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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
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Sektionen am 3. Okt.

Vortragstitel:
Remigration, Wissenschaftswandlung, Wissenstransfer – Grundsätzliche Überlegungen
Tag:
03.10.2008
Epoche:
Geschichtsmethodik/-theorie
Sektion:
Chancen und Grenzen von Remigration und Fach-Transfer in deutschen Geistes- und Sozialwissenschaften

Abstract:

Remigration, Wissenschaftswandlung, Wissenstransfer – Grundsätzliche Überlegungen

Referent/in: Mitchell G. Ash, Wien

In seinen Erinnerungen zieht Carl Zuckmayer zum Thema Exil und Rückkehr folgendes, zunächst traurig stimmendes Fazit: „Die Fahrt ins Exil ist ‚the journey of no return'. Wer sie antritt und von der Heimkehr träumt, ist verloren. Er mag wiederkehren, zu Menschen, die er entbehren musste, zu Stätten, die er liebte und nicht vergaß, in den Bereich der Sprache, die seine eigene ist. Aber er kehrt niemals heim". Diese Aussage bezieht sich in erster Linie auf das Leben und Empfinden der Emigranten und Emigrantinnen selbst. Dieses Empfinden ist zu respektieren, doch dabei stehen zu bleiben führt zu keiner Erklärung des Verhaltens, der Motivation oder der Rezeption der Remigranten oder ihrer Ideen. Konnten oder wollten sie sich überhaupt zur Rückkehr entschließen, so mussten sie sich eigentlich auf einen Neuanfang einlassen, zumal die wenigsten von ihnen an die Orte ihres vorherigen Wirkens zurückkamen. Folglich handelte es sich bei den Kontinuitäten, die sich trotzdem ereignet haben mögen, um nichts Selbstverständliches, sondern um hart erarbeitete Konstruktionen. Im Zentrum des Beitrags steht daher die Frage danach, ob diese Feststellung auch für wissenschaftliche Ideen und Praktiken gilt.

Im Beitrag geht es um eine erste Übersicht der bislang vorliegenden Forschungsergebnisse im Hinblick auf eine noch zu leistende, umfassende Betrachtung der Remigration und ihrer Folgen speziell - aber nicht nur! - in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Bemerkenswerte Einzelstudien zum Thema sind in den letzten zwei Jahrzehnten vorgelegt worden; gleichwohl steht die Arbeit an dieser Thematik in vielerlei Hinsicht noch immer am Anfang. Daher werden hier statt zusammenfassender Thesen in erster Linie Fragestellungen formuliert. Zunächst werden die Dimensionen der Rückkehr besprochen und die große Varianzbreite dieser Dimensionen nach Disziplinen, Generationen und anderen Aspekten aufgezeigt. Dann werden anhand ausgewählter Beispiele die Faktoren und Selektionsmechanismen thematisiert, die eine Entscheidung zur Rückkehr ermöglicht oder behindert haben.

Anschließend werden die unterschiedlichen Vermittlungswege geschildert, über die bestimmte Wissenschaftspraktiken und -inhalte aus den so genannten „Aufnahmeländern" der Emigration in die deutschsprachigen Länder nach 1945 eingeführt wurden. Hier ist zu betonen, dass oft unreflektiert angenommene, allzu lineare Vorstellungen aus dem Export-Import-Geschäft (Stichwort: „Reimport") keinesfalls dazu geeignet sind, die Wissenschaftswandlungen, um die es hier geht, adäquat zu beschreiben. Vielmehr handelt es sich vielfach um Ideen und Praktiken, die erst infolge der Emigration entstanden sind und die im Zuge ihrer Rezeption in unterschiedlichen Kontexten in den deutschen Ländern nochmals einer Wandlung unterzogen wurden. Die Frage danach, inwiefern die RemigrantInnen selbst im Rahmen dieser vielschichtigen Vermittlungsprozesse eine zentrale Rolle spielten, wird abschließend gestellt.