(Yvonne Robel, Hamburg, Malte Thießen, Oldenburg)
Jens Gründler, Stuttgart:
Pathologisierungskonflikte. Britische Experten und Verwaltungspraktiker
in der Auseinandersetzung um »mentally defective« und ihre Behandlung
Britta Marie Schenk, Kiel:
Unheilbar wohnungslos? Gesundheitsnormen in europäischen Obdachlosenasylen im späten 19. Jahrhundert
Yvonne Robel, Hamburg:
Pathologisches Nichtstun? Die öffentliche Aufmerksamkeit für »Faule« und »Müßiggänger« zwischen 1900 und 1930
Christoph Lorke, Münster:
Sozialer Deutungsglaube in Demokratie und Diktatur. Armut und Pathologisierungsdispositive nach 1945
Malte Thießen, Oldenburg:
Einführung/Moderation
Abstract (scroll down for English version):
Gesundheitskonzepte sind Gesellschaftskonzepte – und umgekehrt. Seit Beginn der Moderne geht es bei der Ordnung der Gesellschaft um medizinische Fragen. „Gesundes Verhalten“, „gesundes Leben“ oder die „gesunde Gesellschaft“ avancierten zu Leitbegriffen, mit denen soziale Normen und Hierarchien „geordnet“ werden sollten. Ob in der Armuts- und Obdachlosenhilfe, der Mütter- und Jugendfürsorge, der Strafverfolgung oder beim Altern – stets wurde Sozialverhalten mit Gesundheitsnarrativen diagnostiziert, prognostiziert und pathologisiert. Die „gesunde Gesellschaft“ avancierte zur Glaubensfrage, mit der um die Grundsätze sozialer Entwicklungen gestritten wurde.
Diesen Entwicklungen spürt das Panel als „Pathologisierung des Sozialen“ nach. Im Fokus steht die Frage, mit welchen Konzepten und Praktiken „gesundes Verhalten“ im 19. und 20. Jahrhundert popularisiert werden sollte. Diese Spurensuche setzt folglich drei Schwerpunkte: Erstens untersuchen die ReferentInnen, welche Rolle Konzepte der Psychiatrie, Hygiene oder Bakteriologie in der Deutung und Diagnose von „Armut“, „Nichtstun“, „Obdachlosigkeit“ oder „Sittlichkeit“ spielten. Medizinische, psychiatrische und biologische Deutungen machten soziale Entwicklungen sichtbar und behandelbar. Diese Pathologisierungen schlugen sich zweitens in konkreten Praktiken nieder, an denen die Vortragenden Kooperationen und Konflikte zwischen unterschiedlichen Akteuren analysieren. Schließlich etablierten sich seit dem 19. Jahrhundert nicht nur Wissenschaftler, sondern ebenso Ärzte, Beamte, Lehrer oder die Kirchen als „Sozialingenieure“. Diese Konzepte und Praktiken entsprachen verbreiteten Bedürfnissen nach einer „gesunden Gesellschaft“, so dass die Vorträge drittens Popularisierungen und alltägliche Aneignungen der Konzepte und Praktiken untersuchen. Dank dieser drei Schwerpunkte gehen die Vorträge über bisherige „top-down-Modelle“ hinaus und ordnen das Pathologisieren des Sozialen in gesellschaftliche Kontexte ein. Eingebettet werden diese Befunde zudem im europäischen und transnationalen Kontext, um Antworten auf die Frage zu finden, warum die „gesunde Gesellschaft“ in der Moderne zu einer übergreifenden Glaubensfrage geriet.
Jens Gründler, Stuttgart:
Pathologisierungskonflikte. Britische Experten und Verwaltungspraktiker in der Auseinandersetzung um „mentally defective“ und ihre Behandlung
Im Januar 1913 trat der „Mental Deficiency Act“ in England und Wales in Kraft, mit zwei Jahren Verzögerung in leicht veränderter Form in Schottland. Diese Gesetze waren das Ergebnis langjähriger wissenschaftlicher und politischer Debatten darüber, ob der sozialpolitischen Vor-stellung einer „gesunden“ Gesellschaft gegenüber den Rechten von Individuen, z. B. ihrer Unversehrtheit, Vorrang zu gewähren wäre. Der Vortrag spürt der Pathologisierung von Armen und Verbrechern, als „moralisch und geistig verkommenen Subjekten“, die ihre Minderwertigkeit vererbten, nach, die seit den 1850er Jahren rezipiert und durch Wissenschaftler wie Francis Gal-ton popularisiert wurde. Psychiater, Mediziner und Verwaltungsexperten nahmen das eugenische Programm an und knüpften daran konkrete Forderungen, wie mit den Betroffenen umzugehen sei.
