Die Abstracts der Sektionen wurden aktualisiert |
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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren. |
Nuntius Orsenigo und der Zwang zum schnellen Statement. Von der vorteilhaften Wirkung vollständig edierter Quellencorpora für die Urteilskraft des Historikers
Referent/in: Thomas Brechenmacher
Das Urteil der Historiker über den Nachfolger Eugenio Pacellis im Amt des Apostolischen Nuntius in Berlin, Cesare Orsenigo, fällt selten positiv aus. Allerdings lag bisher eine nur fragmentarische Quellenbasis vor: Orsenigos Berichte an das vatikanische Staatssekretariat zwischen 1930 und 1945, die Kernstücke seiner Arbeit als Nuntius, waren verschlossen. Durch die Öffnung des Vatikanischen Geheimarchivs für die Zeit des Pontifikates Pius' XI. (1922-1939) ist dieses Korpus nun jedoch zum ersten Mal - vorerst bis zum Frühjahr 1939- vollständig zugänglich.
Orsenigos Berichte aus Berlin, einschließlich der Anweisungen des Staatssekretriats an ihn, dokumentieren das Ende der Weimarer Republik und die Geschichte der nationalsozialistischen Diktatur aus dem Blickwinkel der spezifischen Interessen und Wahrnehmungen kurialer Diplomatie. Aber nicht nur die Themen mit unmittelbarem Kirchenbezug sondern auch die großen allgemeinpolitischen Fragen der Zeit erörtert Orsenigo ausgiebig. Dabei wechseln sich treffende und unzutreffende Urteile, wahre und falsche Einschätzungen stets ab. Ohne die Berichterstattung Orsenigos ausführlich zu berücksichtigen, wird zukünftig ein fundiertes Urteil über die Politik des Heiligen Stuhls dem nationalsozialistischen Deutschland gegenüber nicht möglich sein. Entscheidend wird dabei die Erkenntnis werden, wie stark die Einschätzungen des Geschehens, vor allem anfangs, variierten und wie langsam sich eine zutreffende Diagnose des Nationalsozialismus bei den führenden Akteuren im Vatikan erst herausbildete.
Die Bedeutung der Berichte Orsenigos rechtfertigt und verlangt eine kritisch kommentierte Edition, und zwar nicht in Auszügen, sondern als Volledition. Denn erst die Kenntnisnahme des Ganzen kann eine selektive Rezeption verhindern. Eine digitale Edition, die alle Texte im italienischen Original zur Verfügung stellt und ein weites Spektrum an Abfrage- und Recherchemöglichkeiten bietet, entspricht diesem Erfordernis in zeitgemäßer Weise. Das Referat stellt die digitale Edition der Nuntiaturberichte Orsenigos vor, deren erstes Teilstück, der Jahrgang 1933 – basierend auf einer von den DHIs in Rom und London eigens entwickelten Software – demnächst frei geschaltet werden wird.