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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
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Sektionen am 3. Okt.

Vortragstitel:
Wirklichkeit und Wahrnehmung: das Reich aus der Sicht Urbans VIII.
Tag:
03.10.2008
Epoche:
Epochenübergreifende Sektion
Sektion:
Bleibt im Vatikanischen Geheimarchiv vieles zu geheim? Historische Grundlagenforschung

Abstract:

Wirklichkeit und Wahrnehmung: das Reich aus der Sicht Urbans VIII.

Referent/in: Silvano Giordano


Der im Archivio Segreto Vaticano überlieferte Schriftwechsel zwischen dem römischen Staatssekretariat und den Nuntien zählt zu den umfassendsten und bedeutendsten Quellenbeständen für die Erforschung der internationalen Beziehungen in der Frühen Neuzeit. Das DHI in Rom wertet seit seiner Gründung dieses Material aus, dessen Quellenwert für politische wie konfessionelle, aber auch sozial- und kulturgeschichtliche Fragestellungen unbestritten ist. Zuletzt trat dabei die Textsorte der zu Beginn einer Mission ausgefertigten Hauptinstruktionen und die darin enthaltenen programmatischen Äußerungen und Zielsetzungen der Kurie verstärkt in den Vordergrund unter Berücksichtigung aller Missionen eines bestimmten Pontifikats. Gerade auf der Grundlage dieser beiden Quellengattungen (Hauptinstruktionen, Nuntiaturberichte) lassen sich die unterschiedlichen Perspektiven herausarbeiten, unter denen sich Rom und Deutschland in der Zeitspanne von der Reformation bis zum Westfälischen Frieden begegnet sind. Die Alpenkette, deren Pässe Mitteleuropa und die Appeninhalbinsel einst verbanden, wurde mit der Konsolidierung der konfessionellen Spaltungen zu einer trennenden Barriere zwischen zwei unvereinbar erscheinenden Welten. In Rom machte man sich kein genaues Bild von Deutschland. Nur wenige Deutsche hielten sich fortwährend am päpstlichen Hof auf; selbst der Kaiser unterhielt keine ständige Gesandtschaft in Rom, sondern ließ seine Interessen von Angehörigen des lokalen Adels vertreten. Aufgrund des konfessionellen Blickwinkels zielte die päpstliche Politik auf die Wiederherstellung der religiösen Einheit des Reiches unter der Führung eines katholischen Monarchen, was die traditionellen, auf dem komplexen Verhältnis zwischen dem Kaiser und den verschiedenen Reichsständen beruhenden Mechanismen beeinträchtigte. Die Entfremdung, die sich mit der Zeit hinsichtlich einiger wichtiger Aspekte wie der Beziehungen zwischen den Konfessionen und der Beurteilung des deutschen Katholizismus vertiefte, erreichte um 1650 ihren Höhepunkt, als der Heilige Stuhl sich weigerte, die Protestanten als Gesprächspartner anzuerkennen; tatsächlich verbaute er sich auf diese Weise den Weg, die Verhältnisse im Reich nachhaltig zu beeinflussen.