Die Abstracts der Sektionen wurden aktualisiert

Berichte und Bilder finden Sie in unserem Blog

Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
header600_200_programm.jpg

Vortragstitel:
Wandel der Erinnerung und erinnerter Wandel. Konversionserzählungen ehemaliger Kriegsgefangener
Tag:
03.10.2008
Epoche:
Geschichtsmethodik/-theorie
Sektion:
Vergangenheitsnarrative – Narrations of the Past

Abstract:

Wandel der Erinnerung und erinnerter Wandel. Konversionserzählungen ehemaliger Kriegsgefangener

Referent/in: Christiane Winkler, London

Anhand der Erinnerungen des ostdeutschen Journalisten Bernt von Kügelgen, „Die Nacht der Entscheidung“, untersucht Christiane Winkler (University College London) ein durch die Geschichte der DDR hindurch bestehendes narratives Muster: die antifaschistische Konversionserzählung ehemaliger Kriegsgefangener des Zweiten Weltkriegs. Bernt von Kügelgens autobiographisches Buch, das 1983 in der DDR und 1984 in der Bundesrepublik publiziert wurde, erzählt von der eigenen antifaschistischen Konversion in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Mit dem Konversionstopos greift Bernt von Kügelgen ein Narrativ auf, das als Teil der antifaschistischen Gründungserzählung das politische Selbstverständnis der DDR als antifaschistischer Staat unterstreicht. Auch die zeitgenössischen Reaktionen auf von Kügelgens Buch waren geprägt durch die vorherrschenden Deutungen der Vergangenheit in Ost und West: Während „Die Nacht der Entscheidung“ in der DDR gelobt wurde, waren die Reaktionen aus Westdeutschland zurückhaltend bis deutlich ablehnend, insbesondere aus von Kügelgens eigener Familie. Die antifaschistische Konversionserzählung ist jedoch nicht nur eine Erzählung vom Wandel, sie ist selbst dem historischen Wandel unterworfen: Dies lässt sich anhand der Selbstzeugnisse von Kügelgens aus den Jahren nach der Wiedervereinigung zeigen, in denen Überlegungen zu einer Reformulierung seiner Erinnerungen enthalten sind.