Die Abstracts der Sektionen wurden aktualisiert |
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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren. |
Der Vagabund im psychiatrischen Blick: Nichtsesshaftigkeit als pathologisches Symptom
Referent/in: Beate Althammer, Trier
Der Vagabund war während Jahrhunderten eine Marginalitätsfigur, in der sich vieles zu verdichten schien, was den gesellschaftlichen Normen widersprach. Das in den Schriften von ‚Experten' gezeichnete Bild war von erstaunlicher Kontinuität und hatte auch im ausgehenden 19. Jahrhundert seine Aktualität nicht verloren. Allerdings wurde es insofern uneindeutiger, als der Vagabund nicht mehr einfach als Fremder definiert und abgeschoben werden konnte, sondern als Inländer anerkannt werden musste. Um die Wende zum 20. Jahrhundert unterstützte das Einfließen medizinisch-psychiatrischer Deutungsmuster eine neue Konturierung des Vagabundenbildes. Psychische Defekte schienen nun die maßgebliche Ursache von notorischer Bettelei und Landstreicherei, von Unstetigkeit und Heimatlosigkeit zu sein. Durch diese Pathologisierung des Vagabunden radikalisierte sich die Zuschreibung von Ungleichheit, die nun tief in die biologische Konstitution eingeschrieben schien. Im Kontext des entstehenden Sozialstaats bot sie ein wissenschaftlich begründetes Unterscheidungskriterium zwischen den ‚Vollwertigen', die in die neuen Leistungssysteme zu inkludieren, und den ‚Minderwertigen', die möglichst dauerhaft aus dem öffentlichen Leben zu eliminieren waren. Es waren im wesentlichen zwei Psychiater, Karl Bonhoeffer und Karl Wilmanns, die, in Anknüpfung an den breiteren kriminologischen Diskurs, dieses neue ‚Wissen' über den Vagabunden produzierten und es für Praktiker in Arbeitshäusern, Armen- und Wandererfürsorge verfügbar machten. In diesem Beitrag sollen ihre empirischen Studien sowie deren Rezeption vorgestellt werden