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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
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Vortragstitel:
Nationalsozialistische Körperpolitik und der Körper des Behinderten...
Tag:
01.10.2008
Epoche:
Epochenübergreifende Sektion
Sektion:
Dis/ability in History – Behinderung in der Geschichte: Soziale Ungleichheit revisited

Abstract:

Nationalsozialistische Körperpolitik und der Körper des Behinderten: Zwischen ideologischer Unvereinbarkeit und praktischer Kooperation

Referent/in: Bernd Wedemeyer-Kolwe, Göttingen

Gemeinhin gilt die Zeit des Nationalsozialismus als Epoche, in der man mit allen Mitteln die „Heranzüchtung kerngesunder Körper“ betrieb. In den Schulen, in der Hitlerjugend, in der Deutschen Arbeitsfront, in der Wehrmacht und in der SS: Überall wurde der Sport intensiviert und der perfekte völkische Körper konstruiert. „Arische“ Körper waren das sichtbare Symbol für die Überlegenheit des nationalsozialistischen Staates. Der Nationalsozialismus gilt als Periode der Ausgrenzung und Ermordung von körperlich und geistig „imperfekten“ Menschen. Etwa 400.000 Menschen wurden zwangssterilisiert; dem NS-Krankenmord fielen schätzungsweise ca. 100.000 bis 275.000 Personen zum Opfer. Dennoch gab es verschiedene Gruppen von Menschen mit Behinderungen, die in NS-Organisationen eingegliedert wurden. Ihre körperliche „Aufrüstung“ zählte dabei zu den grundlegenden NS-Fördermaßnahmen. Leibesübungen wurden in den gleichgeschalteten Institutionen für Menschen mit Behinderungen zu einem bedeutenden Erziehungsmittel. Im Mittelpunkt des Vortrags stehen die Umsetzung und Motive der NS-Körperkonzepte für Menschen mit Behinderungen sowie die Reaktion und Kooperation der Betroffenen. Wie wurden gerade im NS-Behindertensport „imperfekte“ Körper geformt und sozialisiert? Bot die NS-Sportpolitik Handlungsspielräume und Nischen für Menschen mit Behinderungen oder war sie lediglich ein rigides Mittel einer Rehabilitations- und Aussonderungsmethodik? Das Thema „Behindertensport“ fand in der Disability History und auch in der Sportgeschichte bislang kaum Beachtung. Der Vortrag versteht sich als ein erster Baustein zur Erforschung dieses vernachlässigten Gebietes.