in den zeitgenössischen Quellen zumeist demagogoi genannt, waren ein unverzichtbares Element der athenischen Demokratie – sie machten die Volksversammlung erst handlungsfähig. Ihre Darstellung in den Quellen ist allerdings von negativen Stereotypen geprägt: Demagogen standen unter Generalverdacht, Politik nur zum eigenen Vorteil und nicht zum Wohl der Polis zu betreiben, schön klingende Worte anstelle von sachlichen Argumenten einzusetzen, wider besseres Wissen schlechte aber populäre Vorschläge zu machen und Ämter zur persönlichen Bereicherung zu nutzen. Aufgrund der schwachen Stellung von Amtsträgern, der scharfen Konkurrenz der Demagogen untereinander und fehlender Parteistrukturen schwebten alle Demagogen ständig in der Gefahr, ostrakisiert oder in einem politischen Prozess verurteilt zu werden.
In den Volksversammlungen konnten die anwesenden Bürger sich ein Bild von den Demagogen machen, sie verfügten damit über ein gesichertes Wissen. Doch die entscheidende Frage, ob ein Demagoge Politik zum eigenen Vorteil oder zum Vorteil der Polis betreibe, konnte auf der Grundlage dieses Wissens nicht beantwortet werden. Große Bedeutung besaßen deshalb die Gerüchte, die man sich in den Häusern und Straßen Athens erzählte: Aischines preist die pheme, die in der Stadt umlief, als akkumuliertes Wissen des Volkes; die pheme zeige den Charakter eines Bürgers an (Gegen Timarchos, 127-129). Die möglichen Ansatzpunkte für Gerüchte sind vielfältig: Sie können auf den ökonomischen Status eines Demagogen bezogen sein, auf seine politischen Vorschläge, aber auch auf sein Erscheinungsbild, d.h. seine Kleidung und Frisur, seine Stimme, seine Bewegungen.
In diesem Kontext stellen sich zwei Fragen, die genauer zu untersuchen sind: Welche Möglichkeiten boten sich Demagogen, Einfluss auf die Gerüchte über sich selbst und über die politischen Gegner zu nehmen? Und welche Zusammenhänge zwischen dem öffentlichen Auftreten von Demagogen und den über sie kursierenden Gerüchten lassen sich erkennen?
Claudia Tiersch, Berlin:
Selbstbeschreibungen der Demokratie in attischen Reden
Obzwar sich die athenische Demokratie insbesondere seit 403 v. Chr. als erstaunlich funktionale politische Ordnung bewährte, die selbst in militärischen und finanziellen Problemlagen ein hohes Maß an Stabilität und Problemlösungskompetenz aufwies, sind die zeitgenössischen politiktheoretischen Entwürfe weitgehend demokratiekritisch. Allerdings ist in der Forschung zunehmend darauf verwiesen worden, daß zumindest die kritischen Bemerkungen der attischen Redner nicht als Ablehnung der Demokratie zu interpretieren seien, sondern vielmehr als mahnender bzw. ermunternder Diskurs mit den Bürgern, sich stärker für den Erhalt der grundsätzlich akzeptierten Ordnung einzusetzen. Genau hier möchte mein Beitrag einsetzen. Er geht von der Grundannahme aus, daß traditionelle normative Vorstellungen der eunomia eher hierarchische Modelle präferierten, daß der lebendige politische Diskurs der athenischen Demokratie aber im Verlauf mehrerer Jahrzehnte eine Fülle an Kategorien und Überlegungen über Wesen, Ziele und Funktionalität der demokratischen Ordnung entwickelte. Die attischen Reden sollen deshalb unter folgenden Fragestellungen analysiert werden: Welche Selbstbeschreibung der
athenischen Demokratie geben die attischen Redner? Worin sehen sie deren Vorzüge bzw. deren Spezifika und die Bedingungen ihres Funktionierens? Wie charakterisieren sie die Bedeutung von Institutionen, die Rollenverteilung zwischen den Bürgern und deren Handlungserfordernisse? Welche Normen nehmen in den Reden eine zentrale Bedeutung ein? Welche Rolle spielt z.B. die Kategorie der Gerechtigkeit, wie wird diese semantisiert? Welches Wissen über die demokratische Ordnung transportieren und verhandeln sie? Wie wird die neue politische Wirklichkeit kategorial verarbeitet? Welche unterschiedlichen Ansätze werden hier bei den jeweiligen Rednern erkennbar? Anliegen des Beitrags ist die Bestimmung von Grundzügen des Wissens über die athenische Demokratie, welches zwar als Expertenwissen, jedoch in diskursiver Aushandlung, in den attischen Rednern erkennbar wird.
