Die Abstracts der Sektionen wurden aktualisiert |
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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren. |
Technologiepfade, Innovationskultur und Spitzentechnik - Die langsame Entfaltung der neuen Biotechnologie in der Bundesrepublik Deutschland
Referent/in: Thomas Wieland, München
Die Bundesrepublik Deutschland gilt als Spätstarter in der neuen Biotechnologie. Trotz einer Vielzahl staatlicher Förderinitiativen, die bereits Ende der 1960er Jahre einsetzten, dauerte es bis zur Mitte der 1990er Jahre, bis sich hier eine Biotech-Industrie zu entwickeln begann. Die neuere Innovationsforschung hat eine Reihe struktureller Probleme identifiziert, die dieses Phänomen zu erklären helfen. Dazu zählen beispielsweise ein als besonders bürokratisch empfundenes Gentechnikgesetz sowie das Fehlen eines Risikokapitalmarktes für Unternehmensgründungen. Von historischer Seite wurde zudem auf die Pfadabhängigkeit der deutschen Chemieindustrie verwiesen, die über Jahrzehnte ganz auf den Technologiepfad der organischen Synthese setzte – unter Verdrängung biotechnologischer Alternativen. Wenig Aufmerksamkeit schenkte die Forschung bislang der science base der neuen Biotechnologie. Stillschweigend wurde angenommen, dass die bundesdeutsche Molekularbiologie prinzipiell dazu geeignet wäre, eine heimische Biotech-Industrie zu unterstützen.
Der Vortrag möchte diese stillschweigende Annahme hinterfragen, indem er die Wissenschaftskultur der bundesdeutschen Molekularbiologie zu Beginn der 1980er Jahre ins Zentrum rückt. Mein Argument ist, dass von einigen Ausnahmen abgesehen die molekularbiologische community in der Bundesrepublik nur sehr langsam eine Kultur entwickelte, die den Herausforderungen der neuen Biotechnologie gewachsen war. Das soll an zwei Aspekten verdeutlicht werden: zum einen an der Verbreitung gentechnischer Expertise unter den Molekularbiologen und zum anderen an deren Haltung gegenüber anwendungsorientierter Forschung.