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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
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Vortragstitel:
‚Zigeuner’ und Juden: Grenzfiguren mehrheitsgesellschaftlicher Selbstkonstruktion
Tag:
03.10.2008
Epoche:
Epochenübergreifende Sektion
Sektion:
Grenzziehungen und Ausgrenzungen in neuzeitlichen Gesellschaften (16. bis frühes 20. Jahrhundert)

Abstract:

‚Zigeuner’ und Juden: Grenzfiguren mehrheitsgesellschaftlicher Selbstkonstruktion

Referent/in: Iulia-Karin Patrut, Trier

Man kann beobachten, dass während des 19. Jahrhunderts in zunehmend spezialisierten Wissenschaftszweigen auf den ersten Blick in sich widersprüchliche Diskurse über Juden und ‚Zigeuner' aufkommen, die hauptsächlich darin übereinstimmen, dass beide Gruppen als innergesellschaftliche Fremde einen Marginalitätsstatus inne haben. So wird etwa in der Ethnographie von weitläufig mit den Deutschen verwandten, ‚arischen Zigeunern' gesprochen, die jedoch aufgrund ihrer angeblichen Primitivität gleichzeitig als different markiert werden. Zur gleichen Zeit gelten ‚Zigeuner' in der Kriminologie als potentiell gefährliche ‚asoziale Fremde' und ‚Anti-Bürger'. ‚Zigeuner' wurden, ebenso wie die Juden, zur Projektionsfläche in Prozessen mehrheitsgesellschaftlicher Selbstkonstruktion - ob als Fluchtpunkt kollektiver Sehnsüchte oder als Gegenbilder zentraler Identifikationskategorien wie Bürgerlichkeit oder Nation. Der Vortrag fragt vor diesem Hintergrund nach den konkreten (teils ähnlichen, teils komplementären) Funktionen, die Juden und ‚Zigeunern' im Kontext der mehrheitsgesellschaftlichen Selbstkonstruktion als ‚bürgerliche Gesellschaft' und ‚Nation' zukamen. Als Ausgangspunkt dient die symbolträchtige Figur der Wurzellosigkeit, die stereotypen Konstruktionen von Juden (‚ewiger Jude', ‚Wanderjude') und ‚Zigeunern' (‚Wanderzigeuner') gemeinsam ist. Das Symbol der Wurzellosigkeit legitimiert zum einen Nicht-Zugehörigkeit, schreibt zugleich aber auch Nicht-Sesshaftigkeit und damit die fehlende Verortbarkeit in der modernen Gesellschaft fest. Untersucht werden deutschsprachige ethnographische und anthropologische Texte (Dohm, Biester, Grellmann, Liszt, Wlislocki) sowie literarische Repräsentationen