Der Aufstieg der Verhaltensökonomie und die Transformation von Regulierungslogiken seit den 1970er Jahren / The Rise of Behavioral Economics and the Transformation of Regulation since the 1970s

(Rüdiger Graf, Potsdam)

Floris Heukelom, Nijmegen:
Reassessing the Kahneman/Tversky Paradigm Shift in the 1970s
Till Grüne-Yanoff, Stockholm:
Boost vs. Nudge – Zur Historisierung zweier Typen der Verhaltensintervention
Rüdiger Graf, Potsdam:
Felder verhaltensökonomischer Forschung und die Praxis ihrer Regulierung im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts
Holger Straßheim, Berlin:
»Nudging Ourselves, and Each Other, to Happier Lives«. Der globale Aufstieg von Verhaltensexpertise und -politik
Jakob Tanner, Zürich:
Zunehmende Familienähnlichkeit? Verhaltensökonomie als Herausforderung für die Geschichtswissenschaft

Abstracts (scroll down for English version)

Floris Heukelom, Nijmegen:
Reassessing the Kahneman/Tversky paradigm shift in the 1970s
Die verhaltenspsychologische Forschung, die unter verschiedenen Namen in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg entstand, unterschied einen normativen Bereich von einem deskriptiven. In normativer Perspektive lieferten Theorien wie John von Neumanns und Oskar Morgensterns Spieltheorie, Jimmie Savages bayessche Statistik sowie die ökonomische Theorie der Nutzenmaximierung und die mathematische Logik die Regeln, denen jedes rationale Individuum folgen sollte. Zugleich schlossen Psychologen wie Clyde Coombs, Ward Edwards, der junge Amos Tversky und andere aus ihren experimentellen Untersuchungen, dass Individuen sich im Großen und Ganzen rational verhalten.
Dies änderte sich in den 1970er Jahren, als Daniel Kahneman, Amos Tversky und andere zu argumentieren begannen, dass Individuen systematisch und vorhersagbar von diesen Regeln rationalen Verhaltens abweichen. Auf diese Weise beanspruchten Wissenschaftler, an der Spitze der Vernunft zu stehen und wurden zu Beratern, die anderen Menschen erklären konnten, wie sie sich besser verhalten könnten und zwar nicht nur unter den Bedingungen von Stress, sondern in jeder alltäglichen Entscheidungssituation. Warum geschah dies zu diesem Zeitpunkt und in dieser intellektuellen Umgebung? An anderer Stelle (Heukelom 2014) habe ich die Bedeutung von Kahneman und Tverskys Rhetorik und ihrer intuitiv ansprechenden Beispiele herausgearbeitet. In meinem Vortrag werde ich dazu zwei komplementäre Erklärungen anbieten: die stark gestiegene Zahl von Psychologiestudenten und die Absenkung der epistemologischen Standards für die Durchführung von Experimenten.
Laut den Angaben der American Psychological Association stieg die Zahl der Psychologiestudenten in den 1970er Jahren stark an. Oftmals konnten Studenten nun Credits dadurch erwerben, dass sie an Experimenten teilnahmen, die ihre Professoren durchführten. Auf diese Weise wurden die Kosten und der Aufwand für die Durchführung von Experimenten verringert. Darüber hinaus wurden die epistemologischen Standards für Experimente in den 1970er Jahren deutlich gesenkt. In den Experimenten von Savage, Edwards, Luce, Coombs und anderen in den 1950er Jahren mussten die Wahrscheinlichkeiten für die Probanden vollkommen nachvollziehbar sein – zum Beispiel durch tatsächliches Würfeln – und die Belohnungen – wie Geld, Zigaretten oder Süßigkeiten – waren stets real. Seit den 1970er Jahren bildeten Fragebögen, die zwischen Konferenzsektionen ausgefüllt wurden, und hypothetische Belohnungen die empirische Basis für Publikationen in Science oder dem Psychological Review. Beide Elemente, weniger Kontrolle und weniger motivierte Probanden, trugen zur Bestimmung von systematischen und vorhersagbaren Biases durch Kahneman, Tversky und andere bei.

