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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
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Sektionen am 2. Okt.

Vortragstitel:
Ein Parteiführer spricht zu den „Massen“. Oder: wie bringt man bolschewistische Herrschaft nach...
Tag:
01.10.2008
Epoche:
Neuere/Neueste Geschichte
Sektion:
Szenarien der Macht. Repräsentationen von Herrschaft im späten Zarenreich und in der frühen SU

Abstract:

Ein Parteiführer spricht zu den „Massen“. Oder: wie bringt man bolschewistische Herrschaft nach Sibirien?

Referent/in: Sandra Dahlke, Hamburg

Nach dem Oktoberumsturz zählte die bolschewistische Partei 24.000 Mitglieder. Während des Bürgerkrieges traten ihr etwa 700.000 neue Mitglieder bei. Die meisten Neubolschewiken konnten weder lesen noch schreiben. Sie hatten zudem höchst unterschiedliche Vorstellung davon, was bolschewistische Herrschaft sein könnte. Um den Erfolg des Umsturzes zu festigen, schickte das Moskauer Zentralkomitee hochrangige Parteiarbeiter an die Peripherie, die mit lokalen Machteliten und einfachen Parteimitgliedern in Kontakt traten. Emel’jan Jaroslavskij war einer der Emissäre Moskaus.

Eine der wichtigsten Techniken, die Jaroslavskij und seine Genossen anwendeten, um bolschewistische Herrschaft zu vermitteln, war das Erzählen über die Revolution auf Versammlungen. Dabei galt es, den Anwesenden zu zeigen, wo sich das Zentrum des neuen Herrschaftsgebildes befand, wer die neuen Führer waren und was diese planten. Das Erzählen als Technik der Herrschaftsvermittlung stand in einer Tradition der Mündlichkeit. Die Autorität des Sprechers leitete sich daraus ab, dass er die revolutionären Ereignisse miterlebt hatte. Später, im Prozess der Herrschaftskonsolidierung wurde die unmittelbare Kommunikation der Parteiführer mit Parteimitgliedern und Arbeitern durch die Publikation biographischer und parteigeschichtlicher Texte auf eine symbolische Ebene überführt.

Der Vortrag analysiert, welche Inszenierungstechniken die Vertreter des entstehenden Zentralapparats entwickelten, um ihre Vorstellungen von Herrschaft an der Peripherie zu vermitteln. Darüber wird gezeigt, dass die Anwendung solcher Techniken darauf zurückwirkte, wie sich die Parteiführer ihre Untertanen vorstellten. Es wird die These vertreten, dass das öffentliche Erzählen der Inszenierung von Herrschaft diente, und dass diese Inszenierung wieder auf ihre Urheber zurückwirkte.