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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
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Vortragstitel:
Die Kollaboration der Renault-Werke hinsichtlich deutscher Rüstungsinteressen
Tag:
01.10.2008
Epoche:
Neuere/Neueste Geschichte
Sektion:
Ungleiche Wirtschaftsinteressen

Abstract:

Die Kollaboration der Renault-Werke hinsichtlich deutscher Rüstungsinteressen

Referent/in: Patrick Fridenson, Paris

 

1. Der Erforschung des Falls Renault litt bisher darunter, dass sie – ausgehend von dem Buch von Robert Aron (1975) – zu isoliert behandelt wurde. Stattdessen sollte sie in die Geschichte der französischen Automobilindustrie zwischen 1940 und 1944 eingebettet werden. Dann kann der Historiker erkennen, dass sich im 16. Juli 1940 auf deutsche Anfrage die Gesamtheit der französischen Hersteller bereit erklärt, die Produktion im besetzten Frankreich wieder aufzunehmen. Man erfährt, dass im September 1944 alle französischen Automobilhersteller inhaftiert werden, obwohl die Haft meist nur von kurzer Dauer bleibt. Oder man sieht, dass die Bestrebungen zur Säuberung nach der Befreiung alle Unternehmen betreffen und eine gewisse Zeit anhalten.

2. Eine Neuevaluierung muss ferner auf die Rolle des Organisationskomitees der Automobilindustrie, geleitet von François Lehideux, der aus dem Haus Renault ausschied, und die zuständige Abteilung des Industrieministeriums eingehen. Die Unternehmer behalten ihre freie Entscheidungsgewalt. Doch verfügen sie nicht mehr über die kollektive Autonomie, die ihnen vorher ihre Arbeitgebervereinigung eröffnet hat. Daraus rührt der Kampf des Unternehmens Renault gegen das Organisationskomitee und insbesondere den Fusionsplan mit Citroën. Dieser Plan stößt 1941 auf die Ablehnung beider Unternehmen, die ihn gemeinsam zum Scheitern bringen. Gleichwohl gelingt 1941/42 der Eintritt in die Zukunft der europäischen Automobilindustrie.

3. Folgende Punkte unterscheiden Renault von seinen Konkurrenten: a) der Umstand, dass das Unternehmen – anders als zumindest anfangs Citroën und Simca – nicht bei seiner Kernkompetenz, dem Automobilbau, verbleiben darf, b) die Tatsache, dass es ein über Frankreich verstreutes Produktionssystem verfügt (Le Mans, Billancourt, Hagondange, Saint-Michel de Maurienne), c) der von Juni bis September 1940 anhaltende Leitungskonflikt auf der obersten Geschäftsführungsebene, d) die permanent virulente Frage um die Nachfolge des erkrankten Louis Renault, die sich vor allem bezüglich der Anpassungsstrategie an die deutschen Verlagerungsaufträge auswirkt (bei gleichzeitiger Aufsicht von Daimler-Benz), e) der Umstand, dass die Renaultwerke mehr als andere von den Alliierten bombardiert werden, f) die fortwährende Verschlechterung der Beziehungen mit den obersten Verwaltungsinstanzen.

4. Finanziell war die Besatzungszeit für Renault wie für andere Automobilkonstrukteure relativ rentabel. Jedoch werden das Handelsnetz und der Produktionsapparat blutleer, die internationale Einbindung verschlechtert sich und die Belegschaft wird trotz der Einrichtung eines „Sozialkomitees“ zerrüttet.

5. Drei Zukunftsentwürfe tauchen innerhalb des Betriebes auf: a) Die Direktion bereitet sich auf eine industrielle Zukunft vor (Entwurf neuer Modelle trotz Problemen bei der Auswahl, neue Maschinenausstattung usw.) – Sie verbindet sich aber nicht wie einige andere Betriebe mit der Résistance und setzt sich auch nicht ins Ausland ab. b) Ein Teil des Personals (Ingenieure und leitende Angestellte, Meister und Arbeiter) bereiten den nationalen Wiederaufbau sowie eine soziale Erneuerung vor. c) Die Kollaboration aus Überzeugung oder aus Vernunftgründen bleibt in der Minderheit. Dementsprechend können ab September 1944 die sozialen Beziehungen und der Neuaufbau des Unternehmens angegangen werden.