Till Grüne-Yanoff, Stockholm:
Boost vs. Nudge – Zur Historisierung zweier Typen der Verhaltensintervention
Wissenschaftlich fundierte Verhaltensinterventionen nehmen in neuester Zeit einen wichtigen Platz im Regulationsinstrumentarium verschiedener Staaten ein. Allerdings ist weitgehend ungeklärt, ob es sich dabei um einen oder um mehrere verschiedene Typen von Interventionen handelt, was wiederum Implikationen sowohl für die Effektivität als auch für die normative Akzeptabilität ebendieser Interventionen hat. In einem früheren Aufsatz (Grüne-Yanoff & Hertwig 2015) unterscheiden wir zwischen Boosts und Nudges als zwei solcher Typen, und verteidigen diese Unterscheidung gegen die Replik, dass Boosts eine Art von Nudges seien (Sunstein 2015, Bar-Gill & Sunstein 2015). Kurz gefasst, liegt der Unterschied darin, dass Nudges direkt auf Verhaltensoptimierung abzielen, Boosts dagegen längerfristige Verbesserungen von Entscheidungskompetenzen anstreben.
In diesem Beitrag untersuche ich diese Unterscheidung im Kontext der historischen Entwicklung der Verhaltenswissenschaften. Es ist weithin bekannt, dass diese Entwicklung nicht kontinuierlich verlief, sondern wichtige theoretische und begriffliche Brüche aufweist (vergl. z.B. Sent 2005). Insbesondere interessiert mich hierbei der Begriff der Heuristik, welcher, von Simon aus der Informatik in die Psychologie eingeführt, dafür benutzt wurde, zu erklären, wie Menschen in Situationen mit hoher Komplexität oder geringer Informationsdichte Entscheidungen fällen. Meine Hypothese ist, dass die Unterschiede im Begriff der Heuristik z.B. zwischen Simon & Newell und Kahneman & Tversky (hierzu z.B. Chow 2014), einen direkten Einfluss darauf haben, welche Interventionstypen auf menschliches Verhalten (enger gesprochen: Nudges oder Boosts) die jeweiligen Autoren als möglich oder notwendig erachteten. Ich belege diese These zum einen mit Äußerungen dieser Autoren zu den kausalen Mechanismen dieser Heuristiken, welche implizieren, dass nur ein Typ von Intervention erfolgreich seien kann; und zum anderen mit direkten Äußerungen dieser Autoren zu möglichen Interventionstypen. Folglich findet sich der Unterschied von Boosts und Nudges schon in früheren Phasen der Verhaltenswissenschaften – er wurde nur durch die jüngste Prominenz der Nudges überdeckt.
Bar-Gill, Oren and Cass R. Sunstein. 2015. Regulation as Delegation. Journal of Legal Analysis 7(1). DOI: 10.1093/jla/lav005 .
Chow, Sheldon J. (2014): Many Meanings of ‘Heuristic’. The British Journal for the Philosophy of Science: 1-40.
Grüne-Yanoff, Till & Hertwig, R. Nudge versus boost: How coherent are policy and theory? Minds and Machines. Published online 2015; DOI 10.1007/s11023-015-9367-9.
Sent, E.M., 2005. Behavioral economics: how psychology made its (limited) way back into economics. History of Political Economy, 36(4), pp.735-760.
Sunstein, Cass R. (2015). The Ethical State. Cambridge University Press. In press.

Rüdiger Graf, Potsdam:
Felder verhaltensökonomischer Forschung und die Praxis ihrer Regulierung im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts
Der Vortrag untersucht die Ursachen für den Aufschwung der Verhaltensökonomik als akademische Subdisziplin seit den 1980er Jahren, indem er vor allem nach dem Verhältnis von verhaltensökonomischer Theoriebildung und verhaltensregulierender Praxis fragt. Dem liegt die Hypothese zugrunde, dass gerade die Prozesse der Deregulierung und Vermarktlichung einen neuen Regulierungsbedarf erzeugten. Denn anders als Thesen einer „neoliberalen Gouvernementalität“ postulieren, verhielten sich Individuen auf Märkten nicht dem Modell des Homo oeconomicus gemäß. Durch die Beschreibung der Heuristics and Biases, aufgrund derer sich Menschen eben nur begrenzt rational verhielten, versprachen Verhaltensökonomen, dieses Verhalten wieder steuerbar zu machen. Verhaltensökonomik bildete also keine Alternative zu den hypertrophen Kontroll- und Steuerungsfantasien der „Cold War Rationality“, sondern schrieb diese eher unter anderen Vorzeichen fort. Nachdem dies ausgehend von den Anwendungsfeldern, auf denen Verhaltensökonnomen ihre Theorien entwickelten, gezeigt wurde, soll im zweiten Teil des Vortrags gefragt werden, wie neu verhaltensökonomische Regulierungsvorschläge waren. Dabei wird im Gegensatz zu den Ansprüchen von deren Protagonisten auf Neuartigkeit und Innovation argumentiert, dass die Verhaltensökonomik Teil eines wesentlich breiteren Trends war, Regulierungstechniken auf der Basis verhaltenswissenschaftlichen Wissens zu entwickeln.