Im Fokus des Vortrags steht die „Royal Commission on the Care and Control of the Feeble-Minded“ die auf dem Höhepunkt dieser Auseinandersetzungen eingerichtet wurde. Die Mitglieder befragten an 68 Tagen insgesamt 248 Wissenschaftler, Pädagogen, Mediziner, Praktiker der Armenverwaltung sowie Mitarbeiter zivilgesellschaftlicher Vereinigungen. Das Ziel war eine Bestandsaufnahme wissenschaftlicher Erkenntnisse und administrativer Praktiken in Bezug auf Personen, die als „psychisch krank“ oder „geistig behindert“ und damit als Gefahr für den Erhalt einer „gesunden“ Gesellschaft galten. Gleichzeitig sollten Vorschläge für Neuerungen oder „Verbesserungen“ gemacht werden. Im Vortrag nehme ich die verschiedenen Positionen der Befragten in den Blick. Die Mehrheit der Experten forderte zwar eine Ausweitung der Pathologisierungen und argumentierten, dass große Teile der Armen und Kriminellen „psychisch und geistig minderwertig“ und entsprechend zu behandeln wären. Allerdings blieben diese Einschätzungen nicht unwidersprochen. Einige Experten, insbesondere Praktiker aus Armenverwaltung und Anstaltsleitung, wiesen das Argument „Degeneriertheit und Minderwertigkeit“ zurück. Letztendlich setzten sich deren Ansichten über den Einfluss von Erziehung und sozialem Umfeld auf Armut und Verbrechen in den politischen Aushandlungsprozessen durch und bestimmten maßgeblich die Gesetzgebung. Im Gegensatz zum Kontinent, so meine These, blieben Pathologisierungen von Armen und Kriminellen im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts in der britischen Praxis von Armenverwaltung und Psychiatrie weitgehend folgenlos. Im Vortrag wird da-her auch nach unterschiedlichen nationalen Kontexten zu fragen sein, in denen Pathologisierungen auf Resonanz oder Ablehnung stießen.
Britta Marie Schenk, Kiel:
Unheilbar wohnungslos? Gesundheitsnormen in europäischen Obdachlosenasylen des späten 19. Jahrhunderts
In den 1860er Jahren fand im Deutschen Kaiserreich ein Umbruch in der Obdachlosenfürsorge statt. Obdachlosenasyle wurden in Großstädten gegründet, bürgerliche Sozialreformer fungierten als Experten und Praktiker zugleich und begannen mit staatlichen Stellen zu kooperieren. Konfliktreich gestaltete sich fortan das Verhältnis zwischen diesen neuen und den etablierten konfessionellen Wohltätigkeitsakteuren. Ein Bindeglied stellten hingegen Pathologisierungen dar, die auf beiden Seiten en vogue waren und von Hygienestereotypen bis zu eugenischen Deutungen von Obdachlosigkeit reichten. Pathologisierungen, so die These meines Vortrags, fungierten als eine Art Brücke zwischen unterschiedlichen Akteuren. Die Voraussetzungen und Formen dieser Pathologisierungen werden für die verschiedenen Akteure auf drei Ebenen herausgearbeitet: erstens auf der Ebene der konfessionellen und staatlichen Konzeptionen der Obdachlosenfürsorge. Zweitens wird auf der Ebene der Praktiken zum einen analysiert, wie Hygienemaßnahmen den Alltag in Obdachlosenasylen gestalteten. Zum anderen gehe ich der Frage nach, inwiefern die Zuweisung einer Unterkunft von eugenischen Kriterien abhing. Auf der dritten Ebene wer-den diese Pathologisierungen international vergleichend analysiert, um die europäische Dimension des Glaubens an eine gesunde Gesellschaft zu vermessen. In dieser Perspektive auf Pathologisierungen als konsensuale Praktik werden Obdachlose als Objekt der Konzeption einer gesunden Gesellschaft sichtbar, so dass sich das Zusammenwirken von Gesundheitsvorstellungen und sozialer Ungleichheit untersuchen lässt.
