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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
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Sektionen am 3. Okt.

Vortragstitel:
Herrscher- und Dynastiekult in ägyptischer Perspektive
Tag:
02.10.2008
Epoche:
Alte Geschichte
Sektion:
Politisch-kulturelle Ungleichheiten im Spannungsverhältnis zwischen ‚Orient’ und ‚Okzident’

Abstract:

Herrscher- und Dynastiekult in ägyptischer Perspektive

Referent/in: Stefan Pfeiffer

Durch die multiethnische Gesellschaft Ägyptens verliefen tiefe Gräben, wobei häufig die einheimischen Ägypter gegenüber den sich als „Griechen“ bezeichnenden Fremden verschiedenster Herkunft benachteiligt waren. Diese sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten konnten bis zu Aufständen der Indigenen führen. Die Stiftung von Identität und die Gewinnung von Loyalität war den Ptolemäern also neben der faktischen militärischen Herrschaft ein Gebot der Stunde. Hierzu gehörte erstens die Einbindung des Fremdherrschers in die Symbolsysteme ägyptischen Pharaonentums: Auf zahllosen Reliefs ägyptischer Tempel erscheint der fremde Pharao beim Opfer vor den (Tier-)Göttern des Landes. Die Tempel erhielten größte finanzielle Unterstützung und die Tierkulte des Landes eine nie gekannte administrative Förderung. Ein wesentliches Mittel der Überwindung der Gräben war zweitens der Kult für den lebenden Herrscher. Der Vortrag vollzieht einen Wechsel der Perspektive von der griechischen auf die ägyptische Seite und nimmt die einheimische Priesterschaft in den Blick. Die Priester gelten in der Forschung nämlich häufig als den Fremdherrschern gegenüber feindlich eingestellt, man sieht eine „Glut des Hasses“ (Huß) hinter einer ptolemäerfreundlichen Fassade glimmen; andere hingegen betrachten die Priester gerade im Gegenteil als „Hellenizer“ (Bagnall) der indigenen Bevölkerung. Fest steht, daß die Priester auf gemeinägyptischen Priestersynoden verschiedene Formen der kultischen Verehrung der ptolemäischen Könige und Königinnen beschlossen. Ägyptische Priester waren es also, die den vom Königshaus organisierten Herrscher- und Dynastiekult in die ägyptischen Tempel übernahmen.
Zunächst ist zu untersuchen, auf welche Weise die Priester den fremden Kult für den lebenden König vollzogen haben. Was übernahmen sie vom griechischen Vorbild und wie integrierten sie das Fremde des Kultes in ihre Rituale. Ziel wird es sein, zu fragen, welche Funktion die ägyptischen Priester, oder richtiger, bedeutende Kreise innerhalb der ägyptischen Priesterschaft innehatten, wenn es darum ging, die Göttlichkeit des lebenden Herrscherpaares an die Bevölkerung zu vermitteln Ebenfalls ist zu fragen, wie bzw. ob dies auf Seiten der Untertanen, seien es nun die Priester selbst oder auch Nichtpriester, angenommen wurde.