Die Abstracts der Sektionen wurden aktualisiert |
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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren. |
Die Entwicklung der Pauschalreise zum Massenkonsumgut und die soziale Demokratisierung des Reisens nach 1945
Referent/in: Christopher Kopper, Bielefeld
Das Bedürfnis nach Reisen war keine anthropologische Konstante, sondern musste erst durch Erhöhung des verfügbaren Einkommens, durch Werbung und durch günstige Preise geweckt werden, ehe es durch Gewöhnung und durch soziale Normen habitualisiert wurde. Über die großen Reiseveranstalter hielt das fordistische Produktionsmodell Einzug in den Tourismus. Es leistete einen erheblichen Beitrag bei der Popularisierung der Urlaubsreise unter sozialen Gruppen, deren Reiselust bislang durch gesellschaftliche Konventionen gebremst wurde.
Die Pauschalreise förderte die Verbreitung eines neuen Urlaubertyps, der vor allem in den neuen nichtakademischen Mittelschichten angesiedelt war. Reiseveranstalter griffen die legitimen Konsumbedürfnisse von Urlaubern auf, die neben der Abwechslung vom Alltag vor allem Spaß und sinnliche Stimulanz anstelle von Bildungserlebnissen und reflektierten Fremdheitserfahrungen suchten. Eine bewusste Distanzierung von den kollektivistischen Urlaubsformen des „Dritten Reiches“ und der DDR half, negative Assoziationen mit Gruppenzwang und Massenveranstaltungen zu überwinden. Der Erfolg der Pauschalreise war auch damit zu erklären, dass die angestrebte Ähnlichkeit mit der Individualreise erreicht wurde.
Mit der (massen)touristischen Entwicklung neuer Reiseziele setzten die großen Reiseveranstalter eine Distinktionsspirale in Gang. Diese förderte die touristische Entdeckung neuer Reiseziele durch eine Elite, der mit gewissem Abstand auch die Massenveranstalter folgten. Der Homogenisierungsprozess zwang die Veranstalter, sich durch die Erschließung neuer Ziele und Urlaubsformen zu profilieren und neue Trends im Reiseverhalten aufzunehmen..