Die Abstracts der Sektionen wurden aktualisiert |
|
|
Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren. |
Politische Gleichheit/Ungleichheit in der klassischen und hellenistischen Polis
Referent/in: Christian Mann, Frankfurt am Main
Im Rahmen der Debatte, ob die hellenistischen Poleis Demokratien waren oder nicht, ist es eine zentrale Frage, welche Demokratien oder Demokratiemodelle die Meßlatten bilden. Eine Übersicht über die jüngeren Forschungen zeigt, daß nicht moderne Verfassungen oder politische Theorien herangezogen wurden, als Bezugspunkt diente vielmehr das klassische Athen – die Frage nach der Demokratie im Hellenismus ist damit auch eine Frage nach der Epochengrenze Klassik/Hellenismus. Vor diesem Hintergrund erscheint es lohnend, die bislang (auch aufgrund der unterschiedlichen Quellensituation) weitgehend isoliert geführten Debatten zur klassischen und hellenistischen Demokratie besser zu vernetzen. Kern der klassischen athenischen Demokratie war, bei gleichzeitiger Akzeptanz von Ungleichheit auf ökonomischer und sozialer Ebene, das radikale Streben nach politischer Gleichheit: Zahlreiche Institutionen und Verfahren sollten eine möglichst gleichmäßige Partizipation aller Bürger sichern und die Verfestigung von Machtpositionen einzelner oder kleiner Gruppen verhindern. In den hellenistischen Poleis ist eine Kontinuität demokratischer Institutionen sichtbar, gleichzeitig aber eine wachsende Bereitschaft, den Vorrang der reichen, vornehmen Familien im öffentlichen Raum der Polis sichtbar zu machen; diese schlägt sich in einer veränderten politischen Sprache und in einer Zunahme von Ehrungen nieder. Die Bewertung der hellenistischen Polis (Demokratie?) hängt ganz wesentlich davon ab, welche Bedeutung man diesen Veränderungen zumißt.