Dorothea Rohde, Bielefeld:
Der politische Verrat als Gesinnungsdelikt. Der Vorzug des Glaubens vor dem Wissen
Unter dem Begriff des politischen Verrates lassen sich in klassischer Zeit verschiedene Tatbestände subsumieren. Obwohl eine Verurteilung die Todesstrafe vorsah, wurden die Prozesse in erster Linie auf der Basis von Überzeugungen entschieden. Der Gerichtssaal als Diskursraum der Aushandlung von Wissen und Meinen umfasste dabei drei Dimensionen: Erstens zeichneten sich die Verfahren durch das weitgehende Fehlen von Beweisen aus. An die Stelle von Fakten trat der Versuch, die eigene Version durch die Narration von Ereignissen und Wahrscheinlichkeiten glaubhaft zu machen. Zeugenaussagen dienten dabei nicht allein der Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes, sondern sie waren ritualisierte Akte der Hilfeleistung. Zweitens zielten die rhetorischen Strategien darauf ab, die eigene Integrität durch den Verweis auf gemeinschaftsrelevante Taten hervorzuheben und den Gegner zu diskreditieren. Die athenischen Richter stimmten daher auch über die vor ihnen stehenden Persönlichkeiten ab. Drittens wurden bei Verratsprozessen die Rechtsnormen situativ durch die „Staatsräson“ ausgefüllt. Was als Verrat galt, beurteilten die Richter aufgrund des diffusen Nützlichkeitskriteriums. Es wurde also vor allem um die Deutungshoheit in politischen Richtungsentscheidungen gestritten.
Gleichwohl wäre es verfehlt, den Primat des Glaubens vor faktenbasiertem Wissen nur als rechtshistorisches Kuriosum abzutun. In Athen dienten Verratsprozesse nicht nur der Auseinandersetzung zwischen Konkurrenten, sondern hier konnten auch Kriterien für ein erwünschtes Verhalten von Politikern formuliert, der Vorrang des Gemeinwohls vor Partikularinteressen eingeimpft, Beschlüsse der Volksversammlung korrigiert und das Verpflichtungsverhältnis der Bürger untereinander durch die Definition von außenpolitischen Feindschaften gestärkt werden. Auf diese Weise fungierte die Verratsanklage in ihren verschiedenen Ausprägungen als ein Mittel der Homogenisierung der politischen Akteure.
Katarina Nebelin, Rostock:
Selbstoptimierung durch Wissen im klassischen Athen
Nebelin behandelt den geistig-intellektuellen Prozess der Selbstoptimierung. Die Vorstellung, dass man beständig an sich arbeiten müsse, um die eigene Vortrefflichkeit auszubilden und zum Ausdruck zu bringen, war bereits Teil des archaischen Elitenideals gewesen. Intellektuelle Qualitäten hatten dabei aber zunächst keine zentrale Rolle gespielt. Dies änderte sich erst seit dem Auftreten der Sophisten im fünften Jahrhundert v. Chr. In dieser Zeit brachte Athen ein demokratisches und ein philosophisches Grundmodell der geistig-intellektuellen Selbstoptimierung hervor. Letzteres spaltete sich wiederum in eine Vielzahl unterschiedlicher Varianten auf. Gemeinsam war allen ihre elitäre Ausrichtung: Selbstoptimierung sollte durch individuelles Leistungsstreben erreicht werden. Unterschiede bestanden vor allem in zwei zentralen Punkten: der Reichweite der jeweiligen Konzeption und ihrem Verhältnis zu gängigen gesellschaftlichen Wertvorstellungen. So erhielt der demokratischen Ideologie zufolge jeder Bürger die Chance, sich zu entfalten, zu bewähren und Ruhm für seine Taten zu ernten – unabhängig von seiner sozialen Herkunft oder seinem Vermögen. Philosophische Selbstoptimierungskonzepte richteten sich dagegen meist an exklusivere, enger begrenzte Personengruppen. Oft beruhten sie zudem auf einer bewussten Abwendung von gesellschaftlichen Wertvorstellungen. Die für die demokratische Selbstoptimierung zentrale Anerkennung durch Andere spielte dabei häufig nur eine untergeordnete Rolle. Einige Denker vertraten jedoch Vortrefflichkeitskonzeptionen, die mit demokratischen Wertvorstellungen leichter zu vereinbaren waren. So verbanden u.a. die Sophisten die Selbstoptimierung durch rhetorisches Training mit einem Gemeinschaftsbezug. Dies wirft die Frage nach der wissenssoziologischen Konstitution Athens auf: Konnten philosophische Vortrefflichkeitsvorstellungen und die von den Philosophenschulen offerierte Bildung einen positiven Beitrag zur ‚bürgerlichen‘ Selbstoptimierung innerhalb der Demokratie leisten, oder standen sie der politischen Ordnung reserviert gegenüber?
