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Der Berichtsband erscheint voraussichtlich im Sommer 2009. Wir werden Sie an dieser Stelle weiterhin informieren.
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Sektionen am 2. Okt.

Vortragstitel:
Staatsrepräsentanten und Staatsrepräsentationen. Russische Lokalverwaltung nach den Großen Reformen.
Tag:
01.10.2008
Epoche:
Neuere/Neueste Geschichte
Sektion:
Szenarien der Macht. Repräsentationen von Herrschaft im späten Zarenreich und in der frühen SU

Abstract:

Staatsrepräsentanten und Staatsrepräsentationen. Russische Lokalverwaltung nach den Großen Reformen.

Referent/in: David Feest, Göttingen

Der russländische Staat verstärkte im Zuge der Großen Reformen seine Präsenz in der Provinz. Er war ab 1861 erstmals gezwungen, dauerhaft in die Dörfer vorzudringen. Denn die Befreiung der Bauern brachte es mit sich, dass ehemals gutsherrschaftliche Ordnungsfunktionen nunmehr von staatlichen Einrichtungen übernommen werden mussten. Neue Institutionen wie die Friedensvermittler, die Ämter für Bauernangelegenheiten und die reformierte Polizei hatten die Aufgabe, jene Vorstellungen eines modernen Verwaltungsstaates umsetzen, die den „aufgeklärten Bürokraten“ in der Hauptstadt zeitgemäß erschienen.

Dabei war den beteiligten Beamten bewusst, dass die Vermittlung von Reformvorstellungen deren Medialisierung voraussetzte. In den Instruktionen, die die neuen Friedensvermittler aus der Hauptstadt erhielten, wurde deutlich darauf verwiesen, dass es vom Auftreten der Beamten abhinge, ob es gelänge, den Bauern „Vertrauen in die neuen Einrichtungen einzuflößen“. Doch die zarischen Beamten gerieten bei ihrem Versuch, die Prinzipien des modernen Verwaltungsstaates zu verkörpern, in ein Dilemma. Um moderne Herrschaft auszuüben, mussten sie sich auf traditionelle Praktiken einlassen.

Der Vortrag widmet sich der alltäglichen Inszenierung des russischen Zentralstaates an der Peripherie. Er thematisiert die Begegnungen zarischer Staatsbeamter mit russischen Bauern. Im Anschluss an neuere Befunde der Soziologie und Organisationstheorie werden Institutionen als kulturelle Gebilde verstanden, die sich entlang gemeinsamer Leitideen und Symbolhaushalte formieren. Personen, die sich innerhalb von Institutionen bewegen, verkörpern etwas, das über ihre unmittelbare Präsenz hinausgeht: ein Ordnungssystem, ein Amt, einen Staat. Vermittels dieses theoretischen Rüstzeugs wird eine Geschichte der Medialisierung der Großen Reformen skizziert.