Die Abstracts der Sektionen wurden aktualisiert |
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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren. |
“‘Levelling Up’”: Amerikanische „Modernisierungspolitik“ in der Dritten Welt am Beispiel der Rockefeller und der Ford Foundation
Referent/in: Corinna R. Unger, Washington
1953 hieß es in einem Memorandum der Ford Foundation über die Situation in Asien und dem Nahen Osten: “Democracy is on trial in an area where up to now economic well-being exists only potentially and the revolutionary temper still rules politically. […] If democracy should fail, […] communism will be immeasurably and perhaps decisively strengthened and a third world war made virtually inescapable.” Angesichts dieser empfundenen Bedrohung schien es vielen amerikanischen Beobachtern unumgänglich, die Anfälligkeit der betroffenen Regionen für den Kommunismus zu mindern, und dies hieß in erster Linie, die dortige Armut zu beheben und den Lebensstandard zu erhöhen.
Während die Vertreter des Ostblocks die krassen wirtschaftlichen Ungleichheiten zwischen der „Ersten“ und der „Dritten Welt“ mit der Doktrin des “levelling down” zu beantworten suchten, lautete das amerikanische Konzept “levelling up, based upon a hope of improvement plus actual performance sufficient to sustain the hope”, wie Dean Rusk, der Präsident der Rockefeller Foundation und spätere US-Außenminister, 1953 formulierte. Wenn erst einmal ein bestimmtes Maß an individuellem Wohlstand und eine bestimmte Rate wirtschaftlichen Wachstums erreicht seien, verliere der Kommunismus seine Attraktivität, so die Überzeugung, die bald von der sozialwissenschaftlichen Modernisierungstheorie gestützt wurde. Der wirtschaftliche Aufschwung werde die „Entwicklungsländer“ außerdem ermutigen, ihre überkommenen sozioökonomischen und kulturellen Praktiken abzulegen und sich zu „modernisieren“. Es sei folglich nur eine Frage der Zeit, bis aus den ehemaligen Kolonien parlamentarisch-kapitalistische Nationalstaaten nach westlichem Vorbild geworden seien. Um diesen Prozess zu befördern, initiierten und finanzierten Stiftungen wie die Rockefeller und die Ford Foundation „Modernisierungsprojekte“ in Asien, Afrika und Lateinamerika. Ihre Tätigkeit gibt Aufschluss darüber, wie sich philanthropisches Engagement, wissenschaftliche Theorie und politische Praxis im Kontext der Dekolonisation und des Kalten Krieges miteinander verbanden.