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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren. |
Sind Aborigines Australier? Indigene, Geschichtswissenschaft und Nation in Australien nach 1945
Referent/in: Ewald Frie, Trier
Während der ersten Hälfte des 20. Jh. hatten die Aborigines als eine dem Untergang geweihte "Rasse" gegolten. In der zweiten Hälfte des 20. Jh.s wurden sie, parallel zur Lösung der Australier aus dem British Empire, zu den "First Australians", deren Insignien die junge australische Nation für ihre Selbstdarstellung nutzte.
Die australische Geschichtswissenschaft spielte im Nationswerdungsprozess wie im Prozess der Aneignung der Geschichte der Aborigines eine zentrale Rolle. Der australische Archäologe John Mulvaney wies Anfang der 1960er Jahre nach, dass die Indigenen schon mehrere zehntausend Jahren in Australien ansässig gewesen waren. "We added 30,000 years to human time in Australia", erinnerte er sich. Die Archäologie habe den Aborigines und den Australiern überhaupt eine neue Würde gegeben.
Doch die Aneignung hatte ihren Preis. Mulvaney musste sich mit Forderungen der Indigenen auseinandersetzen, heilige Orte zu respektieren und Museumsgut herauszugeben. Historiker sahen sich mit Mythen und Träumen konfrontiert, die als gleichwertig mit universitären Wissenschaftsproduktionen gelten sollten. Aborigines-Politiker forderten "ihr" Land zurück. Waren also Aborigines wirklich Australier? Konnten sich Australier "Aboriginality" zu Eigen machen?
Im australischen Fall der Identifizierung eines "bedrohten Volkes" fielen "erste" und "dritte Welt" räumlich und - jedenfalls der Absicht nach - auch identifikatorisch zusammen. Das bedrohte Volk war nicht nur das Andere, sondern sollte auch Teil des Selbst werden - jedenfalls war dies ein Ziel nationaler Selbstbeschreibungen, die an die Stelle von "White Australia" treten sollten.