Holger Straßheim, Berlin:
„Nudging Ourselves, and Each Other, to Happier Lives“. Der globale Aufstieg von Verhaltensexpertise und -politik
In den vergangenen zehn Jahren haben die seit langem bekannten Erkenntnisse der Verhaltensökonomie und -psychologie vermehrt Eingang in politische Entscheidungs- und Steuerungsprozesse gefunden. Regierungen in Großbritannien, den USA, Australien oder Singapur befassen Expertenteams mit der Entwicklung von Verhaltensinterventionen und deren experimenteller Überprüfung. Auf transnationaler Ebene kommt es zur Vernetzung öffentlicher, privater und zivilgesellschaftlicher Organisationen mit dem Ziel, verhaltensökonomisches Wissen zu produzieren und anzuwenden. Durch den weltweiten Einsatz von Experimenten und randomisierten Vergleichsstudien gewinnt die Bewegung zugleich politische und wissenschaftliche Autorität. Während sich die bisherige Forschung intensiv und teilweise kritisch mit ihren normativen Prämissen auseinandergesetzt hat, bleibt die zentrale Frage nach den Gründen und Bedingungen für den globalen Aufstieg der Verhaltensökonomie unbeantwortet. Es fehlen systematisch vergleichende Studien zur inter- und transnationalen Verbreitung und Vernetzung von Verhaltensexpertise und ihrer Übersetzung in politische Regulierungen. Im Vortrag sollen daher die Mechanismen dieses späten Aufstiegs der Verhaltensökonomie als Regulierungslogik untersucht werden. Den Ausgangspunkt bildet dabei die These, dass die Autorität der Verhaltensökonomie auf einer wechselseitig sich verstärkenden Kombination von Reputationsnetzwerken, experimentellen Praktiken und Semantiken der Rechtfertigung beruht. Der Diskurs des „libertären Paternalismus“ ermöglicht dabei eine Reorganisation zeitlicher Horizonte: Mit seiner Hilfe werden im Rückblick vergangene Krisenerscheinungen als Ergebnis begrenzter Rationalität erklärbar; zugleich liefert er für die Zukunft eine Neubeschreibung des Verhältnisses zwischen Bürgern und Staat. An die Stelle früherer Fortschrittsformeln (Wohlstand, Wachstum) tritt der Begriff des Glücks. Insofern geht es in dem Beitrag sowohl um die soziale wie auch zeitliche Dimension des Wechselverhältnisses zwischen ökonomischen Diskursen und politischen Regulierungslogiken.

 

Jakob Tanner, Zürich:

Zunehmende Familienähnlichkeit? Verhaltensökonomie als Herausforderung für die Geschichtswissenschaft

Seit den ausgehenden 1970er Jahren sah sich die moderne Sozialgeschichte durch neue Ansätze herausgefordert. Alltagsgeschichte und Mikrohistorie verschoben den Forschungsfokus von der Analyse großer Strukturen und Prozesse in langen Zeiträumen hin zur Beschreibung von Praktiken, Ritualen und Bedeutungen in begrenzten Untersuchungskontexten. Das Erkenntnisinteresse richtete sich auf Akteure und deren Agency.  Die Kategorie des „Eigensinns“ diente dazu, die „Kunst des Widerstandes“ gegen eine wirkungsmächtige Regierungsrationalität zu beschreiben. Die Darstellung von Märkten und Vermarktlichungsprozessen wurde durch das Konzept der „moralische Ökonomie“ erweitert. Im selben Zeitraum wurden die Wirtschaftswissenschaften von einer „stillen Revolution“ im Paradigma des Verhaltens nachhaltig verändert. Mit dem Abrücken vom Einheitsmodell des Homo oeconomicus wurden die bislang dominierenden Entscheidungstheorien und Optimierungsmaximen ausgehebelt. Die Annahme einer „begrenzte Rationalität“ ermöglichte es, kulturelle Prägungen von Handeln und Verhalten zu berücksichtigen. Anomalien, Verhaltensheuristiken sowie kognitive Irrtümer rückten ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Der primär wissenschaftshistorisch argumentierende Vortrag untersucht, ob und wieweit sich eine  kognitive Familienähnlichkeit zwischen Verhaltensökonomie und Geschichtswissenschaft feststellen lässt. Gibt es analytische Synergiepotenziale zwischen einem historisch sensitiven Praxisbegriff (bzw. einer Vorstellung von „Gewohnheiten“, wie sie die historische Anthropologie stark macht) und dem Verhaltensbegriff in den Wirtschaftswissenschaften? Gibt es analoge Annahmen über Rationalitäten und Restriktionen menschlicher Agency? Und, falls ja, wie sind diese zu erklären, wenn gleichzeitig weder von intensiver Inter- oder Transdisziplinarität noch von ähnlichen Empiriekonzepten und Erzählstrategien in den beiden Forschungsfeldern ausgegangen werden kann?

