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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
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Vortragstitel:
Korruption und Moderne: eine feste Beziehung
Tag:
02.10.2008
Epoche:
Epochenübergreifende Sektion
Sektion:
Politische Korruption in historischer Perspektive: westeuropäische Erfahrungen vom 15. bis 20. Jhd.

Abstract:

Korruption und Moderne: eine feste Beziehung

Referent/in: Jens Ivo Engels

Der Vortrag stellt die ersten Ergebnisse eines Forschungsprojekts zur Geschichte der Korruption im langen 19. Jahrhundert im westeuropäischen Vergleich vor. Er fußt auf der Beobachtung, dass der Korruption und ihrer Bekämpfung in modernen Gesellschaften eine zentrale Bedeutung zukommt und sich anhand dieses Themas fundamentale Prozesse der Moderne untersuchen lassen.
Im Zentrum des Beitrags stehen zwei Fragen:

  1. Welche Gründe erklären die zunehmende Unbedingtheit des Korruptionsverbots?
  2. Was bedeutete dies für die kritisierten Praktiken und wie veränderten sie sich?

Konkret gehe ich von folgenden Prozessen moderner Gesellschaften aus, die sich im Bereich der Korruption und ihrer Bekämpfung niederschlugen:

  • Reflexion über den Modernisierungsprozess: Die Ablehnung von „korrupten“ Praktiken war ein Distinktionsmerkmal zu vergangenen und „unzivilisierten“ Gesellschaften; in Korruptionsdebatten legte sich eine Gesellschaft Rechenschaft über ihre „Modernität“ ab.
  • Normalisierung: Die Ersetzung konkurrierender legitimer Normensysteme (partikulares Interesse vs. Gemeinwohl) durch ein einziges legitimes System (Gemeinwohlinteresse verbietet Korruption) ist Teil der Bemühungen in modernen Gesellschaften, eindeutige und alternativlose Kategorien für die Beschreibung der Wirklichkeit zu entwickeln.
  • Unvollkommene Differenzierung: Aufgrund der zunehmenden Differenzierung von Handlungsbereichen stieg die Notwendigkeit von Mechanismen, die ein Überschreiten der Grenzen ermöglichten. Verflechtungspraktiken sind Versuche, dies zu tun; ihre Verurteilung als „Korruption“ hingegen diente der Aufrechterhaltung des Differenzierungsgebots.
  • Verflüssigung der Verflechtung: Viel spricht dafür, dass „moderne“ Verflechtungspraktiken kurzfristigeren Zielen dienten und stärker auf Geldbasis beruhten als diejenigen der Frühen Neuzeit. Dies erschwerte ihre Legitimation, erhöhte eventuell aber ihre Effektivität.