Die Abstracts der Sektionen wurden aktualisiert |
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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren. |
Zur Struktur der transatlantischen Beziehungen in der westdeutschen Volkswirtschaftslehre nach dem Zweiten Weltkrieg
Referent/in: Jan-Otmar Hesse, Frankfurt am Main / Göttingen
Die Remigration aus dem vorwiegend amerikanischen, englischen oder türkischen Exil in die westdeutsche Volkswirtschaftslehre (hier verstanden als Universitätsprofessuren mit der Bezeichnung Wirtschaftliche Staatswissenschaften, Nationalökonomie oder Volkswirtschaftslehre bzw. entsprechenden Komposita) hatte keine nennenswerte Bedeutung. Diese geringe Bedeutung der Remigration steht in einem auffällig paradoxen Verhältnis zum intellekturellen Transfer, der die Volkswirtschaftslehre beinahe überragend prägte. Das Fach wurde auf der Grundlage der Wirtschaftstheorie, die im angelsächsischen Sprachraum unter der Bezeichnung „neoklassische Synthese" vorherrschend war, regelrecht neu konzipiert. Im Ergebnis führte diese Entwicklung zur Abkopplung der soziologischen und juristischen Aspekte der Volkswirtschaftslehre und zu einer Annäherung an die Betriebswirtschaftslehre. Dieser Vorgang lässt sich bis in die institutionelle Strukturveränderung einzelner Universitäten nachvollziehen.
Der Vortrag führte die paradoxe Gleichzeitigkeit von ausbleibender Remigration und fast vorauseilender Rezeption auf die Existenz von zahlreichen „Enkelschüler"-Verhältnissen zurück, die sich zwischen der älteren Generation der Emigranten und der nach 1945 wissenschaftlich sozialisierten Gründergeneration der westdeutschen Volkswirtschaftslehre herausbildete, unter Umgehung einer „Zwischengeneration" von in die NS-Wissenschaft Verstrickten. Es wurden unterschiedliche Beispiele für die Existenz und die Bedeutung derartiger personeller Netzwerke gegeben und ihre Funktionsweise anhand dieser Beispiele verallgemeinert.