Martin Dreher, Mageburg:
Synopsis
Abstracts (english version)
From an epistemic perspective, every society exists in tension between secure knowledge and personal opinion. Individuals and societies alike oscillate between these two poles. They take on many positions in an effort to gain knowledge for the purpose of orientation and future action.
Under the direct democracy of ancient Athens, the negotiation of knowledge was of primary importance. The radical division of competencies made the transmittance of knowledge a difficult matter. Nevertheless, this form of governance was quite efficient for two hundred years, which raises the question of how knowledge was organized. In recent years, international research (e.g. J. Ober, Democracy and Knowledge, Princeton 2008), also in adjacent disciplines (e.g. M. Friedrich, Die Geburt des Archivs. Eine Wissensgeschichte, München 2013), and advancements in processing information through digitalization have all inspired research in ancient history.
For the first time in the field of Classics, this panel aligns research on the deliberation and adjudication of knowledge to the physical realm. Where did the processes of negotiation between opinions and secured knowledge take place? In Athens, we can safely assume that the fundamental openness (physical as well as social) of space stimulated a free exchange of ideas and thoughts in an unprecedented way. In these discursive locations, discussions took place, which will be traced back in this panel. These discussions are what we ideally call political, jurisdictional, as well as intellectual. It goes without saying that these fields of social practice overlapped. For heuristic reasons, however, the breakdown into distinct fields proves useful as it allows for a more precise approach toward the negotiation procedures addressed in each context.
Hans Beck, Montréal:
In the Shadow of the Pnyx: Knowlegde and the Street in Democratic Athens
Athenian democracy distinguished itself through a high degree of knowledge. In the open-air culture of the democratic city-state, political expertise was a rich commodity. Participating in the political administration of their city, Athenian citizens not only enjoyed a formidable degree of education, but also a robust repertoire of political experience as such (“nomological knowlegdeˮ). Beyond this competence in domestic affairs, it has been argued that Greek citizens were generally well informed about the world far and beyond: the larger their networks of communication, the smaller the world of the Hellenes. One of the main characterisitics of this Small Greek World (Irad Malkin [2011]) was, by implication, that it allowed citizens to make informed decisions about their polis’ external affairs.
How much did the ordinary Athenian really know about political constellations elsewhere? Recent research on the dissemination of news alerts us of the rudiminetary structure behind the flow of news. City-states drew mostly on the institution of proxeny as well as the dispatch of ambassadors, both of which played a vital role in the negotiation of, for instance, peace treaties and interstate alliances. But the attested debates in the ekklesia where such arrangements were discussed indicate that the people were only poorly informed about the subject matter under revision. It is not by coincidence that contemporary observers had already raised their concerns about the people’s dependence on demagogues and on rumor; in the absence of well-grounded information, slander was even more prominent.
This ambivalent assessement of solid nomological experience on the one hand and relative un-informedness on the other invites a closer examination of the knowlegde that pervailed “in the streetˮ (Alex Gottesman, Politics and the Street in Democratic Athens [2014]). In the public sphere, knowledge-driven conversations were not confined to citizens, but the information flow included everyone (non-citizens, metics, women, slaves). At the same time, the formation of a public opinion occured in circles and milieus (clubs, phratries, gangs) that adhered to a decidely more distinct dynamic of shaping knowlegde than the one that prevailed in political institutions. The street was thus a realm in which the common political and social hierarchies were subject to a different trajectory, if not altogether suspended. As will be concluded in the final section of my paper, the complex and complementary nature of these informal realms of knowlegde exchange left a significant mark on the political grammar of Athenian democracy.
Christian Mann, Mannheim:
The Demagogues‘ Fame: Rumors as Aggregated Knowledge and Political Weapons
Political leaders (demagogoi) were an indispensable element of the Athenian democracy, the assembly could not work without them. But the representation of demagogues in the sources is characterized by negative stereotypes: Demagogues were suspected to consider only their own advantage, not the polis’, to use empty rhetoric instead of clear talk, to make popular but inappropriate suggestions and to use their position for personal enrichment. Because of the weak position of all magistrates, the sharp competition among them and the lack of party structures, the demagogues were always in peril of being ostracized or convicted in the law court.
During the assemblies citizens could see demagogues in action, so there was some kind of “certain knowledge” about them. But the most important question, that is if a demagogue took care of his own advantage or the polis’, could not be answered on that basis. In this situation rumors were very important, rumors that were disseminated in the houses and streets of Athens: Aeschines praises pheme circulating in the town for indicating the real character of each citizen (In Timarchum, 127-129). The contact zone between knowledge and rumors was diverse: Rumors were connected to the economic status of a demagogue, or to his political suggestions, but also to his habitus, for example his clothes and his hair, his voice and his way of moving.
