Die Abstracts der Sektionen wurden aktualisiert |
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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren. |
Isis – Aphrodite – Arsinoe: Zur machtpolitischen Bedeutung eines mythologischen Komplexes
Referent/in: Sitta von Reden
Die religiöse Auseinandersetzung der Griechen mit dem ägyptischen Pantheon begann nicht erst mit Alexanders Feldzügen. Griechenland blickte auf einen langen und einflußreichen Dialog mit der ägyptischen Priesterschaft zurück, in dem das Verhältnis der griechischen und ägyptischen Religion ein zentrales Thema war. Herodot argumentierte, daß die Griechen fast alles über die Götter von den Ägyptern, nicht die Ägypter von den Griechen gelernt hätten. Vor diesem Hintergrund bedeutete die Eroberung des Landes, die mit der Bestätigung Alexanders als Sohn Amuns zeremoniell besiegelt wurde, eine Stellungnahme in einem mythisch-politischen Diskurs, in den sich Alexander als Horus-Dionysos von vorne herein eingliederte. Der in der Forschung immer wieder betonte, aber doch schwerverständliche griechisch-ägyptische Synkretismus, der sich in der Literatur von Herodot bis Diodor und ebenso in konkreten Darstellungsformen der ptolemäischen Herrschaft wiederfindet, stellt sich so als spannungsreicher Raum dar, in dem das Verhältnis zweier Kulturen mythologisch und visuell verarbeitet wurde. Wesentlich in der hellenistischen Gegenwart war dabei die auf Integration und Harmonisierung angelegte Vereinnahmung indigener Götter und Mythologien, in der Verwandtschafts- und Abstammungsverhältnisse auf mythologischer Ebene die proklamierte Rolle der neuen Herrschaft widerspiegeln sollte. -- Mythos als Verhandlungsfeld politisch konstituierter Ungleichheiten ist das Thema dieses Vortrags. Am Beispiel des Isis-Aphrodite/Hera-Arsinoe Komplexes soll untersucht werden, wie über die Identifikation der Fremdherrscher mit mythischen Gestalten (hier Arsinoe, der Schwestergemahlin Ptolemaios II, mit Isis) ein Herrschaftsszenario imaginiert wird, das mit der realen Exklusivität der ptolemäischen Machtzentren (Militär und Hof) wenig gemeinsam hatte. Dabei erscheint die mythische Imagination keineswegs ausschließlich zentral kontrolliert. Antworten darauf finden sich in lokalen Kulten und Weihinschriften selbst über die Grenzen Ägyptens hinaus ebenso wie in der Weiterentwicklung ägyptischer Mythologien, die von Diodor einem griechisch-römischen Publikum noch während der griechischen Okkupation als rein ägyptisch vorgestellt werden. Umgekehrt ist die theologisch-mythologische Angleichung keineswegs total. Gerade in der Trennung griechischer und ägyptischer religiöser Sphären einerseits und ihrer Verschmelzung im Herrscherkult andererseits zeigt sich die staatstragende Funktion von Gleichheitsdiskursen. Amalgamation erscheint hier als konsensfähiges Vehikel für inneren Frieden nicht aber als ein Versuch, Ungleichheiten zu überwinden.