Die Abstracts der Sektionen wurden aktualisiert |
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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren. |
Korruption und Normenkonkurrenz in der Diplomatie der Frühen Neuzeit
Referent/in: Hillard von Thiessen
Korruptionsverdacht gegen Gesandte ist in der Frühen Neuzeit ein häufiges Phänomen. Der Schluss, dass als Korruption bewertbare Praktiken einen systemimmanenten Teil frühneuzeitlicher Diplomatie darstellten, liegt nahe. Ausgehend von der These, dass die politische Kultur der Frühen Neuzeit durch Normenkonkurrenz geprägt war, soll der Handlungsrahmen der Gesandten in Rollenkonflikten ausgelotet werden. Einerseits hatte der Diplomat Treue zu seinem Herrn zu wahren, ihn im Zeremoniell abzubilden und in Verhandlungen zu vertreten. Andererseits war allen Beteiligten klar, dass Gesandte zahlreiche Beziehungsstränge zu Personen in ihrem Herkunftsland wie an ihrem Dienstort unterhielten. Da soziale Beziehungen noch im 17. Jahrhundert als reziproke Verpflichtungsverhältnisse realisiert wurden, gingen die Gesandten Verpflichtungen im Sinne des do ut des ein. Gesandte standen damit selbst gegenüber dem Fürsten im Gastland und seinen Funktionsträgern in Verpflichtungsbeziehungen, die in Konkurrenz zum Dienst für ihren Herrn treten konnten. Doch waren diese Beziehungen nicht per se korrupt, sondern auch Teil der in Instruktionen ausformulierten Dienstpflichten: Sie dienten der Informationsbeschaffung und Pflege der „guten Korrespondenz“ am Dienstort. Weiterhin wurde von den Gesandten geradezu erwartet, sich zu bereichern bzw. ihren Verwandten und Klienten Ressourcen zukommen zu lassen, da ihr offizielles Salär in der Regel nicht ausreichend war. Im Vortrag soll die Grenze zwischen erlaubtem Sozialverhalten und als korrupt konnotierten Praktiken ausgelotet und nach Anlass und Funktion von Korruptionsvorwürfen ebenso gefragt werden wie nach der Kontrolle der Gesandten durch ihren Dienstherrn.