Yvonne Robel, Hamburg:
Pathologisches Nichtstun? Die öffentliche Aufmerksamkeit für „Faule“ und „Müßiggänger“ zwischen 1900 und 1930
Als „gesunde Gesellschaft“ galt insbesondere in der europäischen Moderne immer auch eine arbeitsame. „Müßiggang“, „Faulheit“ oder „Arbeitsscheu“ wurden als innere Bedrohung wahr-genommen. Wissenschaftler und Praktiker stellten sie vermehrt als Folgen eines ungesunden Verhaltens oder einer krankhaften Disposition Einzelner dar. Hierbei korrelierten Gesundheits- und Sozialdiskurse auf spezifische Art und Weise. Zwar bedienten sich Pädagogen, Sozialexperten, Politiker oder Journalisten psychologischer und medizinischer Erklärungsmuster, als sie zwischen 1900 und 1930 verstärkt über „selbstverschuldete“ Nichtstuer stritten. Darüber hinaus wurde abweichendes unproduktives Verhalten auch mit Gesundheitsnarrativen problematisiert. Gleichwohl konkurrierten solche Deutungen stets mit anderen und waren bei weitem nicht so konsistent, wie sich zunächst vermuten lässt.
Der Beitrag geht diesen Widersprüchen nach, indem er erstens danach fragt, mit welchen Gesundheitskonzepten einzelne Akteure operierten, die sich für Phänomene der „unproduktiven Faulheit“, des „gemeinschädigenden Müßigganges“ bzw. der „Arbeitsscheu“ interessierten. Die „geistige Gesundheit“ jener Nichtstuer anzuzweifeln war insofern etwas anderes als auf ihre fehlende „moralische Gesundheit“ abzuheben. Daraus leiteten sich zweitens verschiedene An-sichten über die Heilbarkeit abweichenden Verhaltens ab. Besonders in Anbindung an die Pathologisierung des Nichtstuns kursierten verschiedene Ideen über die praktische Behandlung von „Faulheit“ oder „Müßiggang“. Befördert wurden solche Entwürfe durch die seit den 1910er Jahren populäre Charakterologie. Jene pathologisierte Suche nach Ursachen und Therapien, so lässt sich im dritten Schritt zeigen, konkurrierte zwar einerseits mit dem Bild der „unverbesserlichen“, weil „willentlichen“ Nichtstuer, bestärkte es jedoch andererseits auch. Somit trugen die widersprüchlichen Suchbewegungen wesentlich zu einer langlebigen Konstruktion individueller und kollektiver Verantwortlichkeiten für die arbeitssame gesunde Gesellschaft bei.
Christoph Lorke, Münster:
Sozialer Deutungsglaube in Demokratie und Diktatur. Armut und Pathologisierungsdispositive nach 1945
Der Beitrag diskutiert die gesellschaftliche Kommentierung des sozialen „Unten“ im geteilten Deutschland und plädiert dafür, die Vorstellungswelten des Sozialen stärker als bislang auch blockübergreifend zu betrachten. Denn sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR war die Bewertung sozial „abgehängter“ Teile der Bevölkerung wesentlicher Bestandteil sozialer Selbstbeschreibungen. Dazu werden die Regeln und Rituale der Etablierung und Vermittlung sozial-symbolischer Sinndeutungen gegenübergestellt und erörtert, und zwar am Beispiel kinder-reicher Familien. Beim Sprechen über den „unteren gesellschaftlichen Rand“, so meine Ausgangsthese, wurden hier wie dort mit öffentlich-medial zirkulierende Zuschreibungsformen, Wertungen und Charakterisierungen das Label „arm“ geprägt und definiert. Das Sprechen über „Armut“ bewegte sich dabei innerhalb bestimmter Sicherheitsdispositive (Michel Foucault), die wiederum auf Pathologisierungsdispositive verweisen. Diese knüpften in beiden deutschen Staaten (in zu differenzierender Intensität und zu diskutierender Periodisierung) an überkommene soziale Vorstellungswelten an.
