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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
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Vortragstitel:
Neue Wege zu einer Kulturgeschichte der Politik. Ehre, Treue und Vertrauen als Kategorien sozialer..
Tag:
03.10.2008
Epoche:
Neuere/Neueste Geschichte
Sektion:
Vergessene Kategorien sozialer Integration: Ehre, Treue und Vertrauen

Abstract:

Neue Wege zu einer Kulturgeschichte der Politik. Ehre, Treue und Vertrauen als Kategorien sozialer Integration

Referent/in: Gunilla Budde, Oldenburg

Die Klage über fehlende Integrationsfiguren in der Politik ist nicht neu. Spätestens seit mit der Revolution von 1848 eine „Fundamentalpolitisierung“ einsetzte, begann die Suche nach Politikerpersönlichkeiten, die in der Lage waren, über alle Klassengrenzen hinweg Zustimmung zu erzeugen. Namentlich in Krisensituationen schien der Bedarf danach weiter zu wachsen. Ein Jahr nach dem Ersten Weltkrieg entwarf Max Weber sein Bild des „idealen“ Politikers, den „Leidenschaft – Verantwortungsgefühl – Augenmaß“ auszeichnen sollte und dessen „Ehre“ auf der „ausschließlichen Eigenverantwortung“ für sein Tun aufruhte. Rund zehn Jahre später, im Mai 1927, war in der „Weltbühne“ ein Artikel über den Kieler Sozialistenkongress zu lesen, der in seinem enttäuschten Tenor frappierend an aktuelle Parteitage erinnert. Der Autor, Carl von Ossietzky, beschwor darin wehmütig eine Szene seiner Kindheit herauf, in der er an der Seite seines Stiefvaters einen „auf einer Welle von Vertrauen“ getragenen Auftritt des alten August Bebel erlebt hatte. Die Suche nach der Politikerpersönlichkeit, die ein Ensemble von konsensfähigen „Tugenden“ und Verhaltensmaßstäben in sich vereint und damit integrativ wirkt hat demnach eine lange Geschichte.
Dass diese „Tugenden“ im Laufe der Geschichte durchaus wechselten, einige langfristig aus der Mode kamen, andere aktualisiert wurden, lässt sich mit Blick auf die Bedeutung von „Ehre, Treue und Vertrauen“ exemplarisch zeigen. In der Historisierung solcher „Gefühlshaltungen“ (Ute Frevert), in denen sich emotionale und rationale Elemente vermengten, liegt die Chance für einen „neuen“ Zugang zur Politikgeschichte jenseits der großen „Haupt- und Staatsaktionen“, wie er in dem Beitrag skizziert werden soll. Dabei stellt sich einerseits die Frage, wie die Erwartungen an die Politiker sich wandelten, und andererseits, wie die Politiker selbst auf diese Erwartungen reagierten bzw. sie selbst mit evozierten und sie instrumentalisierten. Dabei scheinen weniger politische Systeme (man denke etwa an die gefühlsschwangere Rhetorik der beiden deutschen Diktaturen des 20. Jahrhunderts) als situative Momente entscheidend gewesen zu sein, inwieweit bestimmte Gefühlshaltungen als opportun galten. Nicht zuletzt mit dem Vordringen von Frauen in die männlich konnotierte Welt der Politik dürften sich die Koordinaten entscheidend verschoben haben.