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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
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Sektionen am 3. Okt.

Vortragstitel:
Langzeitarbeitslosigkeit als Schicksal und politisches Problem.
Tag:
03.10.2008
Epoche:
Zeitgeschichte
Sektion:
Die Krise der Arbeitsgesellschaft 1973 bis 1989

Abstract:

Langzeitarbeitslosigkeit als Schicksal und politisches Problem. Die Bundesrepublik Deutschland und Italien im Vergleich

Referent/in: Thomas Schlemmer

In der Bundesrepublik wuchs wie in Italien die Zahl der Langzeitarbeitslosen seit den siebziger Jahren kontinuierlich, wobei Italien erheblich stärker betroffen war. Die Ursachen dafür differierten: In der Bundesrepublik schlugen die Folgen des allgemeinen ökonomischen Strukturwandels stärker zu Buche, während in Italien endogene Krisenfaktoren eine größere Rolle spielten. Dementsprechend trug die Langzeitarbeitslosigkeit in beiden Ländern eine andere Signatur. Wenn nördlich der Alpen vor allem ältere Arbeiter in Fertigungsberufen Gefahr liefen, dauerhaft arbeitslos zu werden, waren auf der Apennin-Halbinsel hauptsächlich junge Berufseinsteiger und sonstige Erwerbssuchende ohne vorhergehende Beschäftigung betroffen; die eigentlichen Opfer der Strukturkrise wurden von einer Lohnersatzkasse aufgefangen. Langzeitarbeitslosigkeit war zwar in beiden Ländern ein Motor sozialer Ungleichheit, aber zumindest in Italien nicht unbedingt ein Motor der Armut. Daran änderte auch ein System sozialer Sicherung nichts, das bestimmte Gruppen privilegierte, andere jedoch marginalisierte und auf Netzwerke jenseits des Staates verwies. Die bevorzugte Behandlung verheirateter männlicher (Industrie-)Arbeiter auf der einen und die Privatisierung des Risikos Langzeitarbeitslosigkeit für junge Berufseinsteiger und verheiratete Frauen nahm viel Druck von der italienischen Politik. In Westdeutschland stand die Bundesregierung stärker in der Pflicht, hatte sie doch den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit zu einem Maßstab für den Erfolg ihrer Arbeit erhoben. Die Flexibilisierung des Arbeitsmarkts erschien in den achtziger Jahren dabei hier wie dort als ein Weg zum Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit, in Italien ließen die politischen Strukturen bis zum Ende des Jahrzehnts jedoch nur erste Schritte zu. Die Langzeitarbeitslosen konnten die Entscheidungen kaum beeinflussen. Proteste verebbten zumeist rasch, und wo es zu organisatorischen Zusammenschlüssen kam, so standen diese in der Regel auf tönernen Füßen. Der Diskurs über die Langzeitarbeitslosigkeit fand weitgehend ohne die Betroffenen statt.