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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
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Sektionen am 3. Okt.

Vortragstitel:
Treue – Über den Funktionswandel des politischen Treuediskurses nach dem Untergang des Kaiserreichs
Tag:
03.10.2008
Epoche:
Neuere/Neueste Geschichte
Sektion:
Vergessene Kategorien sozialer Integration: Ehre, Treue und Vertrauen

Abstract:

Treue – Über den Funktionswandel des politischen Treuediskurses nach dem Untergang des Kaiserreichs

Referent/in: Nikolaus Buschmann, Tübingen

„Treue“ als eine politische Tugend zu begreifen, erscheint im Zeitalter des Verfassungsstaates anachronistisch. Dennoch weist der Begriff im öffentlichen Sprachgebrauch des 19. und 20. Jahrhunderts eine erstaunliche Präsenz auf. Während das „System der Treue“ (Paolo Prodi) als herrschaftsbegründende Institution durch den Konstitutionalismus in der Tat verabschiedet wurde, ist die Rede von der Treue ein durchaus modernes Phänomen, das keineswegs nur im konservativen Spektrum zu verorten ist.
Die Durchsicht der Quellen zeigt, dass der Treuebegriff vor allem dann Konjunktur hatte, wenn Krisenerfahrungen das Bedürfnis nach moralischer Orientierung nährten. Das hat einen nachvollziehbaren Grund: Die in der Treue geforderte Festlegung des Handelns auf ein bestimmtes Prinzip reduziert Kontingenzmöglichkeiten auf ein Minimum. Solchen Formen der Kontingenzbewältigung kam nach dem Ersten Weltkrieg eine zentrale Bedeutung zu, obwohl die Treue nach dem Untergang der Monarchie ihren Bezugsrahmen verloren hatte: Treue zu Werten aufrecht zu erhalten, die institutionell nicht mehr verankert waren, wurde nun zum Habitus der politischen Rechten, die den Weimarer Staat für die Niederlage des Ersten Weltrkieges verantwortlich machten.
Beruhte das traditionelle Treueverhältnis einstmals auf der Allianz zwischen Souverän und Volk, blieb in der „Systemzeit“ lediglich eine verkürzte Form von Treue übrig. Die Republik steckte von Anfang an in einer Legitimationskrise, so dass sich keine wechselseitige Loyalität zwischen Staat und Volk einstellte. Die konservative Rechte gab deshalb die Parole aus, nicht den äußeren Institutionen der Gegenwart, sondern den verinnerlichten Leitbildern der Vergangenheit treu zu bleiben.