Der häufig auszumachende Rückgriff auf normative Beschreibungskonstanten – etwa auf ein „gestörtes“ Verhältnis zur Arbeit, Familie und Gesellschaft, aber auch auf Bildungs-, Kultur- und Moraldefizite – und damit verbundene Popularisierungen des (abweichenden) Sozialen im öffentlichen Raum des jeweiligen „sozialen Glaubensregimes“ beförderte in West- wie Ost-deutschland nicht nur eine auf pathologischen Definitionen beruhende Individualisierung sozialer Randständigkeit. Zudem grenzte sie „unwürdige“ Arme auch in symbolischer Hinsicht zwei-fach ab: von den „verschämten“ Armen einerseits und der „Normalgesellschaft“ andererseits. Die Erwartungen und Annahmen, die in der Bundesrepublik und der DDR mit pathologisch gedeuteten „armen“ Lebensformen verbunden waren, erlauben damit Rückschlüsse auf die Funktion derartiger Sozialdeutungen in modernen Industriegesellschaften.
Abstract (English version):
Concepts of health are concepts of society and vice versa. In modernity, debates on social order are framed by medical knowledge and medical metaphors. Experts tried to promote “healthy behavior”, “healthy life” or the “healthy society” to influence social norms and hierarchies. Health concepts diagnosed, predicted, and pathologised social behavior, for example in institutions of public and youth welfare, in poor relief, in homeless shelters and mental institutions. In short, the “healthy society” advanced general questions on the principles of society.
The papers of the panel analyze these developments as an act of „pathologization of the social“. They study concepts and practices of “healthy behavior” in 19th and 20th century Europe and the way it was popularized. The speakers focus on three aspects: Firstly, they shed light on the influence of medical concepts on diagnoses of poverty, faineance, homelessness, and immorality. Interpretations of misbehavior and misconduct as “genetic defects”, “diseases”, and “illnesses” served as evidence for scientific knowledge and promised to make unwanted social developments visible and treatable. Secondly, the papers take a closer look at the “pathologization of the social” in social and everyday practices that fueled cooperation and conflicts between scientists, doctors, public officers, teachers, or priests. Thirdly, the papers investigate the promotion of “healthy behavior” and the responses of the public. In this perspective, the panel embeds scientific concepts in a deeper social context and questions established “top-down-approaches”. The “Pathologization of the social” is interpreted not just as a discourse of experts, but as a popular and widespread view on society in modern Europe.
Jens Gründler, Stuttgart:
Disputes about Pathologization. British Experts and Administrative Officers in Debate over the “Mentally Defective” and their Proper Handling
The “Mental Deficiency Act” came into effect in January 1913 in England and Wales, two years later a slightly different version in Scotland. These acts were the result of long lasting scientific and political debates on whether there was a supremacy of socio-political visions of a “healthy” society over individual rights or not. This paper traces the ways and methods of pathologising paupers, criminals and other persons labeled socially deviant, as “morally and mentally degenerate individuals”. Those concepts and practices were discussed since the 1850s and scientist as Francis Galton popularized these in the later 19th century. Within the medical, psychiatrical and administrative establishment eugenic interpretations of social evil were welcomed and linked up with demands on how to handle the concerned. The “Royal Commission on the Care and Control of the Feeble-Minded” was installed in 1904 at the height of the debates and discussion over proper care and handling the “degenerate” members of society. The members interviewed 248 scientists, pedagogues, medical men, officers of the poor and prisons as well as members of civic societies. The central aim was to establish actual scientific knowledge and contemporary administrative practice in regard to persons who were either regarded as “mentally ill” or “men-tally defective” and as being a danger for society, especially for a “healthy” society. At the same time the Commission had to gather proposals for the “betterment” of rules and measures.
The paper looks at different positions voiced by the witnesses before the Commission to trace the processes of negotiation. Indeed, the majority of experts demanded to expand concepts of illness on large parts of the poor and criminals. In their view, these groups were mostly “mentally defective” and had to be handled properly, draconic if necessary. These interpretations of social ills, however, were objected. Some experts, especially those working in the administration, repudiated the notion that most of their “clients” were degenerated or defective. They stressed that not nature decided about who became poor or criminal but education, familial security and stability, circumstances in which one was born etc. In the end the latter experts influenced the legislature significantly. In reality, the attempts to pathologise paupers and criminals from the late 19th to the first quarter of the 20th century remained mostly fruitless and without consequences in practice. In stark contrast to developments on the continent, notions of degeneration were rejected in the political arena in Great Britain.
