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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
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Sektionen am 3. Okt.

Vortragstitel:
Wende oder friedliche Revolution? Ungleiche Deutungen einer historischen Zäsur
Tag:
01.10.2008
Epoche:
Zeitgeschichte
Sektion:
Ungleichheiten im ostdeutschen Transitionsprozess 1989/90

Abstract:

Wende oder friedliche Revolution? Ungleiche Deutungen einer historischen Zäsur

Referent/in: Mark R. Thompson / Matthias Damm, Erlangen-Nürnberg

Auch nach fast 20 Jahren ist die Debatte um den Charakter der Ereignisse des Herbstes 1989 immer noch im vollen Gange. Die Tatsache, dass sich für den Sturz der SED-Diktatur eher der Begriff »Wende« als »Friedliche Revolution« durchgesetzt zu haben scheint, mag darauf zurückzuführen sein, dass unter einer Revolution gemeinhin ein gewalttätiges Ereignis verstanden wird -- ein Bild, dem das Geschehen in Leipzig, Berlin und Dresden nicht entspricht.
Betrachtet man das Ende des europäischen Kommunismus in vergleichender Perspektive, wird man dem Geschehen das Prädikat »revolutionär« aber nur schwerlich vorenthalten können:
Der Umbruch stellt vielmehr ein Beispiel für einen neuen Typ von »demokratischen Revolutionen« dar, welche sich gerade durch ihre Gewaltlosigkeit auszeichnen.
Angesichts dessen ist es allerdings erstaunlich, dass der gewaltlose Charakter des Revolutionsherbstes bislang nur wenig thematisiert wurde. Es kann aber keineswegs als selbstverständlich angesehen werden, dass ein von einer breiten Volksbewegung getragener Umsturz einer Diktatur ohne Blutvergießen endete.
Dabei muss nicht nur erklärt werden, warum das Regime nicht den Weg einer »chinesischen Lösung ging«, auch dass es auf Seiten der Demonstranten fast nie zu Gewalt kam, war nicht selbstverständlich. Eine Analyse der Ereignisse zeigt, dass in vielen Situationen eine Eskalation unmittelbar bevorstand -- etwa während der »Schlacht um den Dresdner Hauptbahnhof« Anfang Oktober 1989.
Erst das richtige Handeln der Akteure in vielen Situationen verhinderte Eskalationen. Zu den erstaunlichsten Erkenntnissen gehört, dass die Akteure der Demonstrationsbewegung zwar strategisch, aber dennoch spontan handelten. Die Spontaneität der »friedlichen Revolution« scheint letztlich ein Schlüssel für ihren Erfolg gewesen zu sein.