Die Abstracts der Sektionen wurden aktualisiert |
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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren. |
Narrative Ungleichheiten. Heiden und Christen, Helden und Heilige im mittelhochdeutschen ‚Rolandslied‘ und in der altfranzösischen ‚Chanson de Roland‘
Refernt/in: Stephanie Seidl
Das ‚Rolandslied des Pfaffen Konrad‘, eine wohl um 1170 entstandene mhd. Adaptation der afr. ‚Chanson de Roland‘, thematisiert den Kriegszug Karls des Großen gegen das islamische Spanien im Jahr 778. Dabei erzählt der Text vor dem Hintergrund dieses Konfliktes eine Geschichte von Rache und Verrat, in Folge derer der eigentliche Protagonist, Karls Neffe Roland, im Kampf gegen die spanischen ‚Sarazenen‘ stirbt. Zugriffsmöglichkeiten für eine literaturwissenschaftliche Analyse kultureller Integrations- wie Desintegrationsprozesse bietet das ‚Rolandslied‘ dabei auf zwei Ebenen, die je unterschiedlich das Moment des ‚Ungleichen‘, des kulturell wie religiös Anderen oder Fremden narrativ verhandeln: So steht einerseits die Auseinandersetzung zwischen christlicher und islamischer Kultur im Mittelpunkt, welche, da erzähltechnisch als Konfrontation ‚asymmetrischer Gegenbegriffe‘ (Koselleck) – ‚vortreffliche Christen‘ vs. ‚teuflische Heiden‘ – angelegt, von vorneherein jegliche Integrationsbewegung ausschließen und in den militärischen Sieg des christlichen Heeres münden muss. Andererseits lassen sich jedoch auch in der Darstellung der christlichen Kämpfer selbst antagonistische Figuren-Entwürfe nachvollziehen: Karls Kreuzritter sind gewalttätige Helden und märtyrerhafte Heilige zugleich; in ihnen werden somit divergente kulturelle Leitbilder (und ihre jeweiligen literaturanthropologischen Implikationen) narrativ integriert. Der Vortrag will diese beiden Aspekte narrativer Integrations- und Desintegrationsleistungen anhand ausgewählter Textausschnitte gerade bezüglich ihrer Schnittflächen und Abhängigkeitsverhältnisse fokussieren, welche den Status des ‚Rolandsliedes‘ als literarische Entfaltung eines kulturellen Problemkomplexes, der Kreuzzugslegitimation, entscheidend prägt.