Die Abstracts der Sektionen wurden aktualisiert |
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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren. |
Schutzjuden als Minderheit vor Gericht in der Frühen Neuzeit
Referent/in: Sabine Ullmann, Eichstätt
Die politisch-rechtliche Fragmentierung im frühneuzeitlichen Reich führte bei dieser Gruppe zu besonders komplexen Rechtsverhältnissen: Neben ihrer internen Rabbinatgerichtsbarkeit unterstanden die Juden auch den verschiedensten territorialen und dörflichen Gerichten ihrer jeweiligen Schutzherren. Über all dem fungierte der Kaiser als oberster Schutzherr, was sich in einer intensiven Beanspruchung der beiden Reichsgerichte zur Durchsetzung ihrer Rechtsansprüche niederschlug. Diesem hohen Grad an Verrechtlichung jüdischer Existenz standen langtradierte Stereotype gegenüber, die den theologisch begründeten Minderstatus mit dem Makel der Ehrlosigkeit verknüpften.
Der Vortrag geht der Frage nach, wie diese ambivalente Stellung auf die Praxis der dörflichen Niedergerichte in Schwaben Einfluss genommen hat. Auf der einen Seite haben die Dorfgerichte den bestehenden Ungleichheiten zwischen Juden und Christen entgegengewirkt, weil vielfach eine Schutzpolitik derjenigen Obrigkeiten griff, die vom Judenregal profitierten und um den Erhalt des innerdörflichen Friedens bemüht waren. Auf der anderen Seite wurden über das Dorfgericht Stereotype zwischen Juden und Christen jeweils aktualisiert und bestätigt – sowohl im Hinblick auf religiöse Konfliktfelder (Verletzung der christlichen Sonntagsheiligung) als auch in Bezug auf Anfeindungen gegen die jüdische Handelstätigkeit (Betrugsvorwurf, Hehlereidelikt). Der Vortrag versucht diese widersprüchlichen Befunde bzgl. der Funktionsweisen dörflicher Justiz zu diskutieren und zu gewichten.