Lina Schröder, Alexander Denzler, Niels Petersen (Sektionsleitung)

Machtgrenzen? Die Rolle von Geofaktoren im Kontext innerregionaler Kommunikation (11.–19. Jahrhundert)

Themen: Epochenübergreifend, Wirtschaftsgeschichte, Sozialgeschichte
Sprache: Deutsch
Ort: Schlosskirche
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Die Sektion untersucht am Beispiel unterschiedlicher Geofaktoren und Räume den Zusammenhang von Natur und Macht in der vorindustriellen Zeit. Unter „Geofaktoren“ werden z. B. die Bodenbeschaffenheit, das Regionalklima, Flora und Fauna bzw. die Existenz spezifischer Formationen wie Flüsse, Seen, Meere, Moore, Wälder, Gebirge, Wüste etc. verstanden. Im weiteren Sinn gehören auch Ressourcen wie Holz und Bodenvorkommen etc. dazu. Es handelt sich um lokale bzw. regionale Gegebenheiten, die sich seit jeher unmittelbar auf die innerregionale Kommunikation auswirkten und dennoch bisher von der landes- und regionalhistorischen Forschung in ihrer Breite zu wenig Beachtung gefunden haben. 

„Innerregionale Kommunikation“ bezeichnet hier jegliche Art von ökonomischem, administrativem, kulturellem oder organisatorischem Austausch, der eine Region zu etwas „Eigenem“, zu einer eigenen Raumeinheit mittlerer Größe formt. Der von unterschiedlichen Akteuren getragene Austausch stand dabei stets unter dem unmittelbaren Einfluss von Geofaktoren. Die Sektion geht nun der Frage nach, inwieweit naturgeographische Gegebenheiten das kommunikative Handeln beeinflussten oder gar – nachhaltig? – formten. Geofaktoren konnten, so die These, dazu führen, dass die „innerregionale Kommunikation“ und damit auch die Zirkulation von Macht eingeschränkt oder unterbrochen wurde, sie konnten also zu „Grenzen der Macht“ geraten – und dennoch zugleich (neue) Machthorizonte eröffnen.  

Unter der Leitfrage „Die Formung von Räumen durch Geofaktoren – (k)eine Machtfrage?“ wird epochenübergreifend anhand verschiedener regionaler Beispiele und Geofaktoren das Zusammenwirken von Akteuren und Geofaktoren fokussiert. Es wird diskutiert, was „Macht“ hier konkret bedeutet, wie sie sich hier gegebenenfalls von „Herrschaft“ unterscheidet und was dies am Ende für die innerregionale Kommunikation heißt. Mit Blick auf die gemeinsame Diskussion (35 Minuten) ist die Zuhörerschaft eingeladen, eigene Forschungsbeispiele zur Diskussion zu stellen. 

Das Zusammenspiel von Natur und Macht in vorindustrieller Zeit wird mithin anhand dreier Zugriffe (jeweils 15 Minuten) untersucht, um jeweils unterschiedliche Zeiträume, naturgeographische Faktoren, regionale Räume und Stränge innerregionaler Kommunikation zu fokussieren. 

Machtgrenze ‚Berg‘? Wirtschaftliche und herrschaftliche Kommunikation im mittelalterlichen Kahlgrund rund um den Hahnenkamm
Lina Schröder (Würzburg)

Nach Einführung durch Sabine Ullmann (10 Minuten) zeigt Lina Schröder anhand der Wirtschafts- und Burgenpolitik, inwieweit ein Berg ökonomische und politische Machtzirkulation gestaltete. Beim Kahlgrund handelte es sich im Untersuchungszeitraum (11.–15. Jahrhundert) um eine fränkisch-wetterauische Schnittstelle. Hier trafen lokale Akteure mit dem Mainzer Erzbischof, dem König sowie weiteren Adligen beider Regionen aufeinander. Die Rolle des Hahnenkamms ist dabei ambivalent: Zum einen handelt es sich um ein verbindendes, zum anderen um ein den Kahlgrund trennendes Element.

Macht durch Straßen? Verkehrsinfrastruktur und Mensch-Tier-Natur Beziehungen im 16. Jahrhundert
Alexander Denzler (Eichstätt-Ingolstadt)

Der Beitrag von Alexander Denzler diskutiert die naturgeographischen und soziopolitischen Abhängigkeiten der interregionalen Kommunikation und Mobilität. Gerade in pluralen Herrschaftsgebieten wie dem frühneuzeitlichen Franken war es notwendig, organisatorische und politische Maßnahmen zu implementieren, um die gebaute Umwelt unter Nutzung von Tieren (Transport) zu erhalten. Besonders deutlich tritt dabei die Rolle von Geofaktoren wie Bodenuntergrund, Flüssen und natürlichen Ressourcen hervor. Wege und Straßen verdichteten sich zu einem multiskalaren Straßenraum, der Macht beförderte und zugleich limitierte. 

Das Ringen mit dem dynamischen Raum, oder: Wo ein Meer ist, ist auch ein Weg. Bremens Zugang zum Meer im 18. und 19. Jahrhundert
Niels Petersen (Göttingen)

Niels Petersen beleuchtet die Herausforderungen, denen Seehäfen gegenüberstanden, die fast immer hinter Landzungen, am Ende von Förden oder an den Unterläufen von Flüssen lagen. Der freie Zugang zum Meer bildete den Kern städtischer Machtinteressen, der beständig politisch, rechtlich und baulich durchgesetzt und gesichert werden musste. Dabei stellte der dynamische Geofaktor Fluss die Gesellschaften vor besondere Herausforderungen, deren Lösungen in der Konstituierung eines ganz eigenen Raumes resultierten. 

Moderation
Sabine Ullmann (Eichstätt-Ingolstadt)

Die abschließende Diskussion (35 Minuten) moderiert Sabine Ullmann unter der Leitfrage ‚Die Formung von Räumen durch Geofaktoren – (k)eine Machtfrage?‘. 

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