Die Abstracts der Sektionen wurden aktualisiert |
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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren. |
Konstruktionen von „Behinderung“ in der Öffentlichkeitsarbeit und Spendenwerbung der Aktion Sorgenkind/Aktion Mensch seit 1964
Referent/in: Gabriele Lingelbach, Freiburg
Der Vortrag beschäftigt sich mit einer Institution, die wie kaum eine andere das bundesrepublikanische öffentliche Bild von und den gesellschaftlichen Umgang mit Behinderung geprägt hat: der Aktion Sorgenkind (heute: Aktion Mensch). Die Initiative entstand im Zusammenhang mit dem sogenannten Contergan-Skandal und entwickelte sich bald zu einer der bedeutendsten Wohltätigkeitslotterien und Spendenorganisationen in der Bundesrepublik. Da die Aktion Sorgenkind vom ZDF organisatorisch begleitet wurde, hatte sie einen privilegierten Zugang zu den Medien und damit einen kaum zu überschätzenden Einfluss auf den bundesrepublikanischen Diskurs zum Thema „Behinderung“: Seit 1964 wurde die Aktion Sorgenkind in der Quizsendung „Vergissmeinnicht“ vorgestellt, seit 1974 auf dem sehr erfolgreichen Sendeplatz „Der große Preis“ mit Wim Thoelke. In diesen Sendungen, aber auch in den Printmedien, über Werbeprospekte und Plakate wurde offensiv (und stark bildbasiert) um die Teilnahme an der Lotterie und zusätzlich um Spenden geworben. Im Verlauf der Jahrzehnte machte dabei die Darstellung von Behinderung in der Öffentlichkeitsarbeit und Spendenwerbung der Organisation eine Entwicklung durch. Ihre Vorschläge hinsichtlich des gesellschaftlichen Umgangs mit Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen änderten sich, es wurden im Zeitverlauf neue Formen des Miteinanders von Menschen mit und ohne Behinderungen propagiert. Insgesamt fand ein Lernprozess hinsichtlich der Konstruktion von Behinderung in ihrer Abgrenzung von Nicht-Behinderung statt. Allerdings bestand durchgängig ein Zielkonflikt zwischen den wertbasierten und auch aufklärungsorientierten Zielsetzungen der Aktion einerseits und dem Ziel, möglichst hohe Spenden- und Lotterieerlöse zu erwirtschaften andererseits.