Die Abstracts der Sektionen wurden aktualisiert |
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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren. |
„Komische Behinderungen“ im Übergang von der Renaissance zur Neuzeit
Referent/in: Claudia Gottwald, Dortmund
Seit der Antike wird über körperliche und kognitive Abweichungen gelacht – zeitweise galt dies sogar als Inbegriff des Komischen (z.B. bei Aristoteles und Cicero). In diesem Lachen wurde – dies ist die These des Beitrags – Behinderung als komisches Phänomen produziert und damit kulturell hergestellt. Gleichzeitig wurden über diese kulturellen Konstruktionen soziale Rollen zugewiesen (z.B. die der Hofnarren im Mittelalter) und gesellschaftliche Umgangsweisen legitimiert (z.B. das Verspotten). In der Renaissance war es (noch) salonfähig, über körperliche Behinderungen, wie z.B. Blindheit, Buckel oder Kröpfe zu lachen – die Erscheinungsformen der komischen Herstellung von Behinderung waren dabei vielfältig: Es gab Schwänke, Anekdoten und Facietien, aber auch Karikaturen und satirische Gedichte sowie Aufzeichnungen und Berichte über das Lachen in sozialen Situationen. Im Übergang der Renaissance zur Aufklärung bzw. zur Neuzeit zeigte sich erstmals ein Bruch: Zunehmend reflektierten u.a. Philosophen das Lachen über Behinderung kritisch und bewerteten es moralisch negativ. Zum ersten Mal kamen zu dieser Zeit aber auch Menschen mit Behinderung selbst in den Diskursen zu Wort. Diese Verschiebungen und Brüche, ihre philosophischen, ethischen und moraltheologischen Begründungen, ihre sozialen Umstände und Folgen sollen näher beleuchtet und herausgearbeitet werden. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Frage, wie Behinderungen in der komischen Darstellung bzw. deren Ablehnung hergestellt bzw. umgewertet wurden.