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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
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Vortragstitel:
„Die schraffierten Armeen“. Visualisierungsstrategien in der europäischen Wehrkraftdebatte 1900-1914
Tag:
03.10.2008
Epoche:
Neuere/Neueste Geschichte
Sektion:
Visualisierungen der Ungleichheit. Repräsentationen und Wandel von demografisch-statistischem Wissen

Abstract:

„Die schraffierten Armeen“. Visualisierungsstrategien in der europäischen Wehrkraftdebatte 1900-1914

Referent/in: Heinrich Hartmann, Berlin

Eins der zentralen Anliegen ethnologischer und anthropologischer Forschung ab der Mitte des 19. Jahrhunderts war es, „Nationalitäten im Raum zu entwerfen“ (M. Labbé). Differenz in politischer, sprachlicher, kultureller, aber auch in rassischer Hinsicht sichtbar zu machen, sollte unter anderem durch zahlreiche Neuentwürfe der europäischen Landkarten, ihrer Grenzziehungen und damit verbunden der Konstruktion von ethnischen Beziehungsgeflechten in Europa gelingen. Um im Sinne neuer positivistischer Wissenschaftsmethoden auf geeignetes Datenmaterial zurückgreifen zu können, fokusierten die Anthropologen um 1900 zunehmend auf die Ergebnisse der militärischen Musterungen. Hiermit, so das Ziel, könne die rassische Kategorisierung der europäischen Räume in Form von Karten und Atlanten überzeugend dargestellt werden.
Durch ihr Datenmaterial – die jungen Rekruten – waren diese Bilddiskurse aber ihrerseits verknüpft mit politisierten Fragen von Wehrkraft und –politik, von nationaler Stärke und Schwäche. Die militärischen Logiken von Militäranthropologen und –medizinern avancierten zu wichtigen Determinanten der Rassenkunde im frühen 20. Jahrhundert.
Im Beitrag werden die Verknüpfungen von demografischen und militärischen Wissensbeständen unter den neuen Vorzeichen einer rassistischen Anthropologie an dargestellt. Eine deutsche und eine italienische Karte des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts spiegeln dabei die unterschiedlichen Interessen der wissenschaftlichen Akteure, aber auch die Sehgewohnheiten der vermuteten Betrachter wider. Dabei werden die determinierende Rolle des verwendeten Datenmaterials und die Verknüpfung von militärischen und politischen Logiken mit wissenschaftlichem Interesse in der Konstruktion visueller Differenzierungsmuster problematisiert.