 

Abstracts (English version)

Floris Heukelom, Nijmegen:
Reassessing the Kahneman/Tversky Paradigm Shift in the 1970s
The behavioral psychological research that emerged under various names in the postwar United States distinguished a normative from a descriptive realm in a straightforward manner. Under the normative banner, theories such as John von Neumann’s and Oskar Morgenstern’s game theory, Jimmie Savage’s Bayesian statistics, economists’ utility maximization and mathematicians’ logic provided the rules that every rational individual should follow. In addition, however, psychologists such as Clyde Coombs, Ward Edwards, the young Amos Tversky, and many others, inferred from their experimental investigation in the descriptive domain that individuals indeed are rational, by and large.
This changed in the 1970s, when Daniel Kahneman and Tversky, and others, began to infer that individuals systematically and predictably deviate from these rules of rational behavior. As a consequence, scientists were left to rule supreme at the pinnacle of reason, and effectively became coaches that could teach individuals how to behave more optimally, not just in those rare moments of stress or information overload, but in virtually every decision made throughout the day. The question is: why then and there? Elsewhere, I have pointed to the smart rhetoric of Kahneman and Tversky, and their innovative use of intuitive examples (Heukelom, 2014). In this talk I want to point to two other explanations: the strong rise in the number of psychology students and the lower epistemological standards for conducting experiments.
As indicated by data from the American Psychological Association, the number of psychology students rose sharply during the 1970s. More often than not, psychology students could obtain study credits by participating in experiments set up by their professors. As a result, a huge pool of potential experimental subjects became available, thus reducing the effort and costs of conducting an experiment. Second, for reasons not yet entirely clear at the time of writing, the epistemological standards for conducting experiments in behavioral psychology were substantially lowered during the 1970s. In the 1950s experiments of Savage, Edwards, Luce, Coombs, and others probabilities had to be unambiguously clear to the subject, for instance by actually throwing a dice in front of the subject. Pay-offs had to be real, be it money, cigarettes or candy. Experiments had to be conducted in a room devoid of distractions. From the 1970s onwards, however, questionnaires with hypothetical pay-offs filled out by conference participants in between sessions, were proof enough for such outlets as Science and Psychological Review. Both elements contributed to the finding of systematic and predictable biases by Kahneman, Tversky and others. Less control and using – in all likelihood – less-motivated subjects, more easily led to the conclusion of systematic and predictable biases.

Till Grüne-Yanoff, Stockholm:
Boost vs. Nudge – a Historical Perspective on Two Types of Behavioral Interventions
Evidence-based behavioral interventions have recently become an important policy tool of many governments. However, it remains largely unexplained whether these interventions belong to one or many types – despite that fact that this categorization has important consequences both for the effectiveness as well as the normative acceptability of these interventions. In an earlier article (Grüne-Yanoff & Hertwig 2015), we distinguish between boosts and nudges as two such types, and defend this distinction against the claim that boosts are a kind of nudges (Sunstein 2016, Bar-Gill & Sunstein 2015). In short, the difference is that nudges aim directly at behavior optimization, while boosts seek longer-term improvements of decision-making competences.
In this paper I examine this distinction in the context of the historical development of the behavioral sciences. It is widely acknowledged that this development did not proceed continuously, but went through various theoretical and conceptual ruptures (see, for example, Sent 2005). In particularly, I will focus on the development of the concept of heuristics. Introduced by Herbert Simon from computer science into psychology, it was to explain how people make decisions in situations of high complexity or low informational density. My hypothesis is that the conceptual differences – for example the different notion of heuristics found in Simon & Newell on the one hand and Kahneman & Tversky on the other (cf. Chow 2014) – have a direct influence on what types of intervention on human behavior (especially: nudges or boosts) the authors deemed possible or necessary. I will argue for this thesis firstly with statements these authors made about the causal mechanisms of these heuristics, which imply that only one type of intervention may be effective. Secondly, I will also investigate direct expressions of these authors on possible intervention types. I will conclude that the distinction between boosts and nudges can be detected already in this earlier phase of the behavioral sciences – it has just been concealed by the recent prominence of the nudge approach.
Bar-Gill, Oren and Cass R. Sunstein. 2015. Regulation as delegation. Journal of Legal Analysis 7 (1). DOI: 10.1093 / jla / lav005
Chow, Sheldon J. (2014): Many Meanings of ‚Heuristic‘. The British Journal for the Philosophy of Science: 1-40.
Grüne-Yanoff, Till & Hertwig, R. Nudge versus boost: how coherent are policy and theory? Minds and Machines. Published online 2015; DOI 10.1007 / s11023-015-9367-9.
Sent, E. M., 2005. Behavioral economics: how psychology made its (limited) way back into economics. History of Political Economy, 36 (4), pp.735-760.
Sunstein, Cass R. (2016). The Ethical State. Cambridge University Press. In press.