Britta Marie Schenk, Kiel:
Homelessness as Illness. Concepts of „Health“ in European Homeless Shelters During the Late 19th Century
In the 1860’s the provision for the homeless was completely reorganised in Germany. Nightasylums and shelters were established, social reformers served as experts and were committed in institutions and societies caring for the homeless at the same time. These social reformers and public authorities began to work hand in hand. The older, often denominational, agencies and societies caring for the homeless came quickly into conflict with the new, scientifically oriented reformers. In this context pathologising the homeless was one way of bridging the conceptual gaps and pacifying the conflicts between the different parties. The preconditions and implementations for those mutual “Pathologisierungen” will be analysed for several “players” on three levels. On a first level, the paper looks at different concepts of caring for the homeless within denominational and public protagonists. Subsequently it analyses the measures of hygiene that were implemented within night asylums, shelters and hostels, framing everyday life. On a third level the presentation examines forms of pathologising the homeless in other nation states to outline the European dimensions of the “faith in healthy society”. In this respect, understanding “Pathologisierungen” as consensual practices allows us to uncover the homeless as one object of concepts of “healthy societies”. Taking this perspective the collusion of “notions of health” and social inequality can be examined.
Yvonne Robel, Hamburg:
„Doing Nothing” – a Pathological Problem? The Public Interest to “Laziness” and “Idleness” Between 1900 and 1930
The praise of a hard-working mankind became a central idea in modern Europe. Working hard meant to stay healthy, both for individuals and for the society. “Laziness”, “idleness” or “work-shy people” were said to be internal threats and diseases. Increasingly, scientists and practitioners interpreted them as a result of an unhealthy behavior or of a fundamental pathological problem. Therefore, discourses on the social and the medical were deeply intertwined. When educationalists, social experts, politicians and journalists discussed “self-inflicted slackers“, between 1900 and 1930, they referred to medical and psychological concepts as well. Again and again they explained deviant behavior of non-working by speaking about a lack of healthiness. How-ever, these explanations came in conflict with others and weren’t as consistent as one would expect.
The paper discusses these discrepancies by investigating the concepts of “health“ different actors used when they were interested in “unproductive laziness“, “socially destructive idleness“ or “work-shy slackers”. Some of these actors doubted the “mental health” of slackers, others discussed their “moral health”. These different positions were accompanied with changing ideas of recovering. Especially the interpretation of “laziness” and “idleness” as pathological problem meant to invent specific methods of treatment. Particularly theories about the human character, which became popular in German sciences around 1910, played an important role for this invention. The search for reasons and medical treatments to deal with “laziness” and “idleness” got in conflict to ideas of the “self-inflicted” or “incorrigible” slacker on the one hand and con-firmed them on the other hand at the same time. Thus, this inconsistent search significantly contributed to a persistent construction of individual and collective responsibility for a hard-working and healthy society.
Christoph Lorke, Münster:
Social Faith in Democracy and Dictatorship: Poverty and Dispositifs of Pathologization after 1945
The paper focusses on processes of societal commenting of the social “bottom” in divided Germany and pleads for an intensified consideration of social conceptualizations “across the blocs”. The valuation of socially “suspended“ sections have been an essential element of the social self-descriptions in both West and East Germany. Putting families with many children (“Kinderreiche”) in the focus, the presentation seeks to illustrate the rules and rituals of establishing and mediating social-symbolical interpretations. In Western and Eastern Germany, talking about the society’s lower margins and defining the label “poor” were results of publicly and medially circulating attributions, valuations, and characterizations within certain dispositifs of security (“dispositif de sécurité”, Michel Foucault), which in turn refer to dispositifs of pathologization. They followed – in differing intensity and periodization – the traditional social conceptualizations.
Certain normative modes of describing the social – e.g. a “disturbed” attitude towards labour, family and society, and supposed educational, cultural, and moral deficiencies – and given popularizations of (deviant) social behaviour can be observed in the Federal Republic as well as in the GDR. An individualization of social marginalisation, based on pathological definitions and conceptions, supported the symbolical demarcation of the “undeserving poor” in two aspects: on the one hand in contrast to the “deserving poor”, and on the other hand to the “normal society”. While illuminating the social expectations and assumptions, which were associated with pathological “poor” forms of life in divided Germany, one may draw further conclusions regarding the meaning and function of societal interpretations within modern industrial societies.