In this context, two questions will be discussed: What were the ways demagogues could gain influence on the rumors concerning themselves and their rivals? And what is the connection between the public appearance of demagogues and the rumors circulating in Athens?
Claudia Tiersch, Berlin:
Democratic Self-Description in Athenian Oratory
While the Athenian democracy proved to be a viable political order, well able to tackle military and financial problems successfully, especially since 403 B.C., normative treatises by Plato or Aristotle demonstrate a critical stance.
However, recent scholarship posits that the criticism expressed in Athenian oratory should not be taken as a rejection of the democracy, but rather as appeal or encouragement to the citizenship to support and strengthen the existing order.
My paper focuses on the self-description of democracy in Athenian oratory. It highlights that Athenian oratory reflects a continuing public discourse, in which a wide range of thoughts and perceptions about the political aims of the Athenian democracy flourished and developed.
A nuanced reading of public speeches should enable us to better grasp what Athenians thought about their political order, beyond the hierarchical attitudes, which shaped normative political treatises.
Accordingly I am analysing the picture of democracy that the Athenian orators convey: How do the orators describe democracy? Which advantages and specific elements of the political order do the orators provide and how do these contribute to its functioning? How do they characterise the importance of institutions, the different roles played by specific citizens and their duties? Which values appear as leitmotivs in political speeches? Did concepts such as justice carry particular importance and if so, how does it appear in oratory? What level of knowledge formed the basis of rhetorical arguments? How do the orators categorise their current political reality? Which differing approaches do we encounter in specific orators? This paper seeks to pinpoint the degree of expertise about Athenian democracy appearing in contemporary oratory as a result of public discourse.
Dorothea Rohde, Bielefeld:
Der politische Verrat als Gesinnungsdelikt. Der Vorzug des Glaubens vor dem Wissen
In classical times, a variety of offences could be subsumed under the term „treason“. Even though a conviction would entail death penalty, lawsuits for the main part were decided on the basis of beliefs. The courtroom as a discursive space for negotiating knowledge and meaning thereby comprised three different dimensions: Firstly, legal actions were to a large extent characterised by an absence of evidence. Facts were superseded by the attempt to demonstrate the own version’s plausibility by means of narration of events and probabilities. In this process, witness reports served not only to sort out facts but rather presented ritualised acts of support. Secondly, rhetorical strategies aimed at emphasising the own integrity by referring to achievements on behalf of the community and at the same time discrediting the opponent. To a considerable extent, the Athenian judges thus voted on the accused’s personality. Thirdly, in trials for treason legal norms situationally were deduced from the raison d’État. Identification of treason was based above all on the vague criterion of utility. Hence, the opponents above all struggled for interpretive predominance in political decisions.
Nevertheless, it would be inappropriate to discount this primacy of meaning over fact-based knowledge as a mere historical curiosity. At Athens, treason trials for treason not only served as arenas for contesting rivals. Rather, they also helped to establish criteria for desirable behaviour of politicians, instill the priority of common welfare over individual interests, correct decisions of the assembly, and strengthen the relationship between the citizens by defining external enmities. This way, the prosecution of treason in its different specifications functioned as an instrument for homogenising the political agents.
Katarina Nebelin, Rostock:
Selbstoptimierung durch Wissen im klassischen Athen
Nebelin discusses the mental-intellectual process of self-optimization. The idea that one must constantly work on oneself in order to cultivate and express personal excellence was already an ideal of the archaic Greek elite. Intellectual qualities, however, did not initially figure prominently. This changed with the rise of the sophists in the fifth century B.C. During this period, Athens produced a basic democratic and philosophical model of mental-intellectual self-optimization. This model, in turn, branched out into a multitude of different variants. All of them shared an elitist emphasis: self-optimization should be attained with individual effort. Differences revolved primarily around two axes: the reach of the concept and its relationship to contemporary social values. Thus, according to democratic ideology, every citizen received the opportunity to achieve his potential, to prove himself, and to win glory for his deeds – regardless of his social background or wealth. Philosophical concepts of self-optimization, in contrast, normally focused on more exclusive, more narrowly defined groups of people. They also were often based on the deliberate rejection of social values. Recognition by others, which was so central to the democratic concept of self-optimization, frequently played only a subordinate part. Some thinkers, however, proposed conceptions of excellence that were easier to reconcile with democratic values. The sophists, in particular, connected self-optimization to the values of the democratic community through rhetorical training. This raises questions about the intellectual-sociological constitution of Athens: could philosophical conceptions of self-optimization and the education offered by the philosophical schools make a positive contribution to “civil” self-optimization under a democracy, or did they remain critical of the political order?
Martin Dreher, Mageburg:
Synopsis