Rüdiger Graf, Potsdam:
Fields of Behavioral Economics and the Practice of Their Regulation in the Last Third of the 20th Century
The paper scrutinizes the causes of the rise of behavioral economics as an academic sub-discipline since the 1980s, concentrating mainly on the relationship between the development of behavioral economic theories and the practices of regulating behavior. It starts with the hypothesis that the processes of deregulation and marketization caused a new demand for the regulation of behavior. Contrary to the conceptions of a “neoliberal governmentality”, on markets individuals did not act according to the standards set by the model of the homo economicus. Describing the heuristics and biases because of which people behaved only as boundedly rational actors, behavioral economists promised to make this behavior governable. Behavioral economics, thus, was no alternative to the control fantasies of a “Cold War rationality”, but rather their advancement under new circumstances. Having established this, drawing on the empirical fields in which behavioral economists developed their theories, the second part of the paper will try to assess how innovative the suggestions for regulation were that behavioral economists out forward. In contrast to the protagonists’ claims to novelty and innovation, I will argue that behavioral economics was part of a broader trend to base techniques of regulation on knowledge that the behavioral sciences offered.

Holger Straßheim, Berlin:
„Nudging Ourselves, and Each Other, to Happier Lives“. The Global Rise of Behavioural Expertise and Politics
Over the past decade, we can observe the global spread of behavioural change approaches in public policy. Behavioural teams and ‘nudging’ networks such as the Behavioural Insights Team in the UK or the “iNudgeyou” network in Denmark have been established in order to facilitate the application and dissemination of findings from behavioural economics, behavioural science, neurosciences and psychology across different areas of public policy. Behavioural instruments have been applied to diverse policy areas such as consumer protection, food safety, climate change, employment, health, pensions, charitable giving or crime prevention. So far, only few studies focus on the inter- and transnational spread of behavioural governance. Covering diverse policy areas, the paper presents first assumptions about the global rise and the regulatory influence of behavioural expertise. It is being argued that behavioural experts are able to combine both political as well as epistemic authority. Behavioural expertise gains regulatory power by (1) spreading and institutionalizing networks of behavioural expertise, (2) by combining experimental evidence and political practicability in randomized control trials and (3) by mobilizing a discourse on ‘libertarian paternalism’. Earlier indicators of progress in terms of growth or welfare are at least partly replaced by measurements of ‘happiness’. This discourse realigns the temporal horizons of policy making by providing an explanation for failures in the past and by reimagining the relationship between citizens and the state for the future. The paper thus analyzes both the social and temporal dimension of the global rise of behavioural expertise and politics.

Jakob Tanner, Zürich:
Increasing Family Resemblance? Behavioral Economics as a Challenge for History
Since the late 1970s, modern social history was challenged by new approaches. The history of everyday life and micro-history moved the research focus away from the analysis of big structures and processes in a longue durée towards the description of practices, rituals, and meanings in narrower contexts. The focus riveted on actors and their agency. The category of Eigensinn (strong-mindedness or self-will) was used to describe the forms of resistance against governmental rationality. The concept of a moral economy changed the perception of markets and economic competition. In about the same period, the economic sciences were seized by a silent revolution under the paradigm of behavior. The rollback of the standard model of the homo economicus was accompanied by the decline of formerly dominating choice-theories and maximization theorems. The assumption that human behavior was shaped by a bounded rationality urged to take into account different cultural conditions of human action. Anomalies, heuristics, and biases moved into the centre of the analytical attention.
The paper, which will argue primarily from a history of science perspective, raises the question of whether there is a family resemblance between behavioral economics and the historical sciences or not. Are there cognitive synergies between a historically sensitive concept of practices (or habits, as used in historical anthropology) and the notion of behavior in economics? Are there analogies in the assumptions that practices (or behavior) are both boundedly rational and restricted? And, if so, how can this be explained, if we take into consideration that there was nearly no interdisciplinarity and the concepts of empirical research and narrative strategies diverged widely in the two fields of research?