Die Abstracts der Sektionen wurden aktualisiert

Berichte und Bilder finden Sie in unserem Blog

Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
header600_200_programm.jpg

Sektionen am 3. Okt.

Vortragstitel:
Runde Tische: Ungleiche Ziele, ungleiche Chancen
Tag:
01.10.2008
Epoche:
Zeitgeschichte
Sektion:
Ungleichheiten im ostdeutschen Transitionsprozess 1989/90

Abstract:

Runde Tische: Ungleiche Ziele, ungleiche Chancen

Referent/in: Francesca Weil, Dresden

Zweifellos kann allen Runden Tischen der Bezirke, die 1989/90 in der DDR entstanden sind, eine erfolgreiche Arbeit attestiert werden. In Fortführung der Revolution verhinderten sie Chaos und Gewalt. Sie ließen aber auch zu, dass die SED-Machthaber in den Regionen und deren Bürokratie nicht (vollends) entmachtet wurden. Vor allem die Unterschiede zwischen diesen 15 Runden Tischen zeigen, inwieweit die Intensität ihrer Arbeit und ihre Wirksamkeit in entscheidendem Maße von den jeweils gestellten Zielen, von den regionalen Gegebenheiten, den lokalen Machtstrukturen und den handelnden Personen vor Ort abhingen. Diese Verschiedenheiten lassen sich in erster Linie auf die Modalitäten der Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Runden Tischen der Bezirke und den staatlichen Bezirksinstitutionen zurückführen.
Auf Bezirksebene verstanden viele Akteure die Runden Tische als Beratungs- und Kontrollgremien gegenüber den Bezirkstagen und -räten. Die sog. Volksvertretungen und ihre Exekutive sahen sich in Umsetzung von zentralstaatlichen Anordnungen ihrerseits veranlasst, Vertreter der an den Runden Tischen agierenden neuen politischen Gruppierungen in ihre Arbeit einzubeziehen. Die Kooperation der Runden Tische mit den Bezirkstagen und den -räten war zum einen geprägt von dem Ausmaß an Bereitschaft der jeweiligen Bezirksbehörden, Mitarbeit zuzulassen, und zum anderen von den konkreten Ansprüchen der Mitglieder der Runden Tische, mitarbeiten zu wollen bzw. zu können. Das Spektrum der Zusammenarbeit reichte vom Austausch an Informationen zwischen Räten bzw. Bezirkstagen und Runden Tischen bis hin zur Einbeziehung von Rundtischvertretern in die Tätigkeit der Bezirkstage durch die Bildung basisdemokratischer Fraktionen oder in die Arbeit der Räte mittels Mitglieder ohne Geschäftsbereich, wobei es auch Sonderfälle gab.
Diese Voraussetzungen zusammengenommen eröffneten den Runden Tischen ungleiche Chancen, was ihre Einflussnahme auf die Entwicklung in den Bezirken anging.